Die letzte Länderspielpause der laufenden Bundesliga-Saison ist vorbei. Zeit, um vor dem Spiel des VfB Stuttgart in Frankfurt auf die Statistiken der Weiß-Roten zu blicken.

Volontäre: Felix Mahler (fma)

In unserem Podcast zum VfB Stuttgart, dem „PodCannstatt“, blicken wir jede Woche auf die Daten zur vorherigen und zur anstehenden Partie. Vor dem Schlussspurt in der Bundesliga beleuchten wir nun auch hier die Zahlen zur gesamten Saison, vergleichen die Hin- und Rückrunde sowie spezifisch die Partien gegen die neun Gegner, gegen die der VfB schon in beiden Halbserien gespielt hat – wo der VfB abfällt und was noch Hoffnung auf Europa machen könnte.

 

Die Tabellenlage Nach 26 Spieltagen steht ein zehnter Platz mit 37 Punkten. In der vergangenen Saison stand man bei 56 Punkten und auf dem dritten Platz. Zehn Siege holte der VfB in der bisherigen Bundesliga-Saison 2024/2025. Ganze acht Siege mehr waren es zum selben Zeitpunkt in der Vizemeister-Saison. Ein klarer Unterschied zeigt sich auch bei den Unentschieden. Mit sieben Punkteteilungen sind es fünf mehr als nach 26 Spieltagen der Vorsaison. Mit neun Niederlagen verbuchen die Weiß-Roten diese Saison drei mehr als in der Vorsaison. 13 weniger Tore und zwölf mehr Gegentore stehen dazu zu Buche.

Ganz fair oder gar zielführend ist dieser Blick allerdings nicht – vergleicht man ja mit der nach Punkten besten Bundesliga-Saison der Vereinsgeschichte des VfB Stuttgart, die noch kein Maßstab sein kann. Die Seite „understat.com“ berechnet den Wert der Expected Points, also den erwartbaren Punkten nach Werten wie den Expected Goals, die auch noch beleuchtet werden. Hier stünden die Schwaben auch jetzt schon deutlich höher in der Tabelle. 5,14 Punkte hätte der VfB Stuttgart mehr auf dem Konto und landet mit 42,14 Punkten auf dem fünften Tabellenplatz in der xPoints-Tabelle.

Die Punkte Bleiben wir bei der Realität der laufenden Saison. Die Hinrunde beendete der Vizemeister nach einem erfolgreichen Schlussspurt noch auf dem fünften Platz. Nach den ersten neun Spieltagen dieser steht in der Rückrundentabelle nun ein 15. Platz. Darstellen kann man dies auch mit dem Punkteschnitt. 1,42 Punkte pro Spiel waren es in den ersten 26 Spieltagen. 29 Punkte holten die Schwaben in der Hinrunde, das macht einen Schnitt von 1,7 Punkten.

In der Rückrunde sind es bisher nur acht Punkte aus neun Spielen und damit ein Schnitt von 0,88 Punkten. Der Unterschied ist deutlich. Noch vergleichbarer sind die Spiele gegen die neun Gegner, gegen die der VfB schon in der Hin- und der Rückrunde gespielt hat, also vom SC Freiburg bis zu Bayer 04 Leverkusen. In den ersten neun Spielen der Bundesliga-Saison 2024/2025 holte der Vizemeister 13 Punkte, also einen Schnitt von 1,4 Punkten.

Die Expected Goals Die Punkte und die Platzierung in der Tabelle sind am Ende das, was zählt. Aber auch spezifische Daten haben Relevanz und Aussagekraft – angefangen mit den sogenannten Expected Goals (xG), die angeben, wie viele Tore mit den herausgespielten Abschlusspositionen erwartbar gewesen wären. Insgesamt, auf 26 Spieltage gesehen, erspielen sich die Schwaben einen xG-Wert von 1,94 pro Spiel. Ein deutlicher Unterschied zeigt sich auch hier im Vergleich der beiden Halbserien. Der VfB erspielte sich in der Hinrunde mit einem xG-Wert von 2,26 pro Spiel fast ein ganzes xGoal mehr pro Spiel als in der bisherigen Rückrunde (1,34 xG). Auch im Vergleich derselben neun Gegner fällt die Rückrunde ab, hier mit einer Differenz von 0,62.

Positiver, zumindest was die Entwicklung angeht, fällt der Blick auf die Expected Goals aus, die der VfB zulässt respektive sich die Gegner erspielt haben. Der Gesamtschnitt liegt hier bei 1,58 xG pro Spiel. Die Hinrunde (1,63) und Rückrunde (1,49) unterscheiden sich nur minimal. Ein wenig deutlicher fällt die Differenz beim Vergleich derselben neun Spiele aus. In den ersten neun Spieltagen der Bundesliga-Saison wurden noch 1,91 Expected Goals pro Spiel zugelassen, also 0,42 mehr als in denselben Spielen in der Rückrunde.

Mit 10 Saisontoren ist Ermedin Demirovic der beste Torschütze des VfB. Foto: Pressefoto Baumann//Volker Mueller

Die Tore Das eine sind die Tore, die erwartbar gewesen wären. Das andere sind dann jene, die tatsächlich gefallen sind. Hier auch zuerst der Blick auf den VfB. Mit 47 bisher erzielten Toren in dieser Bundesliga-Saison ergibt sich ein Schnitt von 1,8 Toren pro Spiel. Damit liegen die Weiß-Roten auf dem fünften Platz in der Bundesliga. Der Schnitt der Hinrunde und der ersten neun Spiele liegt jeweils bei 1,88 Toren pro Spiel und ist damit nur minimal höher als der Wert der Rückrunde (1,66). Mit 43 Gegentoren kassierten die Schwaben bisher im Gesamtschnitt 1,65 Tore pro Spiel. Das stellt Platz 13 in der Liga dar. Anders als bei den Expected Goals, die der VfB zugelassen hat, die ja leicht gesunken sind, ist der Wert der gegnerischen Tore in der Rückrunde um 0,36 pro Spiel höher als noch in der Hinrunde. Hier lohnt sich auch wieder der Blick auf die spezifischen neun Spiele, in denen die Schwaben in der zweiten Halbserie nur 0,1 Gegentor mehr pro Spiel bekommen haben.

Der Ballbesitz Hier macht sich direkt ein erheblicher Unterschied bemerkbar. Im Gesamtschnitt der Saison hat der VfB Stuttgart pro Spiel 55,4 Prozent Ballbesitz – Platz fünf in der Bundesliga. Waren es in der Hinrunde noch 57,8 Prozent, so sind es in der bisherigen Rückrunde nur 50,7 Prozent, also eine Differenz von über sieben Prozent. Nicht anders sieht es auch beim Vergleich der Spiele gegen dieselben neun Gegner aus. In den ersten Spielen der Hinrunde waren es noch 56,7 Prozent Ballbesitz, also sechs Prozent mehr als in der bisherigen Rückrunde.

Die Pässe Große Zahlen mit ebenfalls größeren Unterschieden finden wir auch bei den gespielten Pässen. Im Gesamtschnitt der bisherigen 26 Spiele der Bundesliga-Saison spielen die Schwaben 529 Pässe pro Partie. Eine deutliche Differenz macht sich hier zwischen der Hinrunde (560 Pässe) und der Rückrunde (469 Pässe) bemerkbar. Ein Verlust von über 90 Pässen pro Spiel. In den ersten neun Spielen der Saison (528) spielten die Schwaben auch etwa 60 Pässe mehr.

Die Passquote Zu den gespielten Pässen gehört natürlich auch die Passquote, also die angekommenen Pässe. Wie bei den restlichen Daten auch, beziehen wir uns hier auf die offiziellen Zahlen, die die Bundesliga an den Spieltagen listet. Im Gesamtschnitt liegt der VfB hier bei 84,7 Prozent – Top Fünf in der Bundesliga. In der Hinrunde (85,8 Prozent) und den ersten neun Spielen dieser (85,88 %) spielten die Schwaben eine um etwa drei Prozent bessere Passquote als in der bisherigen Rückrunde (82,8 Prozent). Die Differenzen sind hier also nicht überaus groß, aber trotzdem vorhanden.

Die Laufdistanz Bei den insgesamt zurückgelegten Kilometern der Weiß-Roten ist eine Konstanz zu bemerken. Der Gesamtschnitt und der Schnitt der Rückrunde liegt je bei 114,96 Kilometern pro Spiel. In der Hinrunde legte die gesamte Mannschaft pro Spiel nur zehn Meter weniger hin. Der Vergleich der ersten neun Spiele (112,62 Kilometer) zu den neun Spielen der Rückrunde zeigt zwar einen Unterschied auf, dieser ist aber eher zu vernachlässigen, da es typisch ist, dass die Laufleistung am Anfang der Saison noch nicht auf dem Durchschnitts-Level der Spielzeit ist.

Aufsummiert spulte Angelo Stiller bei den Schwaben bisher die meisten Kilometer ab. Foto: Pressefoto Baumann//Julia Rahn

Die Sprints Im Gesamtschnitt der Saison absolvierte der VfB bisher 227,1 Sprints pro Spiel. Auch hier ist es nicht untypisch, dass sich die Werte über eine Saison eher verbessern als verschlechtern, und es gibt minimale Differenzen zwischen den Halbserien. Der VfB legt in der bisherigen Rückrunde (231,22) etwa sechs bis neun Sprints mehr pro Spiel hin als noch in der Hinrunde (224,94) und den ersten neun Spielen dieser (222,44).

Die gewonnenen Zweikämpfe Zuletzt blicken wir bei den spezifischen Daten noch auf die gewonnenen Zweikämpfe. Im Gesamtschnitt gewann der VfB bisher in den 26 Spieltagen der Bundesliga-Saison 104 Zweikämpfe pro Spiel – Platz zwei im Bundesliga-Vergleich. Wieder gibt es hier keinen großen Unterschied zwischen der Hinrunde (104,52 gewonnene Zweikämpfe) und der Rückrunde (104,88). Und auch hier ist klar, dass sich der Wert im Normalfall vom Saisonstart hin zum Saisonende eher verbessert. Es ist in jedem Fall aber als positiv zu vermerken, dass sich der VfB in den Werten zur Intensität mindestens konstant präsentiert oder gar gesteigert hat. So wie hier im Vergleich der ersten neun Spiele der Hinserie (93) und den ersten neun Spielen der Rückserie. Eine Steigerung von über elf gewonnenen Zweikämpfen pro Spiel.

Das Restprogramm Ein letzter Punkt, der positiv stimmen darf, ist der Ausblick auf die verbleibenden acht Ligaspiele und Gegner. Gemessen an der aktuellen Tabellenposition nach 26 Spieltagen hat der VfB Stuttgart das „zweiteinfachste“ Restprogramm der Bundesliga vor sich. Im Schnitt geht es nun gegen Platz 11,38. Klammert man Bayern München und Bayer Leverkusen aus, haben alle sieben Mannschaften, die aktuell vor dem VfB Stuttgart in der Tabelle stehen, ein Restprogramm zwischen im Schnitt Platz 9,25 und 9,75 zu bestreiten. Dazu kommt die Erfahrung aus der Hinrunde. Die Schwaben nutzten hier ihr Restprogramm und sammelten aus den letzten acht Spielen 16 Punkte.

Das Restprogramm eröffnet dem VfB Stuttgart die realistische Chance, auch in der nächsten Saison wieder auf die Reise zu gehen. Foto: Pressefoto Baumann//Hansjürgen Britsch

Daher nun ein Rechenspiel. Holen die Weiß-Roten auch aus dem Restprogramm der Rückrunde gegen dieselben Gegner wieder 16 Punkte, würden sie die Spielzeit nach 34 Spieltagen mit 53 Punkten abschließen. Beim Blick auf die vergangenen fünf Bundesliga-Spielzeiten fällt auf, dass diese Punktzahl noch immer für die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb gereicht hat. In vier der fünf Spielzeiten haben 53 Punkte für den sechsten Tabellenplatz gereicht, einmal für den siebten. Natürlich noch abhängig vom Sieger des DFB-Pokals, bedeutete der sechste Platz auch immer die Europa League. Sonst ginge es in die Conference League. Legt der VfB in der Rückrunde also denselben Schlussspurt wie in der Hinrunde hin, würde es sehr gut aussehen mit einer weiteren Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb.