Designerin Jule Waibel stellt aus Unter Dampf gefügig gemacht

Von Georg Leisten 

Die Designerin Jule Waibel stellt in der Weißenhof-Galerie aus – Cros Schwester hat aber ein ganz eigenes Markenzeichen.

Jule Waibel in ihrer Ausstellung Foto: Jule Waibel
Jule Waibel in ihrer Ausstellung Foto: Jule Waibel

Stuttgart - Kraniche basteln ist nicht mein Ding!“ Auch wenn jeder sofort an Origami denkt – es sind andere Vorbilder, auf die sich Jule Waibel mit ihren markant gefalteten Kleidern und Alltagsobjekten beruft. „Mein heimlicher Lehrmeister“, verrät die Mode- und Produktdesignerin, „war Oskar Schlemmer.“ Besonders das Triadische Ballett aus der Stuttgarter Staatsgalerie fasziniere sie durch seine Verbindung von Figur und Geometrie. Mit einem Schutzheiligen wie Schlemmer im Rücken kommt die Wahlberlinerin denn auch wie gerufen für die Architekturgalerie am Weißenhof, die Jule Waibels Schaffen jetzt im Rahmen einer Ausstellungsreihe zum Bauhaus-Jubiläum vorstellt.

Sessel, Schirme und Teppiche hat die Designerin von der Spree mitgebracht. Und eine Vase, die zur Kugel anschwillt, je mehr Wasser man einfüllt. Alles trägt unverkennbar die an geometrischer Struktur orientierte Handschrift: serielle Zacken- und Rautenmuster, durch Faltung in die Oberflächen gepresst. Besonders die Kleiderentwürfe haben die 32-Jährige bekannt gemacht. Schon die Teilnehmerinnen von Heidi Klums Show „Germany’s next Topmodel“ trugen Kreationen der jungen Entwerferin.

Sie liebt es bequem

Waibel selbst scheint sich dagegen in alten Jeans und Sneakers wohler zu fühlen als in Haute Couture. Jedenfalls gibt sie sich betont locker, wie sie draußen auf der Treppenstufe vor der Weißenhofgalerie sitzt. Auch als das Gespräch auf ihren berühmten kleinen Bruder, den Rapper Cro (bürgerlich Carlo Waibel) kommt, scheint sie nicht genervt. Dabei ist die Frage nach der Beziehung der beiden meist die erste, die Journalisten ihr stellen. „Wir verstehen uns prima, und er bewundert meine Sachen.“

Jule Waibel entwarf nicht nur die Akustikpaneele für Cros Studio, sondern kleidete auch eine Akteurin aus einem seiner Videos ein. Einen Türöffner zur eigenen Karriere sieht Waibel in ihrem Bruder indes nicht: „Als ich anfing, mich selbstständig zu machen, lebte ich noch in London.“ Dort ist der Pandamasken-Mann kaum bekannt. Beim Umzug nach Berlin war es eher die praktische Hilfe, die sie von ihm bekam. „Er hat mir immer sein Auto geliehen.“

Leg’ es in die alten Falten

Ihr Markenzeichen, die Falte, habe sie dagegen unabhängig von Cro entwickelt. Selbst wenn Waibel redet, ist sie noch bei der Arbeit. Ihre Hände sind ständig in gestikulierender Bewegung, als wäre ihnen das Schneiden, Falten und Knicken schon in Fleisch und Blut übergegangen. Und das ist es wohl auch. Waibel weiß sogar, Stoffe in Falten zu legen, die dafür eigentlich nicht gemacht sind. Lastwagenplanen etwa, Messing oder Holz. Das Geheimnis liegt im Wasserdampf. Der macht noch das störrischste Material für die weitere Gestaltung gefügig.

Der Auftritt der Knickkünstlerin am Weißenhof steht unter dem Motto „Gesamt(Falt)Kunstwerk“. Eine Hommage an das Bauhaus und sein Bestreben, die freien Künste mit dem Handwerk zusammenzuführen. Ästhetik und Funktionalismus gehören auch für Waibel zusammen. „Alle meine Entwürfe sind auf Benutzbarkeit angelegt“, betont sie.

Und dank der Falttechnik nehmen die Sachen auch kaum Platz weg. Das erfuhr Waibel, als sie mit ihren Plissee-Kleidern zu einer Modenschau nach Hongkong eingeladen wurde. „Die gesamte Kollektion passte in zwei Koffer.“ Faltbar, praktisch, gut!