DB-Fernverkehrschef Michael Peterson (li.) und Gonzalo Urquijo Fernandez de Araoz vom spanischen Schienenfahrzeugbauer Talgo bei der Vorstellung des neuen ICE-L im Herbst 2022 Foto: //Jürgen Heinrich
Die Deutsche Bahn erwartet bis Jahresende den Einsatz der ersten vier neuen ICE-L aus Spanien. Internationale Fahrten sind aber frühestens 2026 möglich – drei Jahre später als geplant.
Es ist eine Premiere. Zum ersten Mal wird eine große Fernzug-Modellreihe der Deutschen Bahn AG komplett im Ausland gebaut. Der etablierte spanische Hersteller Talgo soll für den deutschen Staatskonzern zunächst 79 ICE-L liefern. Die neuen lokbespannten Züge schaffen Tempo 230 und sollen für bis zu 562 Fahrgäste mehr Komfort als bisher bieten, darunter einen stufenlosen Zugang, was für Ältere, Behinderte oder Reisende mit schweren Koffern eine große Erleichterung darstellt.
Auf manchen langen Strecken wie zwischen Berlin und Amsterdam befördert die DB ihre Kunden noch mit ausgeleierten Intercity-Zügen, die mühsame hohe Treppeneinstiege haben, teils seit mehr als 50 Jahre in Betrieb und entsprechend reparaturanfällig sind. Häufig kommt es zu Verspätungen und Zugausfällen, der Komfort ist dürftig, die Verpflegung an Bord ausgedünnt. In Regionen entlang der Verbindung wie Hannover und Osnabrück ist der Unmut schon lange groß, dass der Konzern keine besseren Angebote schafft.
Die Zulassungsprozesse sind komplex
Doch DB-Fernverkehrschef Michael Peterson muss nun erneut verärgerte Politiker und Fahrgäste vertrösten. Zumindest der internationale Einsatz des ICE-L wird sich nochmals verzögern, wie ein Konzernsprecher unserer Redaktion bestätigt. Derzeit laufen die komplexen Zulassungsprozesse, für die Talgo verantwortlich zeichnet und die je nach Land zusätzlichen Aufwand erfordern. Dabei kommt es häufig zu schwer berechenbaren Verzögerungen.
Die Deutsche Bahn wartet auf neue Züge. Foto: IMAGO/Markus Tischler/IMAGO/Markus Tischler
Bei der DB wartet man angespannt auf die Lieferung des ersten zugelassenen Zugs, damit das Personal endlich für die neue Zugreihe geschult werden kann. In den Führungsetagen wäre man schon froh, wenn zumindest die ersten vier ICE-L noch in diesem Jahr zu Zielen im Inland starten könnten. 2026 sollen nach derzeitigen Planungen dann weitere neun Reisezüge aus Spanien folgen und bis voraussichtlich 2030 die übrigen Chargen.
Dabei hatte die DB die ersten 23 ICE-L schon 2019 bei Talgo geordert, die Auslieferung sollte 2023 beginnen, die Spanier bauen die erfolgreiche Modellreihe schon länger. Doch dann kam Corona, wegen der Pandemie wurde der Start um ein Jahr verschoben. Doch auch dieser Termin platzte. Wegen der Lieferverzögerungen bei Talgo erwarte man nun die ersten Auslieferungen „im zweiten Halbjahr 2025“, sagte ein DB-Sprecher unserer Redaktion. Für den überfälligen Einsatz auf der Strecke zwischen Berlin und Amsterdam wird überhaupt kein Datum mehr genannt. Man starte, „sobald alle notwendigen Voraussetzungen vorliegen“.
Das Ende des Intercity 1 naht
Zumindest gibt es eine gute Nachricht. Auf der beliebten Fernstrecke in die Niederlande wird ab Jahresende der hochmoderne ICE 3 neo nun vorerst die veralteten Intercity ersetzen. Allein in diesem Jahr liefert Siemens 14 weitere ICE der neuesten Baureihe aus, 90 Züge hat die DB insgesamt bestellt. „Damit haben wir genug Kapazität, um den ICE 3 neo auch nach Amsterdam einzusetzen“, sagt ein Sprecher.
Gleichzeitig naht das Ende der letzten Intercity 1, die nur noch auf wenigen touristischen Strecken wie nach Sylt und Oberstdorf unterwegs sind. Strombetriebene Züge wie der ICE 3 können dort nicht fahren, da teils Oberleitungen fehlen. Die ICE L sind flexibler und können mit Dualmode-Loks bespannt werden, die auch Dieselantrieb ermöglichen. Zudem sollen sie modernes ICE-Design bieten, guten Mobilfunkempfang, neu entwickelte Sitze, Bordrestaurant und Radmitnahme. Das lange Warten könnte sich also lohnen.