Der VfB vor der Mitgliederversammlung Dietrich: Ausgliederung erhöht Chancen auf sportlichen Erfolg

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„Ohne Ausgliederung würde der Kader anders aussehen als nach einer Ausgliederung“, sagt Wolfgang Dietrich, der aber nicht die große Drohkulisse aufbauen will: „Der VfB wird auf jeden Fall weiter bestehen. Die Ziele müssten allerdings anders formuliert werden.“ Sollten die Mitglieder den von der Chefetage eingeschlagenen Weg mitgehen, würde dies die Chance enorm erhöhen, sich in der ­oberen Hälfte der ersten Liga zu etablieren, das stellt der Präsident in Aussicht. Die VfB-Clubführung ist felsenfest überzeugt von ihrer Lösung, das wird bei jeder Veranstaltung deutlich.

Die Chefs gehen unmittelbar vor der Abstimmung aber nicht mehr auf Konfrontationskurs mit den Gegnern der Ausgliederung. Nur der ehemalige Torwart Helmut Roleder, der vor ein paar Jahren auch schon einmal selbst VfB-Präsident werden wollte, spricht von „Ewiggestrigen“, die sich den Anforderungen des modernen Fußballs aus Prinzip verschließen wollten. Lob spricht dagegen Wolfgang Dietrich den Gegnern aus, zumindest „was den zuletzt angenehm sachlichen Ton in der Debatte angeht“. Damit zielt der Präsident auf zwei offene Briefe aus der Ultra-Szene ab, in denen die Fan-Gruppierungen Commando Cannstatt und der Schwabensturm ihre Skepsis gegenüber der Ausgliederung sehr moderat geäußert hatten. Mittlerweile ist sowohl bei den Befürwortern als auch bei den Kritikern der Wille erkennbar, dass es nach der Entscheidung nicht zu einem Bruch kommen soll.

Ortswechsel – allein der macht schon deutlich, wie schwer es ist, die Interessen der Clubchefs und der Ultras in Einklang zu bringen. Zwischen dem Börsenplatz in Stuttgart-Mitte, wo Wolfgang Dietrich und Co. ihre Sicht der VfB-Dinge erläutern, und dem Bahnhofsvorplatz in Bad Cannstatt liegen Fußballwelten. Herausgeputzt versus abgewetzt. Oder Loge kontra Stehplatz. An dieser Cannstatter Ecke sieht Stuttgart zur Abwechslung aus wie Duisburg-Marxloh, ungeschminkt, dafür mit Shisha-Bar, Balkan-Café und deutschem Freiluft-Trinkertreff. Und mittendrin das Vereinsheim der Fan-Gruppierung Commando Cannstatt im Parkhaus-Anbau.

Wem gehört der Fußball?

Willkommen im Epizentrum der VfB-Ultras. Schals und Wimpel an der Wand, Pokale in der Vitrine, eine riesige Bar. Das reicht. Fan-Purismus in Vollendung. Und in dieses Ambiente gehört eigentlich auch immer die große Frage: Wem gehört der Fußball? Wird er nach den traditionellen Fan- oder nach zukunftsorientierten Wirtschaftsvorstellungen gespielt? Diese Fragen wollen Daniel und Markus – auf Nachnamen wird in der Ultra-Szene prinzipiell verzichtet – gar nicht mehr kategorisch beantwortet wissen. Die beiden jungen Männer aus dem Führungsgremium des Commando Cannstatt, der bekanntesten Stuttgarter Ultra-Vereinigung, sind sich im Klaren darüber, dass Kompromisse geschlossen werden müssen, um einen Club zukunftsfähig zu machen.