Mit dem Eingeständnis, den Referenzzins Libor manipuliert zu haben, und der Zahlung von 1,5 Milliarden Dollar soll sich die britische Tochter der Deutschen Bank mit den Behörden in Großbritannien und den USA geeinigt haben.

Frankfurt - Die Deutsche Bank könnte nach übereinstimmenden Berichten noch in diesem Monat einen weiteren Vergleich mit den Behörden in den USA und Großbritannien schließen. Wie die Nachrichtenagenturen Bloomberg und Reuters sowie die „New York Times“ mit Berufung auf Insider berichten, soll die britische Tochter der Deutschen Bank eine Mitschuld an der Manipulation des wichtigen Referenzzinssatzes Libor einräumen und bereit sein, rund 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) zu zahlen. Ende 2014 hatte die Deutsche Bank insgesamt gut drei Milliarden Euro an Rückstellungen für die noch nicht abgeschlossenen diversen Rechtsstreitigkeiten gebildet. Weder die Behörden noch die Deutsche Bank wollten sich am Freitag zu diesen Berichten äußern. Man arbeite nach wie vor eng mit den Ermittlern zusammen, erklärte ein Sprecher der Bank nur.

 

In den Zinsskandal sind Banken rund um den Globus verstrickt. Nach Erkenntnissen von Regulierern hatten sich einzelne Händler bei wichtigen Referenzzinsen wie dem Libor und dem Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne einzustreichen. An solchen Zinssätzen hängen weltweit Geschäfte in einem Volumen von rund 450 Billionen Dollar. Der Skandal um die Manipulation internationaler Zinssätze war im Sommer 2012 bekannt geworden. Von Seiten mehrerer Banken aus verschiedenen Ländern hatte es Unregelmäßigkeiten bei der Festsetzung der Referenzsätze Libor und Euribor gegeben. Der Libor ist der Zinssatz, zu dem sich Banken am Finanzplatz London untereinander Geld leihen. Der Euribor ist ein Zinssatz für Geldgeschäfte in der Währung Euro. Durch die Manipulation der Referenzzinssätze sind daher viele Sparer und Kreditnehmer geschädigt worden.

Libor-Skandal ist die größte Altlast der Deutschen Bank

In den vergangenen Jahren haben einzelne Institute mit verschiedenen Instanzen Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank etwa einigte sich Ende 2013 mit der EU auf eine Libor-Strafe von 725 Millionen Euro. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin ermittelte. Sie ging insbesondere der Frage nach, ob Manager – etwa der langjährige Chef-Investmentbanker und heutige Co-Vorstandschef Jain – von den Tricksereien wussten und diese womöglich duldeten. Dieser Verdacht erhärtete sich nicht, wie die Ermittler wiederholt haben durchblicken lassen. Der Abschlussbericht der Bafin steht noch aus.

Der Libor-Skandal ist die größte Altlast bei den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten, mit denen sich die Bank auseinandersetzen muss. Das Institut ist auch in den weltweiten Devisenskandal verstrickt. Hier stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Zeitnah rechnen die Frankfurter eher noch mit einer US-Strafe wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße. Die Commerzbank musste deshalb vor Kurzem knapp 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Hier standen allerdings auch Geldwäsche-Verfehlungen mit auf der Rechnung. Die Deutsche Bank hält sich nach Angaben aus Finanzkreisen zugute, mit letzterem Sachverhalt nichts zu tun zu haben. Die Strafe dürfte deshalb etwa halb so hoch ausfallen wie bei der Commerzbank. Die beiden Chefs der Deutschen Bank, Jain und Jürgen Fitschen, hoffen, auch diesen Fall noch im zweiten Quartal zu den Akten legen zu können. Dennoch bleibt die Liste an Rechtsstreitigkeiten, vor allem in den USA, noch recht lang.

Analysten begrüßten jedoch, dass die Deutsche Bank offensichtlich wieder eine Altlast abarbeiten kann. Die Höhe der Strafe sei weitgehend eingeplant gewesen, meinte ein Börsianer. Daher habe der Aktienkurs auch kaum auf die Nachricht reagiert. Grundsätzlich sei jeder Fortschritt wünschenswert, weil sich nach dem Abbau der Altlasten die Chance für einen grundlegenden Neuanfang biete. Jain und Fitschen arbeiten derzeit mit Hochdruck an einer neuen Strategie, um das größte deutsche Kreditinstitut in dem veränderten Umfeld neu aufzustellen. Einzelheiten sollen noch in diesem Frühjahr, spätestens zur Hauptversammlung am 21. Mai, bekanntgegeben werden. Die Spekulationen gehen davon aus, dass die Deutsche Bank sogar ihr Privatkundengeschäft abspalten könnte.