Der Weiße Ring hilft von Leinfelden-Echterdingen aus Damit Opfer von Straftaten nicht allein gelassen sind

Auch in der eigenen Wohnung kann man zum Opfer von Straftaten werden. Der Weiße Ring hilft Geschädigten bei der Bewältigung des Erlebten. Foto:  

Durch eine Straftat Geschädigte leiden oft unter psychischen oder finanziellen Problemen. Der Verein Weißer Ring, der seinen Sitz im Kreis Esslingen in Leinfelden-Echterdingen hat, hilft auf vielfältige Art und Weise.

Es kann jeden treffen. Damit die Opfer einer Straftat mit den psychischen und finanziellen Folgen nicht alleine fertig werden müssen, steht ihnen der Verein Weißer Ring zur Seite. In Leinfelden-Echterdingen bieten der für den Kreis Esslingen zuständige Außenstellenleiter Reiner Mischer und sein Stellvertreter Dieter Schneider mit fünf weiteren ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Unterstützung an.

 

„Es ist wichtig, dass sie jemanden haben, mit dem sie reden können“, sagt Schneider. Vielen Menschen helfe es für die Bewältigung des Erlebten, sich mit einem Mitarbeiter des Weißen Rings auszutauschen. Darüber hinaus pflegt der Verein ein Netzwerk an Kontakten, etwa zu Hilfsorganisationen wie Frauen helfen Frauen oder Wildwasser. Auch Anwälte, soziale Dienste der Kommunen oder die Traumaambulanz des Klinikums Esslingen gehören zum Netzwerk. Denn in manchen Fällen reiche das Zuhören und Reden nicht dafür aus, dass die Opfer rasch wieder in ein geregeltes Leben zurückfinden.

Der Weiße Ring hilft beim Beantragen von Leistungen

Zum erlittenen Schaden durch die Tat selbst kommen zuweilen weitere Probleme hinzu. Ein Opfer einer Straftat kann noch Wochen und Monate traumatisiert sein. „Jeder Mensch ist anders“, sagt Mischer. Neben den psychischen Folgen können finanzielle Schäden entstehen, für welche die Täter oft nicht aufkommen. Auch hier hilft der Weiße Ring, etwa durch Hilfe beim Beantragen von Leistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz. So könne beispielsweise für die Beerdigungskosten von Mordopfern Hilfe beantragt werden. Oft würden die Anträge von den Behörden fälschlicherweise abgelehnt, so Mischer. Dann lohne es sich, den Rechtsweg zu beschreiten. Bis das Geld auf dem Konto ist, könne es aber lange dauern. Für die Überbrückung springe der Weiße Ring ein.

Knapp 70 Fälle haben die Mitarbeiter des Weißen Rings im Jahr 2021 bearbeitet, 2022 waren es rund 90 Fälle. Zu Taten, denen die Menschen zum Opfer gefallen sind, zählen Bedrohung, Körperverletzung, Beleidigung, Stalking, Raub, sexuelle Nötigung, häusliche Gewalt, Vergewaltigung oder Betrug. Nicht immer zeigen die Opfer die Taten bei der Polizei an. „Wir empfehlen immer, Anzeige zu erstatten“, sagt Mischer, auch wenn in manchen Fällen die Täter nicht ermittelt werden können. Gerne begleiten die Mitarbeiter des Weißen Rings die Opfer beim Gang zur Polizei oder vor Gericht.

Manche Menschen schämten sich, zur Polizei zu gehen. Opfer von Telefonbetrügern könne es zum Beispiel schwerfallen, das Erlebte zu Protokoll zu bringen. Diese Fälle hätten erheblich zugenommen, sagt Mischer. „Es fallen immer wieder Menschen darauf herein.“ Dabei müssten sich die Opfer nicht schämen, die Betrüger gingen äußerst geschickt vor. Auch Aussagen vor Gericht stellten für manche Menschen eine hohe Hürde dar, weil sie dort das Erlebte erneut durchlebten und dem Täter begegneten. „Da kommt alles noch mal hoch“, sagt Reiner Mischer.

Auch die Polizei vermittelt den Kontakt zu dem Verein

Die Fälle, bei denen der Weiße Ring um Hilfe gebeten werde, nähmen zu, sagt der Außenstellenleiter. Den Weg zum Weißen Ring fänden manche Menschen selbst. In anderen Fällen würden Kontakte von anderen Stellen wie der Polizei vermittelt. Dann werde ein Treffen mit einem der ehrenamtlichen Mitarbeiter vereinbart. Wer sich beim Weißen Ring engagieren möchte, müsse ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen. Vor dem ersten Kontakt mit einem Hilfesuchenden müssten Seminare absolviert werden, in denen über psychologische und juristische Aspekte informiert werde. Angesichts der wachsenden Zahl an Fällen, seien weitere Mitarbeiter willkommen, sagt Mischer. Manche von ihnen arbeiteten selbst im Bereich der Justiz oder der Polizei. Sie wüssten, dass im Alltag des Rechtssystems zuweilen nicht ausreichend Zeit für die Opfer bleibe. Im Mittelpunkt der Arbeit von Polizei und Justiz stünden zunächst die Täter, sagt Mischer, der vor seiner Pensionierung ebenfalls bei der Polizei gearbeitet hatte.

200 Mitglieder im Kreis Esslingen

Finanzierung
Finanziert wird der Weiße Ring durch die bundesweit rund 46 000 Mitglieder – im Landkreis Esslingen sind es etwa 200 Mitglieder – sowie Spenden, Erbschaften oder Zuweisungen von Gerichten.

Kontakt
Wer Opfer einer Straftat wurde und sich an den Weißen Ring wenden möchte, erreicht die Organisation im Kreis Esslingen unter den Telefonnummern 07 11 / 9 07 89 21 oder 01 51 / 55 16 48 27 sowie per E-Mail unter esslingen@mail.weisser-ring.de.

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