Dettingen unter Teck Pop-Up-Impfzentrum besteht Feuertaufe

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Im Lenninger Tal sind an zwei Tagen 1000 hochbetagte Menschen wohnortnah geimpft worden. Quasi über Nacht entstand in Dettingen unter Teck ein Pop-Up-Impfzentrum.

Dettingen unter Teck - Jahrgangstreffen? Altennachmittag? Jubilarfeier? Die heitere Stimmung unter den älteren Damen und Herren, die sich da meist in Begleitung jüngerer Angehöriger in der Schloßberghalle in Dettingen unter Teck eingefunden haben, ist geeignet, viele Assoziationen zu wecken. Dass hier praktisch über Nacht ein Impfzentrum im Kampf gegen das unter Umständen todbringende Coronavirus seine Arbeit aufgenommen hat, ist allenfalls an den vielen weiß gekleideten medizinischen Hilfskräften abzulesen. Am Ende der am Freitag und Samstag als Pilotprojekt angelegten „Impfaktion Lenninger Tal“ sollten rund 1000 hochbetagte Menschen aus Dettingen, Owen, Lenningen und Erkenbrechtsweiler die Erstimpfung gegen Covid-19 empfangen haben. Der Hinweis auf den Termin der Zweitimpfung am 26. und 27. März ist auch nicht zu übersehen. „Gleicher Ort, gleicher Tag, gleiche Uhrzeit“, verkünden es die unzähligen in der Halle angebrachten Plakate.

 

Nach den Wochen der Unsicherheit hatte diese klare Ansage etwas Befreiendes für die Senioren und ihre Angehörigen. „Wir waren verzweifelt. Wir haben unzählige Male versucht, telefonisch über die 116 117 oder über das Internet einen Termin in einem Impfzentrum zu bekommen und sind nie durchgekommen. Hier hat es gleich geklappt“, sagt Sigrun Sturm, die mit ihrer 85 Jahre alten Mutter Gudrun aus dem benachbarten Owen nach Dettingen gekommen ist.

Zu den vielen gut gelaunten Menschen in der Schloßberghalle zählt auch der Koordinator des Pilotprojekts, Jochen Spencker. „Ich habe einen richtig guten Tag hier. Ich bin mega begeistert“, sagt er mit Blick auf das geschäftige Treiben in der Halle. Spencker zeichnet sonst für das Funktionieren des zentralen Impfzentrums in der Stuttgarter Liederhalle und für die Einsatzpläne der dort angedockten mobilen Impfteams verantwortlich.

In der Schloßberghalle hat Spencker das Beste aus den beiden Welten zusammengebracht. „Wir haben hier unsere eingespielten mobilen Impfteams des Klinikums Stuttgart einfach nur an einem Ort räumlich zusammengefasst“, sagt er. Die sieben Kabinen, die in der Halle aufgebaut sind und die jeweils von einem Arzt betreut werden, funktionieren als geschlossene Einheiten. „Dass dort Aufklärung, Impfung und Dokumentation in einer Hand sind, erleichtert den Ablauf“, sagt Spencker. Das Pilotprojekt profitiert von dem kurzzeitigen Leerlauf, den die Impfteams zwischen den inzwischen abgeschlossenen Erstimpfungen und den am Montag beginnenden Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen haben.

Dass diese Lücke gewinnbringend für die Menschen im Lenninger Tal genutzt wird, ist das Verdienst von Rudolf Alkier und Rudolf Dölfel. „Unser Anliegen vom Forum Altern Dettingen ist es eigentlich, den betagten Mitbürgern so lange wie möglich ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen“, sagt Dölfel. Dass dieses Bemühen dem knapp 500 Mitglieder starken Verein gerade in Pandemiezeiten auf die Füße gefallen ist, wollte er nicht akzeptieren. „Die Menschen in den Heimen werden automatisch geimpft. Im Gegensatz dazu sind die, die zu Hause leben, selbst für die Impfung verantwortlich. Da fühlen sich viele überfordert“, sagt er.

Mit Hilfe des Netzwerks, über das Rudolf Alkier als niedergelassener Laborarzt in Stuttgart verfügt, haben die beiden Dettinger ihre Fäden über die zentralen Impfzentren und das Klinikum Stuttgart bis ins baden-württembergische Sozialministerium gesponnen. Dort hat sich der Chef selbst, Manfred Lucha, am Freitag lobend zu dem Dettinger Pop-Up-Impfzentrum geäußert. Er könne sich ähnliche Aktionen auch in vielen anderen Gebieten Baden-Württembergs vorstellen, so der Minister. „Die mobilen Impfteams sind bald mit den Erst- und Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen durch. Das ist ein Riesenerfolg. Wir wollen die tolle Arbeit und die bewährte Struktur der mobilen Impfteams natürlich weiterhin nutzen. Solche vorbildhaften lokalen Impfaktionen bringen den Impfstoff in die Fläche zu den älteren, mit höchster Priorität impfberechtigten und oft in ihrer Mobilität sehr eingeschränkten Menschen. Das kann ich mir auch gut in Regionen wie dem Schwarzwald vorstellen“, wird Lucha in der Pressemitteilung zitiert.

Das ist noch Zukunftsmusik. Erst steht in Dettingen die Zweitimpfung an: „Gleicher Ort, gleicher Tag , gleiche Uhrzeit.“

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