Stadtkind Stuttgart

Designer Florian Bürkle aus Stuttgart "Melodien erzeugen Bilder"

Von Tomas Majdandzic 

Florian Bürkle entwirft für sein Label Floid Möbel und vor Kurzem den aus alten Skateboards gebauten Stuhl "Mister Wilson". Jetzt ist der Stuttgarter für seine innovativen Entwürfe von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilot Deutschland ausgezeichnet worden.

Florian Bürkles Inspiration kommt vom Skateboarden und von der Musik. Foto: privat
Florian Bürkles Inspiration kommt vom Skateboarden und von der Musik. Foto: privat

Stuttgart - Florian Bürkle ist Designer aus Stuttgart und Gründer von Floid Produktdesign. Der 38-Jährige setzt Entwürfe um, die durch einen Skateboard-Background beeinflusst werden. Neben seinen eigenen Entwürfen ist er auch Initiator des Projektes „Mister Wilson“, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Skateboards zu recyclen und daraus Gegenstände für den Alltag zu bauen.

Der Verkaufsschlager ist der einfach gehaltene Skateboard-Hocker "Mister Wilson". Für Design-Kenner, die Klassiker bevorzugen, ist aber auch der Deckchair im Programm. Ein Sessel welcher an den legendären Eames Lounge-Chair erinnert, aber maßgeblich durch Skateboard-Einflüsse geprägt ist. Die Sitzschalen und deren Befestigung am Fussgestell nehmen direkten Bezug auf das Skateboard.

In der vergangenen Woche ist Florian Bürkle für seine innovativen Entwürfe von der Bundesregierung als Kultur- und Kreativpilot Deutschland ausgezeichnet worden. Grund genug für uns mal einen Kaffe mit Mister Wilson, äh Herrn Bürkle zu trinken und ihn zu fragen, was da in Zukunft noch alles auf uns zukommt.

Hi Flori, erzähl mal was ist "Mister Wilson" und wer steckt alles dahinter?

"Mister Wilson" ist ein Hocker dessen Sitzfläche aus alten, gebrochenen Skateboards zusammengebaut wird. Das Besondere daran ist, dass die alten Bretter im verleimten Zustand eine ergonomisch sinnvolle und herzförmige Sitzfläche bilden. Die Bretter sind gebraucht und weisen starke Abnutzungsspuren auf. Dadurch ist jeder Hocker ein Unikat. Die beiden Designer und Skater Alex Klein und Yannick Stechmeyer-Emden unterstützen mich tatkräftig beim Bau und der Gestaltung der Wilson Familie.

Wie bist du auf die Idee gekommen, so einen Hocker zu entwerfen?

Seit 25 Jahren fahre ich Skateboard. In meinem Keller stapelten sich die alten Bretter. Als Produktdesigner wollte ich daraus etwas Besonderes bauen. Nach ein paar Prototypen aus Papier kam mir die Idee mit der herzförmigen Sitzfläche. Das Fußgestell wollte ich auch aus alten Decks bauen. Ein Skateboard hat aber keine planen Flächen und somit keine Auflage für feste Verbindungen. Somit habe ich den Fuss aus Schichtholz entworfen: Drei Beine und ein fester Knoten, in welchen die Sitzfläche eingeschraubt ist.

Und wie kam es zum Namen Mister Wilson?

Der Name des Hockers ist von dem Comic „Dennis the Menace“ inspiriert. Dennis ist ein Lausbub, der seine Mitmenschen in die Verzweiflung treibt. Seinen Nachbarn Mr. Wilson besonders - dadurch, dass Dennis immer sein Skateboard auf dem Bürgersteig vergisst. Der pensionierte Mr. Wilson tritt bei seinen allabendlichen Spaziergängen immer wieder drauf und es reißt ihm förmlich den Boden unter den Füßen weg. Dieser unangenehme Sturz heißt im Skaterjargon „einen Mr. Wilson machen“. Da der Hocker anfangs noch auf wackeligen Beinen stand war der Name schnell gefunden.

Einige deiner Designs sind offensichtlich durch Skateboarding geprägt, was beeinflusst dich sonst noch oder besser, inspiriert dich?

Musik ist eine große Inspirations- und Motivationsquelle. Ich höre Radiostationen wie ByteFM aus Hamburg oder WeFunk aus Montreal und spiele E-Gitarre und Bass. Unterschiedliche Musikstile, Rhythmen und Melodien lassen bei mir Bilder und Ideen entstehen. Eine weitere Inspirationsquelle ist das „Cradle to Cradle“-Prinzip. Als Produktdesigner sehe ich mich in der Verantwortung sinnvolle Produkte zu gestalten. Diese enden im Idealfall nicht auf der Müllhalde sondern werden in einen unendlichen Materialkreislauf geführt. Eigentlich ein alter Hut. Aber wir müssen diese Art der Produktion und des Konsums erst wieder lernen. Hier in Stuttgart engagiert sich dafür die Cradle to Cradle Ortsgruppe.

Wie wird es in Zukunft mit Floid und "Mister Wilson" weitergehen?

Floid wird sich vermehrt der Entwicklung von "Cradle to Cradle"-Designkonzepten widmen. Gerade arbeiten wir an einem Messestand, der zu 100% recycelt werden kann. Außerdem stecken spannende Produkte aus dem Skateboardbereich in der Entwicklung. Und natürlich bekommt die Wilson Familie Nachwuchs in Gestalt eines Barhockers.

Mehr Infos zu den Produkten gibt es auf www.floid.eu oder www.mister-wilson.com