Der Weltmeister steht vor der Vertragsverlängerung Lewis Hamilton will mehr als nur WM-Titel

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Der Mercedes-Pilot ist einer der besten Fahrer der Formel 1, doch der Brite möchte mehr erreichen als sportliche Erfolge. Der 35-Jährige will seine Stellung dazu nutzen, die Welt ein wenig besser zu machen.

Rekordweltmeister Lewis Hamilton mustert in einer stillen Minute in einem Nebenzimmer den Pokal für den Sieger des Großen Preises der Türkei. Foto: imago/Motorsport Images
Rekordweltmeister Lewis Hamilton mustert in einer stillen Minute in einem Nebenzimmer den Pokal für den Sieger des Großen Preises der Türkei. Foto: imago/Motorsport Images

Stuttgart - Toto Wolff verdiente sein Geld einst als Investor mit dem Kauf und Verkauf von Unternehmen sowie mit Beteiligungen, also kennt der Österreicher die Gesetze der Finanzmärkte. „Lewis ist jetzt sicher noch etwas teurer geworden“, sagte der 48-Jährige, der seit 2013 als Motorsportmanager tätig ist und die Geschicke der Rennsportabteilung des Daimler-Konzerns leitet. Klar, wenn einer neuerdings den Titel Rekordweltmeister der Formel 1 trägt, dann lässt er sich diese Marke bezahlen – und Lewis Hamilton besitzt noch immer keinen Vertrag über das Jahresende hinaus bei Mercedes.

Der neue Rekordchampion, der mit sieben WM-Titeln Michael Schumacher eingeholt hat, hatte lange damit kokettiert, er könne ja aufhören mit der Raserei rund um den Globus, was einige Leute in helle Aufregung versetzt hatte. Denn Hamilton benötigt keinen einzigen Cent mehr, um bis ans Lebensende in Luxus zu schwelgen und sich seinen abwechslungsreichen Vergnügungen hinzugeben – sein Vermögen wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. So gut gesattelt sind nur wenige Menschen, doch alle sind überzeugt davon, dass man damit finanziell aus dem Gröbsten raus ist. „Ich will weitermachen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir haben ja erst eben begonnen“, sagte der 35-Jährige in Istanbul, „es wurde noch nichts unterschrieben, aber ich bin mir sicher, dass es passieren wird.“ Daran zweifelt auch Wolff nicht: „Ich sehe, dass wir nächstes Jahr weitermachen, möglicherweise ein weiteres großartiges Jahr haben werden. Wir werden noch eine Weile weitermachen.“

Hamilton will ein Botschafter sein

Hamilton will mit seinem Engagement am Lenkrad mehr erreichen als WM-Titel, noch mehr Ruhm und noch viel mehr Geld. Seine Ambitionen gehen darüber hinaus, einer der bekanntesten Sportler des Planeten zu sein. Er will ein Botschafter sein, ein Mann der guten Sache. „Ich will mich vermehrt dafür einsetzen, dass sich unser Sport der Verantwortung bewusst ist“, erklärte er, „wir müssen Menschenrechtsgegnern entschlossen entgegentreten, das sind keine Themen, die ignoriert werden dürfen, wir müssen das anpacken.“ Umwelt- und Tierschutz, veganes Leben, Spendenaktionen – der Mercedes-Pilot besticht nicht mehr als nimmermüder Jetsetter oder tollkühner Partylöwe, als den ihn die Formel-1-Gemeinde lange erlebte. Er ist als Mensch gewachsen mit seiner Lebenserfahrung, die mit 35 Jahren noch entwicklungsfähig ist – und er ist glaubwürdig in dieser Wandlung. Schon in jüngeren Jahren sinnierte er in Interviews immer wieder über das Leben und was einen Sinn ergebe und dass er fest im Glauben an Gott stehe.

Daimler-Chef Källenius lobt den Rennfahrer

Es rücken ernste Themen zunehmend ins Bewusstsein. Dieses Jahr verschrieb sich der Rennfahrer nicht nur außerhalb des Fahrerlagers der Black-Lives-Matter-Bewegung, er mahnte auch innerhalb den Kampf gegen Rassendiskriminierung an, inspirierte Mercedes dazu, im schwarzen Auto anzutreten. Mit 20 Millionen Followern bei Instagram ist die Reichweite seiner Botschaften gewaltig, die Vorbildwirkung kaum zu unterschätzen. „Lewis’ Entwicklung ist nicht nur auf der Strecke beeindruckend, sondern auch abseits davon“, sagte Ola Källenius. „Er setzt sich leidenschaftlich für mehr Vielfalt und Inklusion ein und hat konkrete Schritte unternommen, um dieses Thema voranzutreiben. Als Team und als Unternehmen stehen wir ihm da voller Überzeugung zur Seite.“ Bei einem solchen Angebot des Daimler-Chefs kann Lewis Hamilton eigentlich nicht Nein sagen. Da dürfte es auf ein paar Millionen hin oder her nicht ankommen. Denn auch das wäre eine Botschaft an die Welt.

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