Nahezu täglich läuft Wolfgang Haug durch den Leinfelden-Echterdinger Gemeindewald Weidacher Höhe. Was er da erlebt, stimmt ihn sehr zufrieden: „Überall gluckert und gluckst es, nicht sehr laut, dafür kontinuierlich. Das heißt, das Regenwasser versickert allmählich im Boden, so wie er es eben gut aufnehmen kann, und nicht auf die Schnelle.“ Das liegt vor allem daran, dass es bei der Alten Poststraße entlang eine Reihe von aufgestautem Wasser gibt, mal nur Tümpel, mal Seen, die terrassenartig angelegt sind.
Die gibt es vor allem aufgrund der Initiative von Wolfgang Haug, einem gebürtigen Echterdinger, inzwischen Schulleiter im Ruhestand und seit mehr als 50 Jahren im Gemeinderat. „Die Gewässer sind gut gefüllt“, so Haug, „aber sie laufen nicht über“. Und ein weiterer positiver Effekt: „Es hat im Siebenmühlental keine Überschwemmungen gegeben in den intensiven Regenwochen“, so Haug. Denn hätte man dem Regenwasser an diesem Hang seinen Lauf gelassen, dann wäre dieses schmale Tal schnell mit Wasser vollgelaufen.
Ein Segen für die Amphibien
Und auch das freut Haug: „Diese Feuchtigkeit ist ein wahrer Segen für alle Amphibien hier, die in den vergangenen Jahren aufgrund der frühen und anhaltenden Trockenheit ein sehr gestresstes Leben hatten.“ Dieser Erfolg schien anfangs keineswegs gesichert: „Vor wenigen Wochen war es noch ziemlich still. Da hatte ich schon die Befürchtung, dass die Frösche und Unken nicht überlebt haben“, so Haug. Aber die waren anfangs eben noch zögerlich, weil die erforderlichen Sonnenstrahlen fehlten, um ihren Kreislauf und ihre Sinne zu stimulieren. Jetzt gibt es aber Sonne satt für sie. „Und ich bekomme ein wunderschönes Froschkonzert an den Seen, vor allem morgens und abends“, freut sich Haug.
Idealer Lebensraum für Unken
Das bestätigt Kathrin Klein, Försterin von ForstBW, dem Unternehmen, das verantwortlich ist für die Bewirtschaftung von Staatswald. Klein sagt, sie habe eher mit Waldgebieten zu tun, die nicht so günstige Lebensräume für Amphibien haben wie die Terrassenseen der Weidacher Höhe. „In den Regenwochen sind allgemein in den Wäldern viele Kleinstbiotope entstanden.“ Sie meint damit beispielsweise die vermatschten Fahrspuren durch den Wald als Relikte der winterlichen Forstarbeit. Der Wanderer mag schimpfen ob dieses Drecks. Aber vor allem für die Gelbbauchunke sind solche Wege ein idealer Lebensraum zur Nachwuchspflege. Ein Malus bleibt: Auch für Stechmücken ist das ideal zur Fortpflanzung. Der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) gibt ebenso gute Prognosen für die Amphibien: „Fröschen und Unken hat das Wetter sehr geholfen“, so Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer. „Jetzt finden sie viele kleine Pfützen“. Für eine Bilanz ist es aber zu früh.
Während bei den Tieren noch das Prinzip Hoffnung überwiegt, sieht es bei den Bäumen aus Expertensicht um einiges schlechter aus. Vor allem Pfeifer findet drastische Worte: „Bei einer Führung durch den Kräherwald vor einigen Wochen war ich geschockt, vor allem über den Zustand der Buchen. Generell habe ich den Wald noch nie in einem so schlechten Zustand gesehen wie jetzt. Hier sterben reihenweise Buchen, die 120 bis 140 Jahre alt sind. Die Obstbäume in den Gärten des Feuerbacher Tals sind davon genauso betroffen.“ Sein Resümee: „Die Natur muss einen hohen Preis zahlen für die heißen und trockenen Sommer. Der Regen dieses Jahres ist willkommen, aber er kann nicht korrigieren, was jahrelang gefehlt hat“.
Die Folgen der Trockenheit
Die Försterin Kathrin Klein sieht das ähnlich: „Gerade unsere Hauptbaumart Buche leidet an manchen Standorten, etwa auf schweren Tonböden, massiv unter der Trockenheit, aber auch unter der anhaltenden Hitze. Einmal geschädigt, kann sich die Buche nur schwer erholen und stirbt infolgedessen ab. Betroffen sind hier vor allem ältere Bäume.“ Auch für sie sind die Gründe ganz offenkundig: „Das ist eine Spätfolge der Trockenheit aus den Vorjahren. Kompensiert werden können die Schäden der vorangegangenen trockenen Jahre nicht, aber die gute Wasserverfügbarkeit wirkt zumindest einer weiteren Schädigung entgegen“, sagt die Försterin.
Förderung von klimastabilen Baumarten
Waldwanderung
Durch den üppigen Regen wurden die Waldwege zum Teil massiv ausgespült und haben nun tiefe Rinnen. Außerdem wurden einige Bäume entwurzelt, da sie in dem aufgequollenen Waldboden nicht mehr genügend Halt hatten. Zum Teil liegen sie nun auf den Waldwegen. ForstBW ist jetzt damit beschäftigt, die Erholungswege in den Staatswäldern zu reparieren und die entwurzelten Bäume zu entfernen. Das kann noch einige Wochen dauern.
Eichen
ForstBW setzt in seiner Waldwirtschaft jetzt auf die Eiche. „Aufgrund ihrer Biologie und Anatomie kann sie Trockenheit und Hitzeereignisse besser überdauern. Sie gehört daher zu den klimastabilen Baumarten und wird als Lichtbaumart mit ihren besonderen Platz- und Lichtansprüchen über eine gezielte Waldpflege gefördert, zusammen mit weiteren klimastabilen Baumarten“, sagt die Försterin Kathrin Klein.
Vogelwelt
Als „unheimlich still“ empfindet Gerhard Pfeifer vom BUND die Vogelwelt: „Schwalben habe ich bis jetzt kaum gehört.“ Aber auch da ist erst mal noch etwas Geduld angesagt: „Vielleicht war es bisher zu kühl für sie. Und dann fehlte es möglicherweise an Insektenfutter wegen der Witterung“, so Pfeifer.