Deutscher Beamtenbund Große Fußstapfen für den Neuen

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Im Machtkampf um die Nachfolge von Beamtenbund-Chef Peter Heesen fordert der bayerische Landesbundvorsitzende Rolf Habermann den Favoriten des Führungsteams Klaus Dauderstädt heraus.

Der Beamtenbund-Vorsitzende Peter Heesen geht von Bord. In seiner neunjährigen Amtszeit hat er die Organisation auf einen Reformkurs gebracht. Foto: dpa
Der Beamtenbund-Vorsitzende Peter Heesen geht von Bord. In seiner neunjährigen Amtszeit hat er die Organisation auf einen Reformkurs gebracht. Foto: dpa

Berlin - Für die meisten Spitzenfunktionäre war die Sache Anfang des Jahres klar: Wenn der Beamtenbundchef Peter Heesen noch eine Amtsperiode dranhängen will, wird ihn keiner aufhalten – wenn nicht, soll sein Vize Klaus Dauderstädt es machen. Insgeheim hatte sich Heesen bereits zu Weihnachten 2011 entschieden, mit nunmehr 65 Jahren aufzuhören. Im März tat er seine Entscheidung kund. Damit war der Weg scheinbar frei für seinen Wunschkandidaten – bis sich Dauderstädt im Mai der Bayer Rolf Habermann in den Weg stellte.

Der Außenseiter aus dem Freistaat hat seither eifrig für sich geworben und rechnet sich für die heutige Kampfabstimmung auf dem Gewerkschaftstag durchaus Chancen aus. Im StZ-Interview äußerte Habermann jüngst selbstbewusst, dass es „ein Nachdenken“ gebe: „Das Pendel kann auch zu meiner Seite ausschlagen“, sagte er. Hauptberuflich vertritt der 58-jährige frühere Schulleiter 120 000 bayerische Lehrer und wähnt daher vor allem die starken Bildungsverbände hinter sich. Auch dürfte er die Stimmen der Traditionalisten bei den Delegierten einsammeln, die einen klassischen Beamten vorne sehen wollen – zumal einen, der mit der für viele ungeliebten Gewerkschaft Verdi womöglich nicht so eng kooperieren will wie bisher Heesen.

Führungsreserve wartet auf ihre Chance

Dauderstädt ist als Geschäftsführer der Sozialversicherungsgewerkschaft in ihren Augen „nur“ ein Angestellter. Dennoch gilt er als der aussichtsreichere Anwärter – obwohl er am nächsten Mittwoch 64 Jahre alt wird und lediglich für eine Amtsperiode zur Verfügung stünde. Es gibt etliche jüngere Funktionäre, die sich den Vorsitz noch nicht zutrauen, aber binnen fünf Jahren ihr Profil schärfen können. Diese Führungsreserve wirbt in den eigenen Reihen eher für Dauderstädt als für Habermann, um nicht noch zehn Jahre auf ihre Chance warten zu müssen. Fraglich ist auch, ob die Delegierten nach dem Studiendirektor Heesen erneut einen Lehrer an die Spitze hieven wollen.

Im StZ-Interview hat sich Dauderstädt über die Dominanz des bisherigen Vorsitzenden mokiert, der keine Kronprinzen habe aufwachsen lassen. Dies hat einige Funktionäre offenbar mehr gestört als Heesen selbst. Zudem ist der Eindruck entstanden, als befürworte Dauderstädt eine flexible Lebensaltersgrenze über die 67 Jahre hinaus. Auch dieser Tabubruch löste Irritationen aus. Ein sehr gutes Wahlergebnis bekäme er nach internen Einschätzungen wohl selbst dann nicht, wenn er alleiniger Bewerber wäre. Insofern tut ihm Habermann mit der Kampfkandidatur womöglich noch den Gefallen, ein mageres Resultat später im günstigen Licht erscheinen zu lassen. „Das Schlimmste“, so sagt der Stuttgarter Beamtenlobbyist Volker Stich, „wäre eine Pattsituation“. Denn dann wäre die Organisation gespalten.

Anerkannter der Regierenden

Heesen wird heute seinen letzten Geschäftsbericht verlesen und zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Ein paar Dankesworte – dann geht nach neun Jahren eine ertragreiche Ära glanzlos zu Ende. Seit Kurzem ist er Pensionär. Nach wie vor verteidigt die Gewerkschaft den Beamtenstatus mitsamt der Privilegien hartnäckig. Doch ist es Heesen mit Pragmatismus gelungen, die frühere Betonpolitik aufzubrechen und den DBB immer wieder in die Offensive zu bringen – zum Beispiel bei der Dienstrechtsreform. Heute ist der Beamtenbund ein anerkannter Partner der Regierenden. Stark im Auftritt und rhetorisch stellenweise brillant: Heesen hinterlässt große Fußstapfen – vielleicht zu groß für den Nachfolger. Dieser muss sich etwa die vor einem Monat wieder geäußerte große Wertschätzung von Kanzlerin Angela Merkel erst noch erarbeiten.