Deutsche Bahn Züge im Fernverkehr sind zu häufig verspätet

Von  

Die Züge der Deutschen Bahn kommen häufig zu spät - vor allem im Fernverkehr. Jetzt will das Unternehmen wenigstens für Transparenz sorgen.

Verspätete Züge werden am Bahnhof angezeigt. Foto: dpa-Zentralbild 5 Bilder
Verspätete Züge werden am Bahnhof angezeigt. Foto: dpa-Zentralbild

Stuttgart - Die Deutsche Bahn schafft mehr Transparenz für die Fahrgäste. Ab sofort veröffentlicht der Staatskonzern eine monatliche Statistik zur Pünktlichkeit der Züge. Demnach kam seit Jahresbeginn im Schnitt jeder fünfte Fernzug zu spät an. Die Stiftung Warentest ermittelt allerdings seit Längerem deutlich schlechtere Werte. Der frühere Vorstandschef Hartmut Mehdorn hatte die Pünktlichkeitsstatistik ehemals zur Geheimsache erklärt, um mit Blick auf den Börsengang schlechte Schlagzeilen zu vermeiden. Politiker und Bahnexperten forderten lange vergeblich ein Ende der Heimlichtuerei.

Der Konzern gibt die Werte für Fern- und Regionalverkehr getrennt an. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte DB-Vorstand Ulrich Homburg in Berlin. Nach Darstellung des Unternehmens waren sowohl im August als auch seit Jahresbeginn im Schnitt 93 Prozent aller 770.000 Personenzüge pünktlich. Pünktlich bedeutet gemäß DB-Statistik: Sie kamen weniger als sechs Minuten zu spät an. Bei den 22.000 Fernzügen (ICE, IC, EC) lag die Pünktlichkeit allerdings in den ersten acht Monaten nur zwischen 77,6 und 83,3 Prozent.

Die Schwankungen seien wesentlich auf "externe Einflüsse" wie schlechtes Wetter zurückzuführen, erklärte Homburg. So hätten Unwetter im August zur Sperrung von Strecken geführt. Die nötige Umleitung von Zügen habe mehr Verspätungen verursacht. Seit Jahren veröffentlichte die Deutsche Bahn nur wenig aussagekräftige Jahresdurchschnittswerte, wonach die Pünktlichkeit im gesamten Personenverkehr bei über 90 Prozent liege. Seit einiger Zeit ist aber im Internet (www.bahn.de) für jeden Zug feststellbar, ob er pünktlich ist. Diese Daten nutzt die Stiftung Warentest seither für eine eigene Untersuchung der Zugverbindungen.

Teilweise extreme Unpünktlichkeit im Winter

Konkret erfasste die Stiftung zwischen 1. Juli 2010 und dem 30. Juni 2011 mehr als 1,9 Millionen Ankunftszeiten von Zügen auf 20 deutschen Bahnhöfen und wertete die Daten aus. In diesem Zeitraum kamen demnach 42 Prozent der Nachtzüge, 32 Prozent der Eurocity- und 30 Prozent der Intercity-Züge sechs Minuten oder mehr zu spät an. Auch 27 Prozent der Intercity-Züge waren unpünktlich. Im Regionalverkehr sieht es besser aus. Bei den Regional- und Interregio-Expresszügen waren 17 Prozent sechs Minuten und mehr verspätet, bei den Regionalbahnen neun Prozent.

Zuletzt zeigte sich beim Winterchaos im vorigen Jahr, wie stark die Durchschnittswerte die wahre Lage verschleiern. Anhand von Originaldokumenten der DB-Netzleitzentrale wurde zu Jahresbeginn bekannt, dass im vorigen Dezember an manchen Tagen nur noch jeder fünfte Fernzug laut Fahrplan fuhr. In der Weihnachtswoche lag die Pünktlichkeit aller IC- und ICE-Züge nachweislich unter 30 Prozent, in der Woche davor fuhren nur 40 Prozent der Fernzüge pünktlich.

Diese Meldung brachte Verkehrsminister Ramsauer und die Bahn unter Druck. Denn nur zwei Tage zuvor hatte der Minister den Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags auf Anforderung einen Bericht zum Winterchaos vorgelegt, der das Ausmaß der Unpünktlichkeit allerdings verschweigt. Im Bericht heißt es lediglich, dass die Pünktlichkeit "tageweise unter 70 Prozent" gelegen habe. Das erweckte den Eindruck, als ginge es um Ausnahmen. In Wirklichkeit schaffte es die DB damals an keinem Tag zwischen dem 13. und 26. Dezember, dass mehr als 56 Prozent der Züge pünktlich waren.

Bahn hat neue Züge bestellt

Auch übers gesamte Jahr hinweg betrachtet ist besonders der Fernverkehr sehr unpünktlich. Die Stiftung Warentest hält zur Besserung der Situation mehr Investitionen für das Schienennetz und die Züge für dringend erforderlich. Die DB will allein in diesem Jahr rund sechs Milliarden Euro verbauen, die zum großen Teil aus dem Steuertopf stammen. Außerdem wurden nach Konzernangaben für eine Milliarde Euro neue Fahrzeuge bestellt, die weniger störanfällig sein sollen.