Der weltweit größte Flughafen Das Emirat als ideale Drehscheibe

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Der Flughafen der Zukunft entsteht vor den Toren der Stadt, in Dschabal Ali an der Emirates Road auf dem Weg nach Abu Dhabi. Es ist ein gigantisches Projekt. 140 Quadratkilometer Wüste sollen sich in Wohn- und Büroviertel für bis zu 800 000 Menschen verwandeln. Herzstück ist der neue Flughafen Dubai World Central (DWC), dessen 4500 Meter lange Landebahn vor zwei Jahren eröffnet wurde.

Im Endausbau soll die Kapazität mit bis zu fünf Startbahnen auf sagenhafte 160 Millionen Passagiere und zwölf Millionen Tonnen Fracht pro Jahr steigen. Zum Vergleich: das wäre weit mehr als das Doppelte dessen, was derzeit die größten Flughäfen Europas in London und Frankfurt zusammen abwickeln. Auch den größten Passagierflughafen der Welt, Atlanta in den USA mit 90 Millionen Passagieren, würde Dubai übertreffen. Ebenso würde Dschabal Ali den weltweit größten Frachtairport in Memphis mit 3,7 Millionen Tonnen Jahresumschlag deutlich übertrumpfen.

Nur Größenwahn? Der Sprecher von Dubai Airport widerspricht energisch: „Dubai hat eine ideale geografische Lage, es ist in höchstens acht Stunden Flugzeit für zwei Drittel der Weltbevölkerung erreichbar.“ Auf halbem Weg zwischen Europa und Asien gelegen, sieht sich das Emirat als ideale Drehscheibe für Handel, Logistik und Tourismus, besonders für die Wachstumsmärkte in China und Indien.

An der Umsetzung der Pläne zweifelt kaum jemand

Die aktuellen, nach der Krise angepassten Pläne sehen vor, dass Passagier- und Luftfrachtzahlen jedes Jahr um rund sieben Prozent wachsen. Im Jahr 2020 soll knapp ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung Dubais aus dem Luftverkehr kommen und die Branche 22 Prozent aller Arbeitsplätze des Landes sichern, insgesamt 373 000 Jobs.Noch allerdings steht der größte Teil der Masterpläne für Dschabal Ali nur auf dem Papier. Außer etwas Frachtverkehr tut sich auf dem neuen Airport DWC bis jetzt wenig. Auch ihren Riesen-Airport mitsamt Freihandelszonen und Hochhausvierteln rundum wollten die Scheichs in kürzester Zeit in den Wüstensand setzen. Die Finanz- und Schuldenkrise hat auch diese Pläne durchkreuzt. Nun wird langfristiger, allerdings kaum bescheidener geplant. Nur eine der ursprünglich sechs geplanten DWC-Startbahnen wurde bisher gestrichen.

„Wir haben eine Vision für das Jahr 2030, alles ist darauf abgestimmt“, sagt der Flughafenmanager in Dubai. „Es wird 15 bis 20 Jahre dauern, bis der neue Flughafen seine volle Kapazität von 160 Millionen Passagieren und zwölf Millionen Tonnen Luftfracht erreicht haben wird.“ Frühestens 2025 wird nun wohl der Passagierverkehr am neuen Standort so richtig in Schwung kommen.

Doch an der weiteren Umsetzung der Pläne zweifelt kaum jemand. Lange Genehmigungsverfahren oder Proteste und Klagen von lärmgeplagten Bürgern gegen Flughäfen wie in Frankfurt oder Berlin gibt es im mit harter Hand regierten Beduinenstaat nicht. Allenfalls Geld könnte knapp werden. Doch auch die reiche Hauptstadt der Emirate, Abu Dhabi, hat finanzielles und strategisches Interesse am grenznahen Projekt Dschabal Ali. Denn wenn es Dubai gelingt, im Passagier- und Frachtgeschäft der Konkurrenz vor allem in Europa große Marktanteile abzujagen und vom Wachstum in Indien und China zu profitieren, rollt der Rubel unabhängig vom Öl und das Emirat kann seine Schulden tilgen.

Je umfangreicher und preisgünstiger die Flugverbindungen auf die Arabische Halbinsel werden, desto größer ist die Chance, dass die ehrgeizigen Pläne Dubais und Abu Dhabis als attraktive Ziele für viele Millionen Touristen und Geschäftsleute aufgehen. Das höchste Gebäude, die größten künstlichen Inseln, die riesigsten Einkaufszentren, die teuersten Hotels, Formel-1-Rennpisten und sogar Skihallen sind in den Wüstenstaaten schon zu besichtigen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das größte Luftdrehkreuz der Welt folgt.