Dettingen/Aichtal Autodiebe viele Kilometer entfernt gestellt

Von  

Zwei gestohlene BMW im Wert von 65 000 und 70 000 Euro sind in Sachsen und in Polen bei Polizeikontrollen entdeckt und sichergestellt worden. Das zeigt, wie schnell die motorisierte Beute außer Landes geschafft wird.

Der gestohlene BMW M 4 wurde von der Polizei sichergestellt, verladen und wieder zu seinem Eigentümer zurückgebracht. Foto: Polizeidirektion Görlitz
Der gestohlene BMW M 4 wurde von der Polizei sichergestellt, verladen und wieder zu seinem Eigentümer zurückgebracht. Foto: Polizeidirektion Görlitz

Dettingen/Aichtal - In den vergangenen Wochen sind in Dettingen und in Aichtal-Grötzingen zwei hochwertige BMW gestohlen worden. Die Eigentümer haben wohl kaum damit gerechnet, ihre Fahrzeuge jemals wiederzusehen. Doch genau das ist ihnen vergönnt, denn das in Dettingen in der Nacht zum Dienstag, 5. März, gestohlene BMW-Cabriolet, Modell M 4, und der am Freitag, 5. April, in Grötzingen entwendete BMW X 5, tauchten beide wieder auf – allerdings weit weg vom Landkreis Esslingen, im sächsischen Kodersdorf (Kreis Görlitz) und in Miecze im Nordosten Polens. Die gestohlenen Wagen im Wert von 65 000 und 70 000 Euro wurden zufällig bei Polizeikontrollen entdeckt.

Dieb war in Richtung Polen unterwegs

Spektakulär war, wie der Polizei das schwarze BMW-Cabrio samt dem 24-jährigen dringend des Diebstahls verdächtigten Fahrer ins Netz ging. Am 5. März zur Mittagszeit war den Fahndern das hochmotorisierte Fahrzeug auf der Autobahn 4 bei Bautzen aufgefallen, wie es zügig in Richtung polnischer Landesgrenze fuhr. Die an dem Auto angebrachten Kennzeichen gehörten allerdings zu einem anderen Fahrzeug. Als die Beamten der Fahndungsgruppe Bautzen den BMW stoppen und kontrollieren wollten, gab der Fahrer Gas und flüchtete „mit hoher Geschwindigkeit“. An der Anschlussstelle Kodersdorf habe der 24-Jährige mit dem BMW, der mit einem Polizeihubschrauber ständig aus der Luft beobachtet wurde, die Autobahn verlassen und konnte wenig später festgenommen werden.

Schnell stellte sich heraus, dass es sich bei der Limousine um jenen BMW handelt, der in den Nachtstunden zuvor im 630 Kilometer entfernten Dettingen gestohlen worden war. Die Täter hatten offenbar binnen Sekunden mit technischer Hilfe das Funksignal des Zündschlüssels aufgefangen und den Wagen so öffnen und – schlüssellos – starten können, vermutet die Polizei in Görlitz. Dass der BMW nicht außer Landes gebracht wurde, sei „allein dem Bauchgefühl“ der Fahnder zu verdanken. Der 24-jährige Tatverdächtige sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Ermittlungen laufen noch

Der im Aichtaler Stadtteil Grötzingen gestohlene silbergraue BMW X5 war hingegen von den Dieben schon über die polnische Grenze geschafft worden. Doch einen Tag nach dem Diebstahl, am Samstag, 6. April, wurde er von der Polizei bei einer Verkehrskontrolle in der polnischen Ortschaft Miecze sichergestellt – fast 1400 Kilometer von Aichtal entfernt. Der 40-Jährige, der den Wagen gefahren hatte, wurde festgenommen. Laut Martin Raff, einem Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen, kann über dessen Personalien noch nicht viel gesagt werden. „Ob er nur der Fahrer war, oder auch der Dieb ist, wissen wir noch nicht“, sagt Martin Raff.

Zwar stünden die Ermittler der Kriminalpolizei im engen Austausch mit den polnischen Kollegen. Doch seien die Informationen „noch nicht so gesichert, dass man sie vermelden kann“. Fest steht aber, dass auch dieser BMW über ein sogenanntes Keyless-Go-System verfügt. Auf welche Weise die Diebe dieses geknackt haben, hätten die Ermittler noch nicht herausgefunden. Die Untersuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

Autos der Marke BMW stehen zurzeit in der Region bei professionellen Diebesbanden hoch im Kurs. Die Täter haben es dabei vor allem auf die Multifunktionslenkräder und Navigationsgeräte abgesehen. Meist wird ein nicht alarmgesichertes Dreiecksfenster der Fahrzeuge eingeschlagen, um so in den Innenraum zu gelangen. Dort werden die begehrten Teile fachmännisch ausgebaut und – so die Vermutung der Polizei – ins Ausland geschafft.

34 Autodiebstähle im Jahr 2018

Laut Martin Raff wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen, welcher die Landkreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen umfasst, im vergangenen Jahr 34 Autos gestohlen. Davon seien zwölf wieder aufgefunden, beziehungsweise sichergestellt worden. 22 Fahrzeuge blieben verschwunden. In zehn Fällen seien die Diebstähle im Versuchsstadium stecken geblieben. Der Gesamtwert aller Fahrzeuge, die gestohlen, aufgefunden oder sichergestellt wurden, summiere sich auf rund 1,5 Millionen Euro.