Derby FC Everton gegen FC Liverpool Darum muss Jürgen Klopp vor dem Lokalrivalen zittern

Trainerduell in Liverpool an diesem Samstag: Jürgen Klopp (li.) gegen Carlo Ancelotti Foto: imago//Jon Super

Der Stadtteilclub FC Everton mischt als Tabellenführer die englische Premier League auf – und fordert nun den großen Lokalrivalen FC Liverpool beim Derby an diesem Samstag heraus.

Sport: Marco Seliger (sem)

Liverpool/Stuttgart - Wer schon einmal durch den Stanley Park in Liverpool geschlendert ist, weiß, was ein Lokalderby ist. Zwischen Anfield, der berühmten Heimspielstätte des Liverpool FC und dem Goodison Park, dem Stadion des nach einem Liverpooler Stadtteil benannten Everton Footballclub, liegt ein Fußweg von einer Viertelstunde. 1,4 Kilometer sind das zwischen den Reds von Jürgen Klopp und den Blues, inzwischen trainiert von einem Weltmann namens Carlo Ancelotti.

 

In der aktuellen Tabelle der Premier League trennen beide Teams aus der Stadt am River Mersey drei Punkte – und dieses Mal ist alles anders. Nicht der FC Liverpool liegt vorne, sondern der kleine Nachbar. An diesem Samstag (13.30 Uhr) empfängt der Spitzenreiter Everton den Meister zum Derby, und wie besonders diese Konstellation für die Blauen ist, zeigt nicht nur ein Blick in die jüngere Vergangenheit.

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Bis in die 80er-Jahre hinein befand sich der FC Everton noch auf Augenhöhe mit dem FC Liverpool. 1985 und 1987 schnappten die Blues den Reds den Titel in der damaligen First Division vor der Nase weg. Aber seit der Einführung der Premier League Anfang der 90er- Jahre ist die Schere zwischen den Clubs auseinandergegangen. Immer schlimmer wurde es aus Sicht des FC Everton, nachdem Klopp im Oktober 2015 als Trainer zum FC Liverpool kam. Seither verschliss der Nachbar sieben Coaches. Der Tiefpunkt war erreicht, als der Portugiese Marco Silva nach einem 2:5 gegen Liverpool im Stadtderby in der Vorsaison gehen musste.

Der Traum vom großen Sieg

Carlo Ancelotti übernahm in höchster Abstiegsnot, unter seiner Führung beendete Everton die Horrorsaison zumindest noch auf Rang zwölf. Und jetzt empfängt das Team den Stadtrivalen und Meister als Tabellenführer. Mehr geht nicht fürs blaue Gemüt in der Beatles-Stadt. Und zu toppen sind die blauen Stunden des Genusses nur noch, klar, mit einem Dreier an diesem Samstag.

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Dass der aktuelle Höhenflug seine Gründe hat, liegt auf der Hand. Nachdem Everton über Jahre hinweg mit überschaubarem Erfolg viel Geld in Spieler gesteckt hat, die vorher bei anderen Clubs ausgemustert wurden, nutzte Trainer Ancelotti den abgelaufenen Sommer nun für einige Transfers der sinnvolleren Sorte. So gab Everton rund 75 Millionen Euro für Neuzugänge aus, die bisher überzeugten.

Für 25 Millionen Euro etwa kam der defensive Mittelfeldmann Allan vom SSC Neapel, der 22 Millionen Euro teure Zugang Abdoulaye Doucouré vom Absteiger FC Watford soll weitere Dynamik ins Mittelfeld bringen. Und der Mann, der neben dem Trainerguru Ancelotti wie kein Zweiter für den aktuellen Aufschwung des FC Everton steht, der kam für null Euro.

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James Rodriguez, bei Real Madrid in der vergangenen Saison noch als ewiges Talent verschrien, scheint bei Everton noch mal durchzustarten. Drei Tore und zwei Vorlagen in vier Ligaspielen stehen für den 29-jährigen Offensivmann zu Buche. Mit dem von Real ablösefrei verpflichteten Kolumbianer kam Kreativität in die Everton-Offensive. Und Ancelotti wusste ja, wen er da holte. Mit James arbeitet der Weitgereiste nun schon zum dritten Mal zusammen, vorher taten sie das beim FC Bayern und bei Real Madrid.

Das Team spielt klassischen Ancelotti-Fußball

Schon das zeigt, wie viel Ancelotti, dieser Weltmann aus der Landidylle der Emilia-Romagna, schon erlebt hat in seinem Trainerdasein. Sprunghaft war dieser so gemütliche Lebemann ja entgegen seines Charakters zumindest als Trainer ja immer. Dreimal gewann der Coach die Champions League (zweimal mit dem AC Mailand, einmal mit Real Madrid), obendrein gewann er vier Meisterschaften in vier Ländern. All das macht gelassen. Aber es macht Ancelotti offenbar nicht satt.

Denn den Erfolgshunger verspürt der 61-Jährige noch immer, weshalb er beim FC Everton für diese Saison dieses Ziel ausrief: „Ich wollte ein wettbewerbsfähiges Team haben und das habe ich jetzt. Daher ist es normal, dass ich mehr Verantwortung übernehmen muss, um das Team dahin zu bringen, dass es um den ersten Platz kämpfen kann.“

Unter Ancelotti spielt Everton nun klassischen Ancelotti-Fußball: ruhig, defensiv gut organisiert, nüchtern, ohne Tamtam und vorne effizient. Das reichte für den Sprung an die Spitze – und das soll an diesem Samstag zum ersten Sieg über den Stadtrivalen seit 2010 reichen. Everton, das ist das Ziel, will Liverpool mit einem Sieg gegen die Reds mal wieder in Blau erstrahlen lassen.

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