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Deutschland Elefantenrennen im Steinbruch

Von Andreas Denner aus Langenaltheim 

Welche Steigung schafft eigentlich ein Wohnmobil? Im Altmühltal bei Langenaltheim üben Wohnmobilisten das Fahren im Gelände - aufregend!

Geländegängige Wohnmobile wirken auf den ersten Blick behäbig. Mit dem richtigen Fahrtraining kann man aber einiges aus den Riesen herausholen. Foto: Denner
Geländegängige Wohnmobile wirken auf den ersten Blick behäbig. Mit dem richtigen Fahrtraining kann man aber einiges aus den Riesen herausholen. Foto: Denner

So ist das normal: Im Offroadpark im Solnhofener Steinbruch verbeißen sich Jeeps mit grobstolligen Reifen in atemberaubenden Steigungen oder waten durch hüfttiefes Wasser. Und das ist nicht normal: Wohnmobile mit üppigen Ausmaßen wagen den harten Geländeeinsatz. Nicht Otto-Normal-Womos, sondern sogenannte Expeditionsmobile testen heute ihre Grenzen und die ihrer Fahrer, die am Ende des Tages erstaunt feststellen: „Mein Allrad-Wohnmobil kann mehr, als ich mich jemals getraut hätte!“ Wohnmobile? Sind das nicht diese Apartments auf Rädern, vor denen auf dem Campingplatz dickbäuchige Rentner in Schießer-Feinripp-Unterhemden ihr Bier trinken? Sagen wir mal so: Ja, das gibt es tatsächlich. Aber so wie beim Pkw vom Elektro-Cityflitzer bis zum 1000 PS starken Supersportwagen alles möglich ist, so gibt es auch bei Wohnmobilen ganz unterschiedliche Gattungen. Hier geht es um die Gattung Expeditionsfahrzeuge.

Mit jedem Gelände-Auto ist Vorsicht geboten

Carlo Morand und Marc Möckel sind mit ihren Fahrzeugen angereist, einem Mitsubishi Canter 4x4 und einem Mercedes-Benz Sprinter 4x4, beide mit einem Wohnaufbau von Woelcke. Carlo war mit seinem Truck schon auf Sardinien, Marc mit seinem Bus auf Korsika. Da, so erzählen sie zum Auftakt des Tageskurses, haben sie sich schon mal über ausgefahrene Feldwege zu abgelegenen einsamen Stellplätzen durchgeschlagen. Nicht ohne dabei (teure) Erfahrungen zu sammeln. Carlo sagt, dass er sich sein Fahrzeug dabei völlig zerkratzt hat, so dass er es zu Hause komplett mit Folie überziehen lassen musste. Marc war sich nicht sicher, wann er seinem Fahrzeug zu viel zumutet, und hat sich an viele Stellen gar nicht rangetraut. „Sicherheit geht bei mir immer vor“, betont er. Das trifft bei Matthias „Matze“ Raabe, Chef-Instruktor von Kraftwerk, dem Veranstalter des Kurses, voll ins Schwarze: „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Schnell ist ein teurer Unfall passiert.“ Daher seine klare Ansage: „Wir fahren so langsam wie möglich, aber so schnell wie nötig.“ Das gilt natürlich für jedes Gelände-Auto.

Aber mit den Expeditionsmobilen gibt es schon ganz besondere Probleme: Die Abmessungen sind doch eher hinderlich. Natürlich passt ein Cabrio-Jeep noch locker zwischen zwei Bäumen durch, wo die Gelände-Womos ganz einfach zu dick sind, zu breit und zu hoch. Das muss man einberechnen! Und auch am Boden lauern Gefahren. Damit ist man schon mitten im Geländefahrer-Einmaleins. Vorn und hinten ist der Böschungswinkel zu beachten. Das Befahren einer ersten Bodenwelle zeigt, dass Carlos Canter hinten eine Anhängerkupplung hat. Und die schabt ganz schnell am Untergrund, wenn der Wagen vorn noch problemlos einen Berg hoch könnte. Doch damit nicht genug: Unter dem Fahrzeugboden liegen empfindliche Teile. Beim Überfahren der Bodenwelle ist also auch der Rampenwinkel zu beachten. Denn wenn das Auto etwa auf dem harten Felsen aufsetzt, wird’s zumindest sehr teuer. Oder schlimmer: Es kann das Ende der Fahrt bedeuten, wenn Kardanwelle, Differenziale, Verteilergetriebe, Auspuff oder Tanks beschädigt werden. Und mitten im Outback kann man nicht einfach einen Abschleppwagen herbeitelefonieren. Erstaunlicherweise ist hier der kleinere Sprinter im Nachteil. Wegen des längeren Radstands setzt er viel früher mit dem Bauch auf als der Canter.

Die Fahrt durchs Gelände

Die erste Geländeabfahrt steht an. Geschätzt 100 Prozent, also 45 Grad Neigungswinkel. Das heißt, es ist so steil, dass man zu Fuß kaum runterkommt. Auch wenn einige vorbeikommende Jeepfahrer irritiert gucken: Das können die Elefanten gut. Vierradantrieb, Untersetzungsgetriebe, Sperrdifferenzial und Motorbremse: beste Voraussetzungen, um langsam und sicher zu Tale zu kommen. Matze gibt einen Tipp: „Immer in der Falllinie, also nie schräg zum Hang, sonst kommt das Fahrzeug schnell ins Rutschen oder kippt gar um.“ Diese Regel gilt auch bergauf - die nächste Übung, die es zu bewältigen gilt. Klappt problemlos! Carlo und Marc werden immer mutiger. Mit leuchtenden Augen lehnen sie sich aus dem Fenster ihrer Fahrerkabine und berichten stolz über ihre Erfahrungen. Immer wieder rauf und runter - sie können gar nicht genug kriegen von der Geröllachterbahn.

Höhepunkt des Tages ist eine Verfolgungsfahrt, sozusagen das Elefantenrennen im Gelände. Matze legt im Landrover die Spur, und die beiden Dicken fahren hinterher. Immer enger, immer steiler, immer abenteuerlicher wird es. Aber die Freizeit-Trucker werden immer routinierter. Die Angst verfliegt, die Sache macht sichtlich Spaß. Carlo fasst beim Abschlussgespräch zusammen: „Mein Auto kann viel mehr, als ich mich jemals getraut hätte!“ Er wird noch einen weiteren Kurs belegen, um zu üben, wie man im Sand fahren kann. Logisch, denn sein nächstes Ziel ist Marokko, die Wüste ruft. Marc zieht es in die entgegengesetzte Richtung, er will nach Island. Das führt zu der letzten Frage dieses Tages: Wie kommt man durch einen Fluss? Vor allem: Wie kriegt man raus, wie tief die Furt ist, wenn das Wasser eiskalt oder voller Krokodile ist? Und damit wird der Vorteil eines Gelände-Wohnmobils klar. „Ihr setzt euch erst mal in aller Ruhe hin, trinkt ein Bier und wartet,“ sagt Matze. „Beobachtet einfach den Fluss. Irgendwann wird schon ein Ortskundiger vorbeikommen, der euch zeigt, wie und wo ihr durchkommt!“