Deutsche Sitcom: „Warten auf’n Bus“ Mehr als Saufen und Kloppen

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Sie selbst sagen von sich, sie seien dumme Unterschicht. Aber die beiden Arbeitslosen Hannes und Ralle sind keine völlig Abgestürzten. In der ARD-Mediathek kann man sehen, wie sie um Hoffnung ringen – in der schönen Sitcom „Warten auf’n Bus“.

Ralle (Felix Kramer, li.) und Hannes (Ronald Zehrfeld) bespaßen auch mal  Kind und Hund. Foto: rbb/Frédéric Batier 19 Bilder
Ralle (Felix Kramer, li.) und Hannes (Ronald Zehrfeld) bespaßen auch mal Kind und Hund. Foto: rbb/Frédéric Batier

Stuttgart - Ab und an hält tatsächlich mal ein Bus an dem Wartehäuschen, an dem die beiden Stützeempfänger Hannes (Ronald Zehrfeld) und Ralle (Felix Kramer) zusammen mit ihrem Hund Maik sitzen. Die Männer trinken da Bier, philosophieren, streiten, wühlen in sich und im anderen herum. Jeden Tag. Den ganzen Tag. Maik bellt derweil Blumen an, lässt sich kraulen oder döst.

Hannes und Ralle hocken hier, weil sie beide ein bisschen in die Busfahrerin Kathrin (Jördis Triebel) verknallt sind. Aber wenn der Bus vorrollt, steigt nur Maik ein, um sich Leckerli und Knuddeleien abzuholen. Mit dem Titel „Warten auf’n Bus“ meint die von Oliver Bukowski geschriebene, von Dirk Kummer inszenierte RBB-Serie nicht den Fahrplan der Verkehrsbetriebe. Hannes und Ralle warten auf eine ganz andere Chance zum Vorankommen.

Kunstvolle Täuschung

„Wir sind doch Unterschicht. Blöde, dumme Unterschicht. Wir saufen und wir kloppen uns“, definiert Ralle sich und seinen Kumpel mal. Aber die acht halbstündigen Episoden dieser Sitcom zeigen beides: dass dieser Blick von außen irrt, dass die Freunde aber permanent in Gefahr sind, diese oberflächliche Verachtung durch die anderen in tiefen Selbsthass zu überführen.

In diesen Tragikomödiensplittern aus dem Dauerschatten gibt es keine rasante Dramaturgie. Nicht einmal das glanzvolle Zufeilen der Dialoge auf eine klare Pointe nach der anderen. Hannes und Ralle scheinen oft ziellos zu brabbeln, und wer nur eine Minute hineinzappt, bekäme – anders als etwa beim „Tatortreiniger“ – vielleicht den Eindruck, hier sei eine Serienidee außer Kontrolle geraten. Tatsächlich aber sind die Beiläufigkeit, die Vulgarität, die Sprunghaftigkeit dieser Dialoge kunstvolle Täuschung.

Mal robust, mal resigniert

Immer wieder offenbaren die Männer, denen ihr Zusammensein wichtiger ist als der Alkohol, neue Seiten. Sie sind sensibler, klüger, vielseitiger als sie selbst wahrhaben wollen, will heißen: verletzlicher, gequälter, unfähiger, sich mit der Aussichtslosigkeit einzurichten.

Sie tun mal robust, mal resigniert, sie binden ihre persönliche Malaise nicht unbegründet und nicht larmoyant in eine größere Krise ein: „Dett iss hier Brandenburg. Hier rollen die Büsche über die Steppe.“ Aber sie lügen sich dabei in die Tasche, sie können sich eben nicht abfinden mit dieser Langzeitparke ihrer Kräfte und Hoffnungen. Ronald Zehrfeld und Felix Kramer machen das im Lachen wie im Fluchen deutlich. Mit diesen beiden - und ihrem Hund – sollte man sich mal aufs Wartebänkchen setzen.

Alle acht Folgen sind in der ARD-Mediathek abrufbar.




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