Die Sanierung von Transfesa und die Auflösung der Iberica Holding kosten den ohnehin klammen Staatskonzern mehr als 100 Millionen Euro.

Korrespondenten: Thomas Wüpper (wüp)

Auf ihr Netzwerk im Schienengüterverkehr ist die bundeseigene Deutsche Bahn AG stolz. „Wir sind in nahezu jedem Land Europas präsent“, wirbt die Frachttochter DB Cargo mit Sitz in Mainz und listet 15 eigene Unternehmen auf, von der DB Cargo Eurasia über DB Cargo Russija und DB Cargo France bis zur DB Cargo UK. Ein großer Teil der Umsätze im Gütertransport kommt aus dem internationalen Geschäft, wie DB-Cargo-Chefin Sigrid Nikutta gerne betont.

 

Im Geschäftsbericht von DB Cargo wird der Problemfall verschleiert

Wenn es um konkrete Ergebnisse der Ländergesellschaften geht, ist der DB-Konzern weniger mitteilsam. Auch in Geschäftsberichten sind sehr dürftige Informationen allenfalls versteckt auf hinteren Seiten zu finden – wie das hochdefizitäre Engagement der DB Cargo AG in Spanien. Dort kostet die Sanierung der verlustreichen Tochterfirma Transfesa und die Auflösung der Iberica Holding in Madrid den deutschen Staatskonzern mehr als 100 Millionen Euro.

Das bestätigt ein Sprecher von DB Cargo auf Nachfrage unserer Redaktion. Aufgrund von Verlusten der Transfesa Logistics habe man voriges Jahr „Sanierungszuschüsse“ über die DB Iberica Holding gezahlt, um Transfesa „wirtschaftlich zu stützen“. Im Geschäftsbericht von DB Cargo wird der Problemfall verschleiert. Dort heißt es lediglich, eine Zahlung der DB Cargo an Iberica in Höhe von 108 Millionen Euro sei „im Zusammenhang mit der beschlossenen Liquidation der Gesellschaft“ getätigt worden. Transfesa wird nicht erwähnt.

Die Expansion jenseits der Grenzen startete einst unter Hartmut Mehdorn

Vor den Risiken der umfangreichen Auslandsaktivitäten des größten deutschen Staatskonzerns warnt der Bundesrechnungshof die Bundesregierung seit Jahren eindringlich. Denn am Ende könnten hiesige Steuerzahler für Fehlschläge des bundeseigenen Unternehmens haften, das ohnehin schon hohe Verluste einfährt, riesige öffentliche Finanzhilfen benötigt und bis Jahresende einen Schuldenberg von mindestens 40 Milliarden Euro aufgehäuft haben wird.

Die Expansion jenseits der Grenzen startete einst unter Hartmut Mehdorn. Der frühere DB-Chef blies den Nachfolger der Bundesbahn durch teure Zukäufe wie Schenker zum internationalen Logistikkonzern auf. Der angepeilte Börsengang scheiterte ebenso wie Mehdorn. Dennoch setzte der neue Chef Rüdiger Grube den Kurs mit der Übernahme der britischen Arriva und deren Bus- und Bahngeschäften fort, was sich ebenfalls nicht auszahlte.

Transfesa fuhr auch früher schon in den roten Zahlen

Transfesa ist bei Autotransporten auf der Schiene führend und wurde 2007 vom DB-Konzern übernommen, der zunächst 51 Prozent kaufte und inzwischen 84 Prozent hält, bisher noch über die Iberica Holding, die sich in Liquidation befindet. Die spanische Staatsbahn Renfe besitzt nur noch einen kleinen Anteil an Transfesa und beteiligte sich nicht an der Kapitalerhöhung um 42 Millionen Euro im vorigen Jahr. DB Cargo begründet auf Nachfrage die Verluste und hohen Sanierungszuschüsse mit der Corona-Pandemie, die erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft in Spanien gehabt habe.

Allerdings fuhr Transfesa auch zuvor schon in den roten Zahlen und häufte zwischen 2013 und 2019 mehr als 25 Millionen Euro Minus an, wie das Fachmedium El Mercantil berichtete. Von der Deutschen Bahn AG sind dazu keine konkreten Angaben zu erhalten. Man bitte um Verständnis, dass man „situationsbedingt“ keine weiteren Zahlen zu Umsätzen oder konkreten Ergebnissen des spanischen Ablegers nennen werde, sagt der DB-Sprecher. Es wird aber betont, dass man zuvor keine Sanierungszuschüsse an Transfesa gezahlt habe.

Start vor 80 Jahren mit Viehtransporten

Auch auf den Webseiten der spanischen DB-Firma finden sich keine konkreten Geschäftsergebnisse. Dafür gibt es einen Jubelbericht zum 80-jährigen Bestehen von Transfesa, das einst mit Viehtransporten auf der Schiene startete, später spanische Agrarprodukte wie Orangen bis nach Deutschland und Nordeuropa fuhr und ab den 1970er Jahren wichtiger Partner von Autokonzernen wurde. So lässt das VW-Werk in Navarra mehr als die Hälfte der Neuwagen umweltschonend per Bahn zu den Häfen in Barcelona, Santander und Tarragona bringen, allein voriges Jahr mehr als 110 000 Fahrzeuge.

Auf den Transfesa-Webseiten wird zum Jubiläum auch ein aktuelles Foto des Frauenquartetts präsentiert, das inzwischen für die Geschäfte verantwortlich ist. Darunter Firmenchefin Idoia Galindo, die als erste Frau in der Unternehmensgeschichte im April vorigen Jahres an die Spitze rückte und CEO Bernd Hullerum ablöste, der zwölf Jahre lang das frühere Familienunternehmen neu ausrichtete.

Spanische Breitspur erfordert teures Umsetzen von Zügen

Auch Martina Niemann ist auf dem Foto zu sehen, die Finanzchefin von DB Cargo aus Mainz, die federführend beauftragt ist, die größte Güterbahn Europas endlich in die Gewinnzone zu steuern. Denn seit einem Jahrzehnt fährt die DB-Tochter bereits durchgängig Verluste ein. Allein für voriges Jahr steht im Geschäftsbericht ein Minus von 858 Millionen Euro, das der Staatskonzern erneut komplett übernehmen muss – ebenso wie die rund 3 Milliarden Euro, die seit 2012 aufliefen.

An den Geschäften in Spanien will der DB-Konzern gleichwohl festhalten und sieht große Potenziale, obwohl die Transporte auf die iberische Halbinsel durch die dortige Breitspur erschwert werden. Die breiteren Gleise machen kostspieliges und zeitraubendes Kranen und Umachsen bei Zügen nötig, die grenzüberschreitend fahren. Seit Jahresbeginn aber ist zumindest Barcelona mit dem französischen Perpignan auf Normalspur und per Tunnel durch die Pyrenäen verbunden. Die Normalspur für Güterzüge soll zudem gen Süden bis Valencia ausgebaut werden – und damit den Frachtaustausch mit dem übrigen Europa auf der Schiene schneller und günstiger machen.