Als große Favoriten gehen die Tippkicker des TKC 71 Hirschlanden in die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften, die sie an diesem Samstag und Sonntag (jeweils ab 10 Uhr) in der Karl-Koch-Halle ausrichten. Mit acht Siegen aus acht Partien an den bisherigen vier Bundesliga-Spieltagen in diesem Jahr stehen die Gastgeber mit je drei Zählern Vorsprung vor den Verfolgern TKC Gallus Frankfurt und 1. TKC Kaiserslautern 86 ungeschlagen an der Tabellenspitze.
Frankfurt und Kaiserslautern ermitteln in einem Halbfinale am Samstag den einen Finalisten, Hirschlanden trifft im zweiten Semifinale auf den Tabellenvierten TKC Preußen Waltrop (8:8 Punkte). Zeitgleich mit den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften findet auch der DTKV-Pokal statt – das Äquivalent zum DFB-Pokal im Fußball -, bei dem 16 Teams in vier Gruppen und einer anschließenden K.-o.-Runde den Pokalsieger ermitteln.
Der TKC 71 Hirschlanden geht zudem als amtierender Titelträger in die Deutschen Mannschaftsmeisterschaften. „Wir wollen unseren Titel verteidigen und hoffen, dass wir die zuletzt gezeigten Leistungen wieder abrufen können“, erklärt der Erste Vorsitzende Rainer Schlotz. Zudem könnte der Verein aus dem Ditzinger Teilort eine Premiere feiern: Erstmals könnte der TKC 71 gleichzeitig den deutschen Einzel- und den Mannschaftsmeister stellen. Zwar wurde in Benjamin Buza 2013 schon einmal ein Hirschlander Tippkicker deutscher Einzelmeister, doch war Buza damals nicht Teil des Meisterteams.
In diesem Jahr jedoch stellt der TKC 71 mit Florian Stähle bereits den deutschen Einzelmeister. Der 24-Jährige gewann den Titel völlig überraschend Anfang Oktober im Wolfsburger Stadtteil Fallersleben. „Mein Name ist nicht gefallen, als vor dem Beginn die Favoriten genannt wurden“, erzählt Florian Stähle schmunzelnd, der im Alter von zwölf Jahren vom Tippkick-Fieber erfasst wurde. Auch er selbst dachte nicht daran, dass er so weit kommen würde. Da er seit einiger Zeit in Bruchsal seinen Lebensmittelpunkt hat, war er nicht mehr so häufig zum Trainieren gekommen.
Wiederholungsspiel im Finale
Von den insgesamt fünf TKC 71-Akteuren in Wolfsburg kam für Andreas Sigle in Runde zwei und Christian Schlißke in Runde drei das Aus. Benjamin Buza verpasste als 13. ganz knapp die Runde der besten Zwölf. Dort landeten Florian Stähle und Max Daub in der gleichen Sechser-Gruppe, das direkte Duell gewann Stähle mit 6:2. Dieser Sieg sollte sich am Ende als entscheidend herausstellen, denn dem 24-Jährigen gelangen in den letzten drei Partien nur noch drei Unentschieden. Für seinen Finaleinzug zeichnete am Ende ausgerechnet Max Daub, sein ehemaliger Jugendtrainer, verantwortlich, der mit einem Sieg gegen den Lauterer Philipp Baadte dessen Finaleinzug verhinderte.
Das Finale gegen den Berliner Bundesligaspieler Christian Kuch wurde dann zu einem Krimi der besonderen Art: Die erste Partie zwischen beiden brachte auch in der Verlängerung keinen Sieger hervor (2:2), sodass ein Wiederholungsspiel entscheiden musste. Auch hier stand es zur Halbzeit 1:1, ehe Florian Stähle kurz danach zwei Treffer zum 3:1 gelangen. Kuch verkürzte zwar auf 3:2, doch Stähle stellte umgehend auf 4:2 und hielt diesen Vorsprung bis zum Schluss. „Ich habe das taktisch ganz clever gemacht und meinen Gegner mit Schüssen beschäftigt und nichts Außergewöhnliches versucht“, verriet der Hirschlander sein Erfolgsrezept. Ein Schlüsselmoment sei auch gewesen, dass er im Finale nie im Rückstand gelegen sei.
Überraschender Titelgewinn
„Ich war im Tunnel und habe das äußere Geschehen komplett ausblenden können“, erklärte Florian Stähle. Das sei ein weiterer Vorteil von ihm gewesen, sein Gegner sei bekannt dafür, sich oft zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen. Insgesamt sei das Finale aber trotz der hohen Bedeutung total fair abgelaufen. „Jeder von uns hat ein Tor des Gegners anerkannt, das der Schiedsrichter nicht gesehen hatte“, erzählte der 24-Jährige.
Für Rainer Schlotz kam der Erfolg von Florian Stähle nicht ganz überraschend: „Er hat großen Ehrgeiz, ein tolles Spielverständnis und sich mit den Jahren ein exzellentes taktisches Gespür erarbeitet, weil er mit den Besten trainieren kann“, findet der Erste Vorsitzende. Zudem habe er wohl auch das nötige Quäntchen Glück gehabt. Bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften soll Stähles Einzeltitel – der fünfte in der Vereinsgeschichte – kurz gewürdigt werden.