Der VfB Stuttgart in Südafrika Stille Hoffnung am Kap

Von , Kapstadt 

Mit dem erst 16-jährigen Arianit Ferati bereitet sich der VfB Stuttgart in Südafrika auf die Rückrunde vor. Er ist nicht das einzige Talent, in das der Club große Hoffnungen setzt.

Der 16-jährige Arianit Ferati setzt beim VfB Stuttgart zum großen Sprung an. Aktuelle Bilder vom VfB-Training in Südafrika sehen Sie in unserer Galerie. Foto: Pressefoto Baumann 31 Bilder
Der 16-jährige Arianit Ferati setzt beim VfB Stuttgart zum großen Sprung an. Aktuelle Bilder vom VfB-Training in Südafrika sehen Sie in unserer Galerie. Foto: Pressefoto Baumann

Kapstadt - Man kann nicht behaupten, Arianit Ferati habe die Situation nicht sofort erfasst. Man kann auch nicht sagen, er habe nicht schnell reagiert. Und man muss sogar konstatieren, dass der 16-Jährige umgehend eine Art spielerische Lösung parat hatte, als vor wenigen Wochen während des Schulunterrichts sein Mobiltelefon vibrierte und das Talent des VfB Stuttgart auf dem Display die Nummer von Thomas Schneider erkannte.

Doch nun bat nicht Feratis alter U-17-Trainer um dringenden Rückruf, sondern der Chefcoach des Fußball-Bundesligisten. Also fragte der Schüler der Stuttgarter Cotta-Schule seine Lehrerin, ob er kurz auf die Toilette dürfe. Der Weg führte dann aber aus dem Schulgebäude hinaus. Schließlich sollte der Handyempfang nicht gestört werden – und Ferati erfuhr in diesem Moment, dass er mit in das Trainingslager der VfB-Profis nach Südafrika reisen sollte.

Feratis kleiner Bruder spielt auch beim VfB

Was die Toilettenpause noch ein wenig verlängerte, war der Umstand, dass das zurückhaltend auftretende, aber forsch aufspielende Bürschchen gleich noch seine aus dem Kosovo stammenden Eltern anrief, um die freudige Nachricht in den Familienkreis einzuspeisen (der 14-jährige Bruder Ali spielt ebenfalls beim VfB). Und jetzt sitzt Ferati in Kapstadt und spricht über das gemeinsame Training mit den „korrekten und lustigen“ Typen, die er bisher aus dem Fernseher kannte: Christian Gentner, Vedad Ibisevic, Sven Ulreich.

Timo Werner kannte er natürlich schon vorher. Sie sind ja gemeinsam im vergangenen Sommer deutscher B-Junioren-Meister geworden – mit Schneider als Trainer. Es ist Ferati auch nicht entgangen, dass Werner mit seinen 17 Jahren in der Bundesliga umgehend für viele Leute im und um den Verein herum zur Symbolfigur einer neuen Zeit geworden ist. Und wenn nicht alle Anzeichen täuschen, dann könnte Ferati mit seiner Technik, seinen Tricks und seinem Tempo auch bald zum festen Bestandteil einer schwäbischen Fußballbande gehören, die den neuen alten Jugendstil des VfB darstellt.

10 der 26 Spieler in Kapstadt kommen aus der eigenen Jugend

Aktuell entspringen den 26 VfB-Spielern in Kapstadt zehn der clubeigenen Ausbildung. Mit ihnen und dem Eigengewächstrainer Schneider wollen die Schwaben in Deutschland wieder Schule machen. Offensiv und kreativ soll das Spiel sein. Frech und frisch die Mannschaft. Im Idealfall sollen die neuen Betrieb- und Windmacher sogar aus der Region kommen. Werner stammt aus Stuttgart, Ferati aus Weinstadt.

Doch die Zukunft bekommt gelegentlich noch ein wenig Pause verordnet. Weniger weil die Beine wegen der intensiven Übungseinheiten schlapp machen, sondern rein aus formalen Gründen. Eine Zwangspause sozusagen. Denn der hoch egabte Ferati ist nun einmal erst 16, und die Statuten sehen vor, dass 16-Jährige noch nicht bei den Aktiven mitspielen dürfen. Auch nicht in einer Testpartie. „Das ist hart für mich, aber so sind eben die Regeln“, sagt Ferati, der im September Geburtstag feiert und so frühestens in der nächsten Saison zum Einsatz kommen kann.

Der Manager Fredi Bobic mahnt zur Bodenhaftung

Bis dahin muss der Mittelfeldspieler, der nach den Erfahrungen am Kap wieder zur U 19 stoßen wird, nicht nur Schneiders Vertrauensvorschuss fußballerisch rechtfertigen, sondern ebenso Fredi Bobic immer wieder beweisen, dass er durch ein bisschen Profiatmosphäre nicht gleich in einen Höhenrausch verfällt und abhebt. Der Manager ist ein großer Verfechter der Stuttgarter Jugendbewegung, aber er ist ein ebenso großer Mahner: „Die Jungs müssen klar im Kopf bleiben und dürfen nicht denken, dass es von allein läuft, wenn sie einmal oben dabei sind.“

Selbstzufriedenheit und Bequemlichkeiten können ja zweifelsfrei zu Bremsklötzen einer noch jungen Sportkarriere werden. Bobic hat das schon oft erlebt. Weshalb er immense Sympathie für einen zweiten Bildungsweg hegt. Nicht nur der Gang durch die VfB-Jugendakademie soll in die Bundesliga führen, sondern ebenso der steinige Umweg über die Amateurschiene. Wie der frühere Stürmer ihn einst selbst beschritten hat, und es nun Tim Leibold versucht. Weit gekommen ist der 20-jährige Linksverteidiger dabei schon. Er saß bei Ligaspielen bereits auf der Bank. In Kapstadt hängt er sich in die Zweikämpfe und Sprints so rein, wie er es zuvor schon bei der zweiten VfB-Mannschaft, dem SGV Freiberg und den TSF Ditzingen getan hat.

Tim Leipold wurde einst in der C-Jugend aussortiert

„Ich müsste aber lügen, wenn ich heute behaupten würde, ich hätte mich nicht aufgeregt, als ich die VfB-C-Jugend verlassen musste“, sagt Leibold. Wenige Jahre und einen Knöchelbruch später verkörpert er jedoch mit Arianit Ferati, Timo Baumgartl (17) und Marvin Wanitzek (20) sowie Robin Yalcin (19), der wegen einer Verletzung nicht mit nach Südafrika konnte, am Kap die stille Hoffnung auf mehr in Stuttgart.