Sein Patenonkel Firat Arslan hat sich schon einen Namen in der Sportszene gemacht, aber auch Ringer Alpay Eser hat große Pläne. Foto: Avanti
Der Deutsche U17-Meister Alpay Eser steht stellvertretend für die starke Nachwuchsarbeit beim Ringerteam Kornwestheim, das künftig auch in einer Kampfgemeinschaft bei den Aktiven starten will.
Alpay Eser ist im doppelten Sinne des Wortes ein Schwergewicht. Einerseits bringt der 15-Jährige über 100 Kilogramm auf die Waage, andererseits ist er bundesweit der beste Ringer in seiner Altersklasse im Freistil. Der Beweis: Bei den Deutschen Meisterschaften im sächsischen Wernau holte sich der Athlet vom Ringerteam Kornwestheim in der Klasse bis 110 Kilogramm den Titel bei der U17. Er hat sich einfach mal locker durchgerungen in einer der ältesten Sportarten überhaupt: Drei seiner vier Kämpfe auf dem Weg zur Meisterschaft hat er vorzeitig gewonnen. Nur im Finale musste er gegen Adrian Mula vom KSV Kirrlach über die Kampfdistanz von vier Minuten gehen und dominierte dann mit 7:5. Doch er musste Geduld mitbringen, um gegen den badischen Konkurrenten den ganz großen Wurf zu landen. Danach war er erst einmal platt. Es war der erste Deutsche Meistertitel für die Ringer der Skizunft Kornwestheim.
Erstaunlich wendig mit 110 Kilo
An diesem Abend jedoch schaut er den anderen Talenten bei Training zu in der Hanspeter-Sturm-Halle – so eine Art zweites Wohnzimmer für ihn, denn bis zu vier Mal in der Woche steht er hier auf der Matte und bringt seinen massigen Körper mit einer erstaunlichen Wendigkeit auf der Matte zu bewegen. „Ihn zeichnet aus, dass er sehr agil ist, dass er viel Gefühl für den Sport mitbringt, auf der Matte agiert, statt nur zu reagieren“, sagt Trainer Yasar Demir.
Der Coach war ein Grund, weshalb Alpay von seinem früheren Verein SV Fellbach nach Kornwestheim gewechselt ist. „Seit er mit Yasar Demir trainiert, hat er es weit gebracht“, sagt Mutter Zeynep Eser. Doch was bringt den Realschüler dazu, gerade im Ringen seine Erfüllung zu finden? Da ist zum einen die familiäre DNA, denn auch sein Vater Halil Ibrahim Eser war erfolgreich in diesem Greifsport beim damaligen Zweitligisten VfL Neckargartach. „Und ich finde Ringen besonders, weil man seinen Gegner ja quasi umarmt, während man gegen ihn kämpft“, sagt Alpay Eser.
Alpay Eser und Ela Demir stehen für die gute Nachwuchsarbeit beim Ringerteam Kornwestheim. Foto: Avanti
Ringen ist oft ein verzweifelter, schmerzhafter Kampf, sogar im Training. Das große Talent hat mit den Jahren gelernt mit Misserfolg und Erfolg, mit Stress, Ängsten, Leistungsdruck aber auch den Selbstzweifeln umzugehen. „Alpay geht jetzt mit mehr Selbstvertrauen auf die Matte, weiß, dass er es mit jedem aufnehmen kann, egal, wer da kommt“, sagt Halil Ibrahim Eser, der in Stuttgart ein Kaffeehaus mit Rösterei betreibt. Der Vater unterstützt seinen Sohn, hat ihm im daheim in Fellbach einen kleinen Kraftraum eingerichtet. Und er gibt dem Filius gerne sein Credo mit auf den Weg: „ Unabhängig, ob man den ganz großen Erfolg landet, prägt einem der Leistungssport für Leben.“
Der Erfolg von Eser steht stellvertretend für die starke Nachwuchsarbeit des Ringervereins Kornwestheim unter dem Dach der Skizunft in den vergangenen zwei Jahren. Aus dem Nichts haben die Beteiligten in kurzer Zeit einen funktionierenden Ringerstandort für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Seitdem sammeln die jungen Athletinnen und Athleten regelmäßig Medaillen bei Meisterschaften. Ela Demir wurde im vergangenen Jahr bei den Schülerinnen Dritte bei den Deutschen Meisterschaften. In diesem Jahr reichte es in der neuen Klasse bis 53 Kilogramm für den sechsten Platz. „Da muss ich mich erst noch rantasten“, sagt Ela Demir. Die Ringerabteilung arbeitet schon am nächsten Projekt: In einer Kampfgemeinschaft mit dem TSV Asperg will der Verein in der kommenden Saison einen Start in der Mannschaftsrunde der Aktiven wagen.
Teenager mit konkreten Plänen für die Zukunft
Das kommt für Alpay Eser noch zu früh, der in den kommenden Jahren bei den A-Jugendlichen kämpfen wird. Er ist froh, dass er sich in seiner Gewichtsklasse nicht dem brachialen Abnehmstress am Morgen vor Titelkämpfen unterziehen muss. „Aber ich muss noch an meiner Ausdauer arbeiten und natürlich ist das auch technisch noch lange nicht ausgereift“, sagt der Kämpfer. Konkret bedeutet das, sein Abwehrverhalten zu verbessern und die Angriffstechnik zu optimieren.
Um sich noch stärker auf seinen Sport konzentrieren zu können, wechselt er im Sommer auf die Kolpingschule in Fellbach, die Leistungssportlern eine besondere Unterstützung zukommen lässt. „Ich strebe das Fachabi an und will vielleicht Sporttherapeut werden“, beschreibt Alpay seine Zukunftspläne. Der bald 16-Jährige hat übrigens einen prominenten Unterstützer an seiner Seite: Boxer Firat Arslan, der sich 2007 gegen den mehrfachen WBA-Weltmeister Virgil Hill den Titel im Cruisergewicht holte und ihn 2008 gegen den US-Amerikaner Darnell Wilson verteidigte, ist sein Patenonkel. Anders als Alpay, wäre Arslan aber mit kräftigen Umarmungen nicht weit gekommen.