Bietigheim-Bissingen - Eigentlich müsste sich Rene Schoofs kneifen, wenn er auf den Spielplan der Deutschen Eishockey Liga (DEL) blickt. Dort taucht der Name Steelers Bietigheim auf, an diesem Freitag (19.30 Uhr) empfängt der Club den ERC Ingolstadt in der Egetrans-Arena. Kaum zu glauben. Denn die Steelers waren so etwas wie das ewige Opfer der sportlichen Trennung zwischen erster und zweiter Liga, fünfmal waren sie Zweitliga-Champion, das Tor zur Beletage war so fest verschlossen wie der Safe der Europäischen Zentralbank für Unbefugte. Schoofs kennt die erzwungene Stagnation nur zu gut. Vor 20 Jahren schlüpfte er mit 16 Jahren zum ersten Mal in ein Steelers-Trikot – seitdem ist der Dress seine zweite Haut.
Dass der gebürtige Esslinger tatsächlich in diesem Trikot in einem DEL-Match aufs Eis fahren würde, klang bis Mai wie eine Episode aus Grimms Märchen. „Das war mein Wunsch“, erzählt Schoofs, „jetzt war es sportlich möglich, und wir sind aufgestiegen.“ Klingt so einfach und war doch so kompliziert. Schoofs musste lange auf diesen Tag warten. Er hat es geduldig getan, auch wenn es Phasen gab, in denen er sich nur ein kleines Fünkchen Hoffnung bewahrt hatte. 2009 standen die Steelers nach dem ersten Zweitligatitel vor dem Aufzug, der sie nach oben in die DEL bringen sollte, doch die Schwenninger Wild Wings boten mehr für die Fahrkarte, nachdem sich die Hannover Scorpions aus der obersten Etage zurückgezogen hatten. „Das war ein harter Schlag damals“, sagt Schoofs, der sich auch an weitere Monate und Wochen erinnert, in denen im Ellental das Gegenteil von eitel Sonnenschein herrschte und fröhliche Gesichter in und um die Eishalle die Ausnahme waren. Als der Club 2012 in die Abstiegsrunde musste oder als es rumorte, nachdem Erfolgstrainer Kevin Gaudet fortgeschickt worden war und es zwischen 2019 und 2020 an einigen Ecken hörbar knirschte. Schoofs hat auch das frostige Klima während der sportlichen Eiszeiten in Bietigheim nichts anhaben können. Es hat ihn robuster werden lassen.
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„Es gab nur wenige Tiefpunkte. Ich wurde fünfmal Meister und stand achtmal im Zweitligafinale“, erzählt Schoofs, der deshalb nur kurz und flüchtig darüber nachgedacht hat, es bei einem anderen Club zu versuchen. „Das war nie ein ernsthaftes Thema, mit dem ich mich intensiv beschäftigt hätte.“ Längst ist der Mann an der Enz heimisch geworden, hat eine Familie gegründet, die Kinder besuchen die Kita – eine Karriere wie aus dem Bilderbuch für einen Sportprofi: sicherer Job, gutes Gehalt, keine berufsbedingten Umzüge, die die Familie belasten. „Dass alles so schnörkellos gelaufen ist, macht mich sehr froh“, sagt er.
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In 1031 Pflichtspielen hat der Alleskönner, der in der Verteidigung wie im Sturm eingesetzt wird, Checks für die Steelers gefahren und eingesteckt. An diesem Freitag wird er es erstmals in der DEL tun – mit 36 Jahren zählt er zu den ältesten Ligadebütanten mit deutschem Pass. Seit Wochen lodert bei dem Routinier wie bei einem Youngster das Feuer der Vorfreude auf das Neue und Wunderbare, das auf ihn zukommt. Die Partien gegen die Traditionsclubs Eisbären Berlin, Kölner Haie und Düsseldorfer EG, die unerreichbar schienen, Schoofs brennt auf die Derbys gegen Adler Mannheim und die Wild Wings, er freut sich, dass er als Spieler in den großen Hallen wie der SAP-Arena in Mannheim, der Mercedes-Benz-Arena in Berlin oder der Lanxess-Arena in Köln aufs Eis darf. Dass er im Spätherbst der Karriere die große Eishockey-Atmosphäre in vollen Zügen aufsaugen darf. „Ich hoffe“, sagt er, „dass viele Zuschauer auf die Ränge dürfen, denn deren Stimmung und Gesänge machen Eishockey doch erst aus.“
Das Trikot mit der „5“ wird wohl gesperrt
Der Nichtabstieg steht bei Schoofs und den Steelers ganz oben auf der To-do-Liste, der Profi vertraut auf den Zusammenhalt der Truppe, die den Aufstieg geschafft hat, in der jeder für den anderen durchs Feuer geht. Der Gedanke ans Karriereende besteht nur schemenhaft, wohl wissend, dass es irgendwann einmal so weit sein wird. „Ich spiele noch und denke nicht darüber hinaus“, sagt er. Aber eines dürfte bei den Steelers schon heute feststehen: Wenn Rene Schoofs endgültig vom Eis geht, wird das Trikot mit der Nummer fünf für alle Zeit gesperrt.