Der VfB Stuttgart und die Fernsehgelder Warum die Hinterbänkler in der Bundesliga aufbegehren

VfB-Chef Thomas Hitzlsperger setzt sich für mehr Chancengleichheit in der Liga ein. Foto: dpa/Tom Weller

Gemeinsam mit anderen Clubs hat der VfB Stuttgart den Vorstoß unternommen, die Fernsehgelder in der Bundesliga künftig anders zu verteilen. Die Aussichten auf Erfolg waren nie besser.

Stuttgart - Als Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart hat Thomas Hitzlsperger neuerdings einige Gründe, mit Freude auf das zu blicken, was in der ausgegliederten Fußball-AG so alles vor sich geht. Der Aufsteiger hat einen äußerst gelungenen Saisonstart hingelegt und rangiert auf Platz vier. Die vielen jungen Spieler zeigen, dass sie in der Bundesliga nicht nur mithalten, sondern im besten Fall auch auftrumpfen können. Und nicht einmal die Verletzungsprobleme geben vor dem Spiel bei Schalke 04 an diesem Freitag (20.30 Uhr) Anlass zu größeren Sorgen – schließlich scheint der Kader groß genug, um auch mit Ausfällen umgehen zu können. All das hätte sich wohl auch Hitzlsperger kaum vorstellen können, als der VfB vor knapp vier Monaten mit Ach und Krach in die Bundesliga zurückgekehrt ist.

 

Allerdings zählt es zu seinen wichtigsten Aufgaben, sich nicht von der Gegenwart blenden zu lassen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass es auch in der nahen und ferneren Zukunft erfolgreich weitergeht. Weshalb sich Hitzlsperger nun mit an die Spitze einer Bewegung gestellt hat, die dazu beitragen will, dass die Schere zwischen Arm und Reich im deutschen Profifußball nicht noch weiter auseinandergeht.

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Gemeinsam mit den Ligarivalen FC Augsburg, 1. FSV Mainz und Arminia Bielefeld sowie zehn Clubs aus der zweiten Liga verfolgt der VfB das Ziel, die TV-Milliarden künftig gleichmäßiger zu verteilen – und auf diese Weise größere Planungssicherheit und etwas mehr Chancengleichheit zu erreichen. Ein entsprechendes Positionspapier wurde dem Präsidium der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bereits übergeben. „Es muss unser gemeinsames Interesse sein, dass die Fans einen Wettbewerb sehen, bei dem sie nicht schon vorher wissen, wie er ausgeht“, sagt Hitzlsperger. „Im Laufe der Jahre hat sich das sehr verändert.“

Die Fernsehgelder sind die wichtigste Einnahmequelle der Clubs

Der Streit über die Verteilung der Fernsehgelder – die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der 36 Proficlubs der ersten und zweiten Liga – ist nicht neu und wird nach jedem neuen Vertragsabschluss durch die DFL geführt. Doch haben sich die Dinge grundlegend geändert, wenn von der nächsten Saison an der neue Vierjahresvertrag in Kraft tritt, bei dem es insgesamt 4,4 Milliarden Euro (und damit etwas weniger als bisher) aus der Vermarktung der nationalen Medienrechte zu verteilen gibt. Die Gelegenheit für eine Umverteilung war nie besser – nicht allein deshalb, weil ein Ende der Münchner Meisterserie auch in dieser Saison nicht in Sicht ist.

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Die Corona-Krise hat das ewige Wachstum der Boombranche Profifußball jäh beendet und viele Vereine an den Rande des Ruins gebracht. Dass es grundlegender Veränderungen bedarf, um den bisherigen Auswüchsen Einhalt zu gebieten, hat auch die DFL erkannt und eine Task-Force damit beauftragt, sich über die Zukunft des Profifußballs Gedanken zu machen. Ein Weiter-so, darüber herrscht in der Branche weitgehend Einigkeit, dürfe es nicht geben, „sonst verlieren die Menschen das Interesse am Fußball“, wie Hitzlsperger sagt.

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„Der Fußball muss sich entscheiden, ob er wieder ein sportlicher Wettbewerb werden will oder einfach nur noch Unterhaltungsindustrie sein möchte“, erklärte der Augsburger Präsident Klaus Hofmann bereits Ende Juni. „Für Ersteres müssen die Parameter geändert werden.“ Bislang wurde das viele Geld vom Fernsehen fast ausschließlich erfolgsabhängig verteilt – was dazu geführt hat, dass die Kassen der Topclubs immer voller und die anderen immer weiter abgehängt wurden. In der laufenden Saison bekommt der Aufsteiger aus Bielefeld ganz am Ende der Geldrangliste nicht einmal halb so viel wie der FC Bayern oder Borussia Dortmund.

Seriös wirtschaftende Vereine sollen belohnt werden

Nach den Vorschlägen der Hinterbänkler aus Stuttgart, Mainz oder Augsburg sei künftig eine gleichmäßigere Verteilung nötig. Ein Sockelbetrag von 50 Prozent, so die Idee, soll erfolgsunabhängig an jeden Bundesligisten vergeben werden. Mit der anderen Hälfte soll auch „die relative sportliche Leistung“ honoriert werden – das Verhältnis zwischen eingesetztem Geld und dem damit erzielten Tabellenplatz. Auf diese Weise könnten seriös wirtschaftende Clubs wie der SC Freiburg belohnt werden.

Und schließlich sollen jene Vereine einen Bonus genießen, die zur Attraktivität der Bundesliga beitragen, messbar an Zuschauerschnitt oder Einschaltquoten. Das wiederum könnte dem VfB zugute kommen, der zuletzt zwar gewaltige Turbulenzen erlebt hat – sich mit seiner unverändert großen Fanbasis aber auch weiterhin zu den Schwergewichten der Liga zählen darf.

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