Design Freude am Gestalten

Kreativ sein, das wollen viele junge Leute. Beim Designstudium stehen verschiedene Fachrichtungen wie zum Beispiel Industrie- oder Kommunikationsdesign zur Auswahl.

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Die frisch diplomierte Kommunikations­designerin Marina Gärtner wusste schon früh, dass sie in Richtung Gestaltung gehen wollte: 'Ich ging zuerst auf ein allgemeinbildendes Gymnasium. Später wechselte ich dann auf ein technisches Gymnasium, das den Schwerpunkt ?Gestaltung und Medientechnik? anbot', berichtet die 27-Jährige. 'Das war für mich genau das Richtige. Denn so lernte ich zum Beispiel die gestalterischen Grundlagen, aber auch die Geschichte des Designs kennen.' Für ein Designstudium konnte sich Marina Gärtner nach dem Abitur aber dennoch nicht entscheiden: 'Die Vorstellung, eine Mappe zu erarbeiten, hat mich damals abgeschreckt.' Stattdessen besuchte sie eineinhalb Jahre lang die Freie Fotoschule Stuttgart. Dort reifte schließlich ihr Entschluss, sich bei der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zu bewerben.

Sie selbst ist mit ihrer Wahl sehr zufrieden: 'Wir haben im Studium bereits an realen Aufträgen gearbeitet und an Wettbewerben teilgenommen. So konnte ich Kontakte knüpfen, die mir jetzt beim Berufseinstieg helfen.' Die Stuttgarterin hat bereits während ihres Studiums den kleinen Verlag 'Prima. Publikationen' mit gegründet, der für das Buch 'Vom Punkt zur Kugel und zurück' - ein neuartiges Geometrie-Lehrbuch für Kinder - von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet worden ist. Außerdem betreibt die Jungdesignerin gemeinsam mit Ephraim Ebertshäuser die Stuttgarter Galerie 'it's mee gallery'. Auch wenn sie als Selbstständige bereits erfolgreich war, sucht sie eine Festanstellung, um weitere Erfahrungen zu sammeln.

Die Arbeit an einer Mappe braucht Zeit

Wer Design studieren möchte, sollte Freude am Gestalten haben, betont Prof. Marcus Wichmann, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart Kommunikationsdesign lehrt. 'Natürlich müssen Studieninteressierte noch keine professionellen Buch-Cover oder Konzert­plakate gestaltet haben, aber Engagement im Kunstunterricht und Lust am Entwerfen und Anschauen von Design sind wichtige Voraussetzungen.' Schließlich müssen die Bewerber eine Mappe mit eigenen Werken einreichen. 'Dabei geht es uns nicht um das Erstellen fremd angeleiteter Arbeiten wie in der Schule, sondern um Eigeninitiative.' Wichmann: 'Wer noch im Abitur steckt, kann sich meist nicht voll und ganz der Mappe widmen. Diese Arbeit braucht Zeit.' Deshalb rät er Studieninteressierten, nach der Schule Praktika zu absolvieren, zum Beispiel im Handwerk oder in einer Agentur. 'Auch ein Jahr ?work and travel? hilft, Abstand zur Schule zu gewinnen, sich über den Studienwunsch klarzuwerden und gegebenenfalls die Mappe vorzubereiten.'

Die Gemeinsamkeiten zwischen einem Designstudium und einem der freien Kunst an der Kunstakademie sind groß, was die Entwicklung von Gestalterpersönlichkeiten anbelangt, meint Wichmann. Allerdings sind die Differenzen ganz entscheidend, genauso wie zwischen den einzelnen Designrichtungen. 'Kommunikationsdesigner arbeiten mehr in der Fläche. Sie gestalten zum Beispiel Logos, Plakate und Bücher, während Industriedesigner Objekte entwerfen, bei denen sie auch handwerkliches Geschick und Materialkenntnisse brauchen.' Die an der Akademie studierenden Textildesigner befassen sich dagegen fast ausschließlich mit textilen Materialien und ihrer Herstellung. 'Oft haben inhaltlich ähnliche Studiengänge verschiedene Namen. Umgekehrt können aber auch hinter gleichlautenden Bezeichnungen unterschiedliche Inhalte stecken', erläutert Stefanie Süssenguth, Abiturientenberaterin bei der Arbeitsagentur Stuttgart. So kann sich ein Studiengang sowohl Kommunikationsdesign als auch Visuelle Kommunikation nennen, obwohl er die gleiche oder eine ähnliche Ausrichtung hat.

Kommunikative Fähigkeiten und Teamwork

'Wichtig ist, vor Studienbeginn herauszufinden, welcher dieser Studiengänge dem Bewerber liegt, ob er lieber mit Sprache und multimedialen Ausdrucksmitteln arbeiten will oder an Produktgestaltung interessiert ist', empfiehlt Süssenguth. Die gestalterischen Möglichkeiten für Produkt- und Industriedesigner sind vielfältig: Sie reichen von Konsumgütern wie Parfümfläschchen über Handys bis hin zu Werkzeugmaschinen oder medizintechnischen Produkten. Kreativität allein genügt für den Beruf nicht: 'Studieninteressierte müssen auch gute kommunikative Fähigkeiten mitbringen und Teamplayer sein', so die Abiturientenberaterin. Denn sie arbeiten sowohl als Selbstständige als auch als Angestellte mit verschiedenen Abteilungen wie Marketing, Entwicklung und Produktion zusammen. Gut überlegt sollte auch die Hochschulart sein.

'Wer lieber frei arbeiten will, ist an einer Universität oder der Akademie der Bildenden Künste richtig', sagt Süssenguth. 'Braucht jemand dagegen eine klar vor­gegebene Struktur, ist für ihn sicher ein Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften interessant.' Die Hochschulwahl hängt also auch vom Lerntyp ab. Begabten Industrie- oder Produkt­designern attestiert Iris Laubstein vom Verband Deutscher Industrie Designer gute Chancen. 'Allerdings garantiert ein ab­geschlossenes Studium noch keinen lukra­tiven Job oder eine sofortige Einstellung. Oft ist der Berufseinstieg von Praktika geprägt.' Um den Übergang in den Beruf zu erleichtern, rät sie, von Anfang an Kontakte zu Kommilitonen und erfahrenen Designern zu knüpfen. 'Überzeugende Arbeitsproben und ein Mix aus Bewerbungen auf Ausschreibungen, Wettbewerbs­beteiligungen, Mitarbeit bei Projekten und Initiativbewerbungen führt oft zum Erfolg.'

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