Design aus Stuttgart Stuttgarter kreiert Spielzeug für alle Altersgruppen

Der Stuttgarter Produktdesigner Max Hartmann hat ein Spielzeug für alle Altersgruppen kreiert. Foto: La Ida

Max Hartmann, sein Label La Ida sowie die Loggos, Designobjekt und Spielzeug, wurden mehrfach ausgezeichnet – unter anderem bei der Designmesse Blickfang. Warum Spielen nicht nur für Kinder wichtig ist, haben wir mit dem Stuttgarter besprochen.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

Während Corona, beim Studium in Tel Aviv, hat Max Hartmann etwas für sich sehr Wichtiges erkannt: „Dieser deutsche Ansatz, immer etwas für die Industrie entwickeln zu wollen, mit großer Marktforschung und der Frage: Was braucht die Welt gerade? Das war nicht so wirklich meins.“ Der Produktdesigner aus Stuttgart bevorzugt eben den spielerischen Ansatz.

 

Den Fokus beim Spielen finden

Dies sei unter anderem auch auf sein ADHS zurückzuführen. „Ich war immer sehr aufs Spielen fokussiert oder anders gesagt, es ist eines der Aktivitäten, bei denen ich den absoluten und vor allem auch produktiven Fokus finde. Spielen ist einfach immer mein Thema gewesen.“

Und so entstand also im Auslandsemester die Idee zu einem besonderen Produkt, den Loggos – so der Name, von Log, dem englischen Wort für Stamm, und Logos, Griechisch für Vernunft. „Ich habe in dieser Zeit gemerkt, das Thema Spiel/Spielen lässt sich bestens mit meiner Arbeit verbinden.“

Spielzeug, das verbindet

Und aus eben genanntem Spieldrang und -trieb heraus gründete Max ein Designstudio, mit seinen Werten und Kenntnissen als Produktdesigner und dem Ansatz, Produkte bzw. Spielzeug für die therapeutische, aber vor allem auch zwischenmenschliche Ebene zu kreieren. „Spielen hat vor allem die Kraft, die Menschen zusammenzubringen.“

Und gerade beim Blick aufs aktuelle Weltgeschehen, den schlechten Nachrichten und vor allem dem Schlechtreden vieler Dinge fällt Max immer wieder auf, was Spielen mit den Menschen macht. „Es wird nicht viel geredet, wenn überhaupt über harmlose, leichte Themen, man kommt zusammen, hat Spaß. That’s it.“

Viel Produktivität im freien Spiel

Der sympathische Stuttgarter ist außerdem davon überzeugt, dass es niemanden gibt, der nicht gern spielt. „Im Alter haben viele verlernt zu spielen oder spielen irgendwann nicht mehr, weil es für sie nicht produktiv erscheint. Dabei wird oft vergessen, wie viel Produktivität im freien Spiel steckt – sei es innere Ruhe, Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein, Gruppendynamik, das alles kann sich daraus entwickeln. Es sollte Gehirnjogging heißen.“

Und so macht der Produktdesigner, der Stuttgart-West seine Hood nennt, das Spielen nicht nur zu seinem Thema, sondern zu dem aller Altersgruppen. „Natürlich muss das Produkt für Kinder praktikabel sein, aber gutes Spielzeug sollte eben auch im Altersheim, in der Entzugsklinik, im Gefängnis etc. funktionieren.“

Lokal und inklusiv produziert

Produziert werden die Produkte von La Ida übrigens bei der Lebenshilfe in Vaihingen. Es sei eine komplett inklusive Produktion. Die Arbeit von Max beinhaltet dabei hauptsächlich die Gestaltung der Produkte, soll aber langfristig auf das Entwerfen von Hilfsmitteln für die Produktion in inklusiven Werkstätten ausgebaut werden. „Sowohl das Produkt als auch die Produktion haben das Ziel, Menschen zu befähigen.“

Dass nun ausgerechnet mit den Loggos durchgestartet wird, hat mehrere Gründe. „Zum einen war es relativ leicht umzusetzen, ein Produkt auf den Markt zu bringen ist ja einfach auch wahnsinnig kosten- und zeitintensiv, also habe ich mir etwas Überschaubares genommen, das eine breite Zielgruppe anspricht, von Eltern, Kindern, Therapieeinrichtungen, Firmenkund:innen aus dem Statik-Gewerbe, Architektur- und Designbüros. Hier geht es ja letztendlich um gespielte Statik“, fasst Max zusammen und ergänzt: „Es war auch eines der Produkte, das schon während meinem Studium so gut wie fertig war.“

Ein Designobjekt, das ans Spielen erinnert

Und seitdem wird nur so drauflosgespielt. Ob im Altersheim, wo Max wegen seines dementen Großvaters viel Zeit verbrachte, oder auch auf Messen, wie der Blickfang, wo es für den Produktdesigner und damit La Ida einige Preise hagelte. „Im Moment kommen immer mehr Anleitungen und Regeln zu dem Spiel dazu, weil gerade Eltern das gern haben, wenn sie wissen, was sie mit dem Spielzeug anstellen können. Aber der Urgedanke von dem Spiel war einfach, es liegt öffentlich aus, ist damit ein kleine Erinnerung ans Spielen, kann in jedem Stadium stehen gelassen und später weitergespielt werden.“

Vor allem die Freude, die die Loggos im Altersheim ausgelöst hatten, hätten den Stuttgarter Kreativkopf gepusht, das Projekt voranzutreiben bzw. endgültig anzugehen. „Und selbst so ein Sterbeprozess, den man dort häufig erlebt, ist eine Art Spiel. Das Spiel ist ja nicht immer schön oder ein Erfolgserlebnis. Es ist manchmal einfach die Erkenntnis, das war’s, verloren, der/die andere war besser oder es hat mir einfach keinen Spaß gemacht.“

Sets mit hohem Designanspruch

Selbst nach vier Jahren ist Max immer noch begeistert von seinen Loggos: „Ich liebe dieses Spiel einfach, ich fasse es gerne an, ich liebe es, damit zu spielen!“ Es gibt vier verschiedene Grundbausteine, die in unregelmäßigen Winkeln geschnitten sind, das sei für die Spieleentwicklung wichtig und obwohl viel Mathe drin steckt, muss man kein Mathegenie sein, um es zu spielen. Puh, noch mal Glück gehabt.

Designliebhaber:innen können es sich rein theoretisch auch einfach in die Wohnung stellen und als cooles Designobjekt inszenieren. Erlaubt ist, was Spaß macht. „Mein großes Ziel ist es, wieder mehr ins Gestalten zu kommen. Die Ideen sind da, die Prototypen sind da. Da sind coole Projekte in der Pipeline“, freut sich Max. Und dabei ist nicht nur von einer Erweiterung der Loggos die Rede, sondern von ganz neuen Designobjekten.

Der Weg ist das Spiel

Bleibt nur noch die Frage zu klären, was es mit dem Namen La Ida auf sich hat. Auf spanisch bedeutet „La Ida“ der Hinweg zu einem Ziel. „Und ich fand das damals sehr passend, ohne genau zu wissen, wo meine Reise hinführen wird. Der Weg ist das Ziel – oder wie ich immer sage: Der Weg ist das Spiel.“

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