Eines ihrer zahlreichen Probleme hat die Deutsche Bank offenbar gelöst: Der Vergleich im Libor-Zinsskandal ist für die Bank ein Schritt nach vorn, meint StZ-Redakteur Klaus Dieter Oehler.

Frankfurt - Die Deutsche Bank hat offenbar im Fall des Libor-Skandals eines ihrer zahlreichen Probleme gelöst. Eigentlich hatten die beiden Co-Chefs von Deutschlands größtem Geldhaus, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, schon bis Ende 2014 den Großteil der Rechtsstreitigkeiten vom Tisch haben wollen, doch die Mühlen der Justiz mahlen nun einmal in ihrem eigenen Tempo. Das gilt besonders, wenn es, wie im Fall des Libor-Skandals, um internationale Ermittlungen geht. Jain und Fitschen können daher froh sein, wenn wieder einmal eine der größeren Baustellen abschlossen werden kann. Der eigentliche Vorgang, bei dem sich eine Handvoll Händler über die Festlegung eines wichtigen Zinssatzes abgesprochen haben, ist schon Geschichte, eine Verwicklung des Managements wurde nicht nachgewiesen.

 

Gleichwohl kann die Doppelspitze der Deutschen Bank nur dann glaubwürdig den Kulturwandel in das Institut hineinbringen, wenn auch die juristische Aufarbeitung von Fehlverhalten in der Vergangenheit abgehakt ist. Und da ist bei der Deutschen Bank leider noch kein endgültiges Ende in Sicht. Erst vor Kurzem hat sich die Commerzbank auf einen teuren Vergleich wegen des möglichen Verstoßes gegen das Sanktionsverbot gegen den Iran geeinigt, wie teuer diese Sache für die Deutsche Bank wird, wird wohl erst im Laufe des Jahres klar werden. Und schon Ende April wird sich der aktuelle Co-Chef Fitschen gemeinsam mit ehemaligen Vorstandskollegen auf der Anklagebank in München wiederfinden. Zwar ist im Zusammenhang mit der Pleite des ehemaligen Medienunternehmers Leo Kirch die finanzielle Belastung von knapp einer Milliarde Euro bereis verdaut. Welche Auswirkungen der Prozess, der viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird, auf das Ansehen der Deutschen Bank haben wird, ist aber noch nicht absehbar.