Dettingen: Kampf um den Hungerberg Der Informationshunger wird gestillt
Vor dem Bürgerentscheid zum Gewerbegebiet Hungerberg geht die Gemeinde in die Offensive. Es gibt eine Begehung des Geländes und eine Podiumsdiskussion.
Vor dem Bürgerentscheid zum Gewerbegebiet Hungerberg geht die Gemeinde in die Offensive. Es gibt eine Begehung des Geländes und eine Podiumsdiskussion.
Dettingen - Im Vorfeld des Bürgerentscheids über einen Bebauungsplan, der das Feld für ein 21,6 Hektar großes Gewerbegebiet auf der Gemarkung Hungerberg bereiten soll, lädt die Gemeinde Dettingen am Samstag, 17. Juli, zu einer Begehung des umstrittenen Areals ein. Am Dienstag, 20. Juli, steht zudem in der Schloßberghalle der 5300 Einwohner zählenden Teckgemeinde eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. „So kann sich die Bürgerschaft ein eigenes Bild von dem Projekt machen“, sagt der Dettinger Bürgermeister, Rainer Haußmann. Beide Veranstaltungen sollen auch der Bürgerinitiative Hungerberg, die sich gegen die Bebauung des Gebiets stemmt, die Möglichkeit geben, ihren Standpunkt darzulegen. Der Bürgerentscheid findet am 26. September, dem Tag der Bundestagswahl statt.
„Wir machen mit der Hungerberg-Begehung ein Informationsangebot an 100 Prozent der Dettinger Bevölkerung, nicht nur an 17 Prozent“, sagt Haußmann in Anspielung auf das Ergebnis der Unterschriftensammlung, mit dem die Hungerberg-Gegner einen Bürgerentscheid erzwungen haben. Nach Ansicht des Bürgermeisters, der, ebenso wie der Gemeinderat, in der Ansiedlung von zukunftsträchtigen Unternehmen eine große Entwicklungschance für Dettingen sieht, ist es an der Zeit, etwas Luft aus der Diskussion zu lassen. „Es ist klar, dass jetzt die Bürgerschaft entscheidet und nicht mehr der Gemeinderat. Jeder kann sich seine Meinung bilden. Und das ist gut so“, sagt er.
Zum Auftakt dieser Meinungsbildung können die Bürgerinnen und Bürger am Samstag zwischen 15 und 18 Uhr an vier Stationen vor Ort Fragen an die Experten stellen. Auch die Bürgerinitiative, die eine Ansiedlung vor allem aus ökologischen Gründen ablehnt, wird mit einem Informationsstand vor Ort sein.
Die Vorbereitungen für das Industriegebiet waren schon auf Hochtouren gelaufen, bevor das Projekt ins Stocken geraten war. Binnen weniger Tage hatten die Hungerberg-Gegner genügend Unterschriften zusammengetragen, um die Voraussetzungen für einen Bürgerentscheid zu erfüllen. In Anbetracht dessen hat der Planungsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) inzwischen beschlossen, den Prozess vorerst auf Eis zu legen. Zunächst will das Gremium das Ergebnis der Abstimmung in Dettingen abwarten.
Dabei geht es darum, ob der Gemeinderat den Bebauungsplan für das in einem regionalen Grünzug liegende Hungerbergareal so ändern darf, dass dort ein Industriegebiet entstehen kann. Auf einem Geländezwickel zwischen der Autobahn 8 und der Bundesstraße 465, direkt an der neuen ICE-Trasse Stuttgart-Ulm, soll nach dem Willen der Region, des Gemeinderats Dettingen und der mit im Boot einer Verwaltungsgemeinschaft sitzenden Nachbarn Kirchheim und Notzingen ein 21,6 Hektar großes Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Ziel ist es, die Region Stuttgart als Hochtechnologiestandort zu stärken. Vor dem Hintergrund der laufenden Veränderungen im Bereich der Automobilindustrie, so argumentiert die Wirtschaftsförderung des Verbands Region Stuttgart, würden solche Flächen dringend benötigt.
Dass das Projekt nicht unumstritten ist, zeigt nicht nur die knappe Entscheidung des Gemeinderats, sondern auch die positive Resonanz auf die Unterschriftensammlung der Bürgerinitiative. Die Akteure vor Ort handelten sich ob ihres aus Sicht des CDU-Regionalrats Roland Schmid unbotmäßigen Verhaltens gar den öffentlich geäußerten Vorwurf eines „kleinteiligen, ja kleingeistigen Denkens“ ein. Die Dünnhäutigkeit der Regionalpolitiker rührt nicht zuletzt daher, dass zuletzt in der Region zwei Gewerbegebietsprojekte durch Bürgerentscheide gestoppt worden waren und das Angebot an Alternativen überschaubar ist.