Deutscher Fußballinvestor in England Working Class Hero

Zwei Deutsche in England: Edin Rahic (li.) und Stefan Rupp sind Eigentümer von Bradford City. Foto: BCFC
Zwei Deutsche in England: Edin Rahic (li.) und Stefan Rupp sind Eigentümer von Bradford City. Foto: BCFC

Der Echterdinger Edin Rahic hat mit einem Partner den englischen Drittligisten Bradford City gekauft. Der 43-Jährige ist der erste deutsche Clubbesitzer auf der Insel – und will eines Tages auch die Premier League aufmischen.

Sport: Marko Schumacher (schu)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Bradford/Stuttgart - Seinen 40. Geburtstag feiert Edin Rahic in der Alten Kanzlei am Stuttgarter Schlossplatz und lässt es sich nicht nehmen, eine Rede zu halten. Seinen Dank an die Gäste verbindet der Jubilar an jenem Junisamstag des Jahres 2013 mit einer tollkühnen Ansage: „Eines Tages werde ich der Besitzer eines Fußballclubs sein.“ Ein paar Gäste hüsteln, andere lachen. Dann wird weitergefeiert bis tief in die Nacht.

Was nicht viele wissen: diesen Plan verfolgt Edin Rahic schon seit vielen Jahren. Und woran fast keiner glaubt: drei Jahre später setzt er ihn in die Tat um.

Dies ist also die Geschichte von Edin Rahic (43), dem Miteigentümer und Geschäftsführer des englischen Drittligisten Bradford City, dem ersten deutschen Clubbesitzer im gelobten Fußballland. Sie handelt von vermeintlichem Größenwahn, Business und grenzenloser Liebe zum Spiel. Und davon, dass manchmal auch die verrücktesten Träume in Erfüllung gehen, wenn man hart arbeitet und fest daran glaubt.

Der größte Erfolg: der Sieg bei Jugend trainiert für Olympia 1986

Edin Rahic wächst in Echterdingen auf, als Sohn jugoslawischer Gastarbeiter, fleißige, bodenständige Leute. Er ist ein hochtalentierter Fußballer. „Der Edi“, wie ihn alle nennen, wird bald eine Lokalgröße auf den Fildern und schafft es nach dem Wechsel zum VfL Sindelfingen bis in die Oberliga, damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland. Sein einziger Titel aber bleibt der Sieg mit der Schülermannschaft des Philipp-Matthäus-Hahn-Gymnasiums bei Jugend trainiert für Olympia 1986.

Während andere Filderkicker aus seinem Jahrgang, Marc Kienle und Alexander Blessin, Profis werden, hört Rahic, einer der Begabtesten, nach seinem zweiten Achillessehnenriss schon mit 23 auf. „Ich habe nicht auf meinen Körper geachtet. Ich hatte nicht die richtige Einstellung“, sagt er – und schwört sich, im Berufsleben ernsthafter ans Werk zu gehen.

Lehrjahre in Schottland, Frankreich und bei Ralf Rangnick

Edin Rahic verabschiedet sich Ende der 90er-Jahre erst einmal vom Fußball und der Heimat. Er geht nach Glasgow und baut für Polaroid ein Callcenter mit auf. Als IT-Berater arbeitet er anschließend in Frankreich, studiert parallel dazu BWL und darf dank alter Kontakte aus Jugend-Auswahlmannschaften im Auftrag des VfB Stuttgart und dessen Trainer Ralf Rangnick Spieler beobachten. Als Scout reist Rahic an den Wochenenden quer durch Europa, ist bei der EM 2000 dabei. Die alte Leidenschaft erwacht wieder in ihm, er fragt sich: „Was könnte ich im Fußball machen?“

Kurz vor seinem 30. Geburtstag, kehrt Edin Rahic 2002 in die Heimat zurück. Er heiratet seine Jugendliebe, gründet eine Familie und arbeitet bei Bosch. Ralf Rangnick ist beim VfB schon wieder entlassen worden, dort gibt es keinen Platz mehr für ihn. Bei den Stuttgarter Kickers schon. Rahic wird in den Vorstand berufen, er arbeitet gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten Hans Kullen daran, die Kickers vor der Insolvenz zu bewahren. „In jener Zeit habe ich gemerkt, dass es mein Traum wäre, einen Fußballclub zu führen.“ Doch spürt er auch: „Du musst einer der Hauptverantwortlichen sein, um etwas bewegen zu können.“ Nach einem Jahr verlässt er die Kickers wieder und weiß: „Irgendwann kommt der Tag, an dem ich richtig ins Fußballbusiness einsteigen möchte.“




Unsere Empfehlung für Sie