Designpreis Focus Open Preiswürdig: Glas-Urne und Brille aus Holz

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Im Ludwigsburger Scala sind die Gewinner des Design-Wettbewerbs Focus-Open 2015 geehrt worden. Die prämierten Produkte werden bis Ende November in einer Ausstellung im MIK präsentiert.

Pfiffige Idee:   Dieses Würfelsystem ist aus Papier und ganz ohne Werkzeug aufzubauen. Foto: factum/Granville
Pfiffige Idee: Dieses Würfelsystem ist aus Papier und ganz ohne Werkzeug aufzubauen. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Gutes Design und innovative Ideen gehörten meist zusammen, meint der Stuttgarter Regierungspräsident Johannes Schmalzl. In der aktuellen Ausstellung zum Focus-Open-Award, die am Freitag eröffnet wurde, gebe es dafür viele Beispiele. Je neuartiger Idee und Gegenstand, desto wahrscheinlicher sei es, dass sie bald kopiert oder plagiiert würden, sagte Christiane Nicolaus, die Geschäftsführerin des Stuttgarter Designcenters. Alles, was in der bis zum 22. November in der im Ludwigsburg-Museum MIK (Museum, Information, Kunst) aufgebauten Schau gezeigt werde, sei aber garantiert original.

Kochlöffel hält am Kochtopf

Wie in den Vorjahren hatten auch diesmal rund 200 Firmen und unabhängige Teams aus Europa, Asien und den USA Produkte für den Focus-Open und den Mia-Seeger-Preis für den Designer-Nachwuchs eingesandt. Insgesamt wurden 64 Preisträger bestimmt. Die Nachfrage sei auch deshalb so groß, weil das Designcenter Stuttgart das einzige sei, das vom Staat unterhalten wird, sagt Nicolaus.

„Wir sind direkt beim Regierungspräsidium angesiedelt und somit ein Nonprofit-Unternehmen“, erklärt die Geschäftsführerin. Das schlage auf den Focus-Open-Wettbewerb durch: „Die Teilnahme kann sich jeder leisten.“ Weshalb neben den Produkten von Weltkonzernen wie Daimler immer auch die Ideen findiger Kleinfirmen oder Studententeams Beachtung fänden.

„Immer wieder gibt es Einsendungen, bei denen man sich denkt, warum ist da nicht schon jemand früher draufgekommen“, sagt Nicolaus. Jahrelang hätten sich alle mit dem gleichen Problem herumgeschlagen, aber niemand habe nach einer Lösung gesucht. In diesem Jahr hat sie dafür gleich mehrere Beispiele gefunden. Etwa wenn man während des Kochens nicht weiß, wohin mit Rührlöffel oder Schneebesen. Die dänische Firma Eva Solo hat Kochbestecke entwickelt, das sich an Pfannen und Töpfen einhängen lässt. Und dazu Deckel, die das Kondenswasser auffangen und wieder in den Topf zurückleiten. Dafür gab es einen Focus-Open in Gold.

Pfiffig fanden die Juroren auch die Entwicklung eines sogenannten Tape Tac der Firma Böhler aus Fürth: ein Klebebandstempler, der stets vier Zentimeter lange Tesafilmstreifen von der Rolle schneidet und klebt. „Der lässt sich einhändig bedienen“, sagt Nicolaus. Die Jury habe ihn einem Dauertest unterzogen und für preiswürdig gehalten (Focus-Open in Silber). Beeindruckt hat auch eine Brille, deren Gestell fast komplett aus Holz besteht, und zwar aus furnierter Räuchereiche und Walnuss. Der Hersteller Rolf Spectacles aus dem österreichischen Weißenbach holte für sein „Modell 93“ ebenfalls Gold.

Urnen als Skulpturen

„Firmen wie alfi aus Wertheim haben ihre Kompetenz erweitert“, sagt Nicolaus. Das Unternehmen hat sein Knowhow für Thermoskannen auf Taschen übertragen. Nun gibt es den Einkaufsbeutel als Tasche in der Tasche, dessen Inhalt kühl gehalten werden kann. Designt wurde diese Isobag genannte Neuheit in Ludwigsburg: von Pearl Creative Storti & Rummel.

Immer mehr Designer beschäftigten sich mittlerweile mit dem Älterwerden und dem Tod, meint die Chefin des Designcenters. Ein Hersteller aus Dornbirn (Österreich) hat zum Beispiel eine Urne vom Typ Ocean entwickelt. Statt Metall oder Porzellan hat er dafür venezianisches Glas gewählt. Diese Urnen erinnern eher an Skulpturen. Zweck ist es, sie zu Hause im Wohnzimmer aufzustellen. „Das geht bisher in Deutschland noch nicht erlaubt“, sagt Nicolaus. „Aber in anderen Ländern schon.“