Der VfB und seine Fehler Der hausgemachte Absturz

Der nächste Tiefpunkt: die VfB-Mannschaft trottet nach dem 1:4 gegen Augsburg vom Platz. Weitere Szenen aus dem Spiel dokumentieren wir in der Fotostrecke. Foto: Baumann 12 Bilder
Der nächste Tiefpunkt: die VfB-Mannschaft trottet nach dem 1:4 gegen Augsburg vom Platz. Weitere Szenen aus dem Spiel dokumentieren wir in der Fotostrecke. Foto: Baumann

Der VfB steckt in der Krise. Nicht erst seit Sonntag und dem 1:4 gegen Augsburg. Es ist ein schleichender Prozess der vergangenen sechs Jahre, in denen Sparen über dem sportlichen Konzept stand.

Sport: Thomas Haid (T.H.)
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Stuttgart - Es ist Februar 2008. Beim VfB gibt es Leute, die heute sagen, dass die große Krise der Gegenwart damals angefangen hat. Horst Heldt überlegte sich auf jeden Fall bereits, ob es mit Armin Veh überhaupt weitergehen kann. Der alte Manager nahm Kontakt zu Jürgen Klopp auf, der zu dieser Zeit noch Mainz 05 betreute. Die Signale waren positiv – Klopp wäre wohl gekommen. Aber aus Dankbarkeit dem Meistertrainer Veh gegenüber zögerte Heldt. Klopp ging ein paar Monate später nach Dortmund. Der Rest ist bekannt.

Es ist Februar 2014. Die Borussia ist weit oben und der VfB weit unten – spätestens nach der 1:4-Pleite am Sonntag gegen Augsburg. Diese Mannschaft dümpelte im Februar 2008 noch im Mittelmaß der zweiten Liga. Jetzt hat der FCA zwölf Punkte mehr auf dem Konto als der VfB, in der Bundesliga. Das wirft Fragen auf – speziell diese: Was ist in Stuttgart außer dem geplatzten Klopp-Wechsel zwischen Februar 2008 und Februar 2014 noch alles geschehen?

Antwort: die Geschichte des hausgemachten Absturzes ging 2008 so weiter, dass der VfB die Saison auf Rang sechs abschloss und sich für den Europapokal qualifizierte. Nach dem Titel ein Jahr zuvor war das ein Rückschritt, aber kein Grund für die Verantwortlichen, ihre Ausrichtung zu überprüfen. Der VfB wollte ein Club sein, der auf Talente setzt, aber verpflichtet wurden dann Routiniers wie Khalid Boulahrouz oder Jens Lehmann.

Vorausschauende Investitionen blieben die Ausnahme

Als Widerspruch empfand der VfB das nicht. Die jungen Wilden dienten vielmehr als Schutzschild, hinter dem es intern wie in den Jahren danach um andere Themen ging. Personaldiskussionen überlagerten Sachdebatten. Im November 2008 wurde Veh entlassen und durch Markus Babbel ersetzt, der den VfB noch in die Champions League führte. Dadurch war alles vermeintlich wieder gut und noch mal die Chance da, die Weichen richtig zu stellen. Aber der Verein wählte wieder die falsche Richtung – weil er wieder zögerte.

Als Mario Gomez im Sommer 2009 zum FC Bayern wechselte, dauerte es lange, bis der Nachfolger gefunden war. Am Ende war der Markt verlaufen und gab nur noch Pawel Pogrebnjak her. Generell geriet das zum Markenzeichen der Stuttgarter Transferphilosophie. Neue Spieler wurden in aller Regel erst sehr spät im August unter Vertrag genommen, weil der VfB bis zuletzt versuchte, den Preis zu drücken – um zum Schluss dann doch tief in die Tasche greifen zu müssen. Zdravko Kuzmanovic ist ein gutes Beispiel dafür. Vorausschauende Investitionen blieben so die Ausnahme. Zum Teil war diese Herangehensweise der Vorgabe des Aufsichtsratschefs Dieter Hundt geschuldet, der in der Bilanz eine schwarze Null forderte – ohne von den hohen Ansprüchen an das Team abzurücken. Der Einzug in das internationale Geschäft blieb Pflicht.




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