Deutsches Literaturarchiv Marbach Aufbruch mit 73 Millionen Euro Fördergeldern

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (Archivbild) Foto: dpa/Sebastian Kahnert
Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (Archivbild) Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Größer und digitaler soll das Deutsche Literaturarchiv Marbach werden. Dazu fördert der Bund die Institution mit 73 Millionen Euro. Nach einer turbulenten Vergangenheit soll jetzt nach vorne geschaut werden.

Marbach - In Zukunft will das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) größer und digitaler werden. Es werde einen Aufbruch in den Punkten Personal, Finanzen, Digitalität und Bauen geben, kündigte die DLA-Direktorin Sandra Richter in einer virtuellen Pressekonferenz am Freitag in Marbach an. Dazu fördere der Bund das DLA mit 73 Millionen Euro. Mit dieser Unterstützung bestehe für den Reformprozess Planungssicherheit, so die Literaturwissenschaftlerin.

Zur Weiterentwicklung des Archivs ist im Laufe einer zehnjährigen Bau- und Sanierungsphase die Errichtung eines Bürogebäudes sowie eines Magazinbaus für den jährlich um 1.400 Regalmeter wachsenden Bestand geplant. Außerdem soll es ein für das Publikum offenes „Schaufenster“ sowie ein Forschungsarchiv geben. Für die Bauten sollen Architekturwettbewerbe ausgelobt werden, sagte Architekt Jochen Mayer.

Kultur und Literaturpark in Marbach

Während des Umbauprozesses bleiben das Archiv und die beiden Museen für Besucher geöffnet. Ziel sei es, zusammen mit der Stadt Marbach bis 2033 einen Kultur- und Literaturpark auf der Schillerhöhe fertigzustellen. Marbach hatte sich gemeinsam mit der Nachbarkommune Benningen für 2033 um die Ausrichtung einer Gartenschau beworben.

Da das DLA nicht nur Platz, sondern auch mehr Personal benötige, seien nun auch sämtliche Mittel für die 19 neuen Stellen im Haushalt verankert worden, teilte Richter mit. Sie entfielen auf verschiedene Bereiche wie Bibliothek, Forschung, Archivierung und IT. Die Förderung und Erforschung des Digitalen machten neben neuem Personal und Gebäuden auch neue Strategien und Kooperationen erforderlich.

Science Data Center für Literatur geplant

Roland Kamzelak, Leiter der DLA-Abteilung Entwicklung, nannte als Beispiele das Science Data Center für Literatur in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart, eine Kooperation bei der Langzeitarchivierung mit der Technischen Informationsbibliothek (TIB) Hannover sowie mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung Ludwigsburg. Darüber hinaus sollen neue, digitale Erschließungsmethoden zur Analyse von Texten eingesetzt werden.

Mit Blick auf den im Sommer hochgekochten Personalkonflikt auf der Schillerhöhe sagte Richter, sie habe eine strittige Personalentscheidung treffen müssen, die aber dennoch notwendig gewesen sei. Mittlerweile habe sie mit nahezu jedem in der Belegschaft gesprochen und festgestellt, dass Personalentwicklung bisher eine geringe Rolle gespielt habe. Im kommenden Jahr solle es mit Coaching und der Beleuchtung der Arbeitsprozesse weitergehen.

Beim Personal gab es in der Vergangenheit Konflikte

Der neue Vorsitzende der Deutschen Schillergesellschaft, Kai Uwe Peter, berichtete, er habe bei Gesprächen im Haus Zuversicht, Rückhalt, Interesse und Identifikation gespürt. Viele Konflikte gingen weit hinter Richters Amtszeit zurück. Die Deutsche Schillergesellschaft ist der Trägerverein des DLA.

Richter war im Sommer in die Kritik geraten. Der erst seit 2019 amtierenden DLA-Direktorin wurde unter anderem vorgeworfen, durch die Freistellung der langjährigen Verwaltungsdirektorin und der Rückkehr der unter ihrem Vorgänger Ulrich Raulff freigestellten Museumsleiterin Heike Gfrereis für ein schlechtes Arbeitsklima gesorgt zu haben. Nach Richters Aussage dauert das Arbeitsgerichtsverfahren in Sachen Verwaltungsleitung an.

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