Der weltweit größte Flughafen In Dschabal Ali sollen Visionen wahr werden

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Mitten in der Wüste soll der weltweit größte Flughafen entstehen. Doch wegen der Fastpleite von Dubai wurden die großspurigen Ziele zeitlich gestreckt.

Der Dubai International Airport soll größer und luxeriöser werden. Foto: Caro / Sorge
Der Dubai International Airport soll größer und luxeriöser werden. Foto: Caro / Sorge

Dubai - Die Finanz- und Immobilienkrise hat viele teure Prestigevorhaben des Emirats Dubai zu Makulatur gemacht. Doch an den hochfliegenden Plänen im Luftverkehr halten die Scheichs fest. Bis 2030 soll am Persischen Golf der mit Abstand größte Flughafen der Welt entstehen. Europa muss sich auf einen Verdrängungskampf einstellen.

Jürgen Maske lebt seit fast neun Jahren in Dubai. Der Generalmanager der Lufthansa hat das atemberaubend schnelle Wachstum im Wüstenstaat erlebt, aber auch den Absturz und die Ernüchterung. „Beim Auf und Ab war ich hautnah dabei“, sagt der Statthalter der größten deutschen Fluggesellschaft am Flughafen Dubai International. Vom rasanten Aufschwung erzählt Maske natürlich mehr als von der Krise, so wie die meisten Geschäftsleute hier. Man blickt lieber nach vorn.

Von Krise ist auf dem stadtnahen Airport auch wenig zu spüren. Im Gegenteil: in den Terminals und Luxusläden drängeln sich die Reisenden, darunter viele Inder, Chinesen, Japaner. Es geht eng zu, manche sitzen oder liegen zum Ausruhen auf dem Boden. Zeitweise war es noch viel schlimmer, denn das Passagierwachstum lag lange weit über Plan. „Bevor die Fluggesellschaft Emirates ihr eigenes Terminal eröffnet hat“, erinnert sich Maske, „herrschten hier teils katastrophale Zustände“.

Dubai hat noch immer ehrgeizige Visionen

Seither hat sich die Lage etwas entspannt, natürlich auch wegen der Wirtschaftskrise. Die zweistelligen Wachstumsraten, mit denen Dubai ein Jahrzehnt lang protzen konnte, sind bis auf Weiteres Vergangenheit. Doch nach der Fastpleite des Landes läuft der Neustart, unterstützt vom reichen Nachbaremirat Abu Dhabi, dessen Öldollars anders als in Dubai wohl noch mehr als ein Jahrhundert sprudeln werden. Mit mehr als 25 Milliarden Dollar soll Abu Dhabi den hochverschuldeten Nachbarn bereits aus der Patsche geholfen haben. Manche hatten Dubai schon abgeschrieben. Tatsächlich haben sich einige größenwahnsinnig erscheinenden Prestigeprojekte erst einmal erledigt, seit die riesige Finanz- und Immobilienblase am Golf vor zwei Jahren mit einem Knall geplatzt ist. Noch höhere Wolkenkratzer, mehr künstliche Inseln, noch teurere Hotels, noch größere Einkaufszentren, noch mehr Freizeitparks, all das steht nur noch auf den Wunschlisten der Scheichs. Die Herrscher am Golf und internationale Investoren sind vorsichtiger geworden.

Doch die Entwicklung am Flughafen zeigt: Dubai wächst schon wieder und hat seine ehrgeizigen Visionen keineswegs aufgegeben. Voriges Jahr kletterten die Passagierzahlen kräftig von 47 auf mehr als 50 Millionen. Für die nächsten Jahren aber haben sich die Scheichs noch ganz andere Ziele gesteckt. „Ende 2015 wollen wir London-Heathrow überholen und von der Nummer vier zur Nummer eins im internationalen Flugverkehr werden“, sagt der Sprecher der staatlichen Dubai Airports.

Das klingt wieder ziemlich großspurig und weckt Zweifel. Doch die Basis ist zementiert. Als Nächstes sollen am Stadtflughafen die weltweit ersten Anlagen eröffnet werden, die nur für den Airbus 380 ausgelegt sind. Die nationale Airline Emirates hat gut 50 Stück des Riesenfliegers geordert und wird die Flotte vor Ort stationieren. Die Kapazitäten des Flughafens werden damit von 60 auf 75 Millionen Passagiere bis Ende 2013 wachsen. Bis 2020 soll dann allein der Stadtflughafen fast 100 Millionen Reisende und mehr als vier Millionen Tonnen Fracht abfertigen. In den Ausbau werden knapp acht Milliarden US-Dollar (knapp sechs Milliarden Euro) fließen.