Deutsches Literaturarchiv Silcher-Nachlass geht nach Marbach

Silcher-Denkmal in der Tübinger Platanenallee Foto: imago images/Arnulf Hettrich
Silcher-Denkmal in der Tübinger Platanenallee Foto: imago images/Arnulf Hettrich

Selbst Elvis Presley ließ sich von einem seiner Lieder inspirieren. Nun erweitert der Bestand des Liedkomponisten und -sammlers Friedrich Silcher die Musikalienabteilung des Deutschen Literaturarchivs.

Kultur: Stefan Kister (kir)

Marbach - Friedrich Silcher hat das schwäbische Biedermeier musikalisch geprägt. Er zählt zu den Komponisten, deren Schöpfungen dem breiten Publikum vertrauter sind als sein Name Das Weihnachtslied „Alle Jahre wieder“ gehört dazu oder die Vertonung von Heinrich Heines Gedicht „Loreley“. Um für sein Werk eine zentrale Stätte der Bewahrung und Erforschung zu schaffen, überlässt der Schwäbische Chorverband dem Deutschen Literaturarchiv Marbach das Archiv von Friedrich Silcher als Schenkung.

Friedrich Silcher (1789–1860) wirkte an der Universität in Tübingen als Musikdirektor. Er komponierte Motetten, Ouvertüren und kammermusikalische Werke. Heute noch bekannt ist er vor allem als Komponist und Sammler von Volksliedern. Eines davon, „Muß i denn zum Städtele hinaus“, lernte der amerikanische Rock’n’ Roll-Sänger Elvis Presley während seines Wehrdienstes in Deutschland kennen und verschaffte ihm in seiner Interpretation weltweite Bekanntheit.

Reicher Bestand

Seit 1912 wurde Silchers persönlicher und musikalischer Nachlass in seinem Geburtshaus in Schnait aufbewahrt, das vom Schwäbischen Chorverband zum Museum ausgebaut wurde und derzeit mit Unterstützung der im Deutschen Literaturarchiv angesiedelten Arbeitsstelle für literarische Museen in Baden-Württemberg neu konzipiert wird.

Der reiche und noch kaum erschlossene Bestand umfasst neben dem eigentlichen Nachlass eine Silcher-Sammlung, die aus Zeichnungen, Notendrucken und -manuskripten, Briefen, Stammbäumen und Konzertprogrammen aus dem Besitz von Silchers Familie und Freundeskreis besteht. Zum Nachlass gehören auch Abschriften von Werken Carl Maria von Webers und Felix Mendelssohn Bartholdys, hinzu kommen Notenautografen von Johann Friedrich Reichardt, Emilie Zumsteeg und Josefine Lang. Zusammen mit Robert Schumann war Silcher in der Redaktion des von dem Bonner Komponisten 1834 gegründeten „Neuen Zeitschrift für Musik“ tätig. Besonders die zahlreichen Vertonungen von Gedichten seiner Zeitgenossen – Uhland, Kerner, Hauff und Mörike – ergänzen die Marbacher Sammlungen.




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