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Deutschland Fränkisch, gemütlich, romantisch

Von Andreas Steidel aus Dinkelsbühl 

Franken hat auch jenseits des Nürnberger Christkindlesmarkts Weihnachtliches zu bieten: Ein Besuch in Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und Fürth.

Nicht nur Nürnberg, auch Fürth hat ein Christkind, das sich auf dem Weihnachtsmarkt zeigt. Foto: Steidel
Nicht nur Nürnberg, auch Fürth hat ein Christkind, das sich auf dem Weihnachtsmarkt zeigt. Foto: Steidel

Rothenburg ob der Tauber

Schneeballen, nichts als Schneeballen. Helle, dunkle, süße, mit Pistazien, Krokant oder Mandeln überzogene Schneeballen. Nirgendwo schmeckt das kugelige Gebäck besser als in Rothenburg ob der Tauber, wo die Spezialität aus Mürbeteig schon seit Jahrhunderten nach alten Rezepten gebacken wird. Auf dem Weihnachtsmarkt in den verwinkelten Gassen der alten Reichsstadt Rothenburg gibt es sie in allen Farben und Varianten. Man trinkt einen Punsch oder einen weißen Glühwein dazu und taucht ein in das Ambiente der jahrhundertealten Fachwerkstadt. Schaut auf den Lichterglanz und die alten Ladenschilder, die von keiner störenden Neonreklame beeinträchtigt werden. Rothenburg ob der Tauber ist der Inbegriff des Mittelalters. Zu Tausenden strömen die Besucher aus aller Welt täglich in die Stadt an der Romantischen Straße, die mit ihren Türmen, Wehrmauern und historischen Häusern hoch über dem Taubertal thront.


In der Adventszeit übt sie einen ganz besonderen Reiz aus, kann es sein, dass die gebackenen Schneeballen plötzlich nicht nur vom Puderzucker berieselt werden, sondern von echten Schneeflocken, die über die Dächer der festlich geschmückten Buden wehen. Fast jedes Geschäft bietet hier Christbaumschmuck oder Weihnachtsengel an. Doch nirgendwo ist das Angebot größer als bei „Käthe Wohlfahrt“: Die weltbekannte Firma hat in Rothenburg ihren Hauptsitz und allein hier fünf Ladengeschäfte. Außerdem betreibt sie ein Weihnachtsmuseum, in dem man viel über die Bräuche und Traditionen des Festes lernen kann. Wenn die letzten Buden am Abend schließen, dann schlägt die Stunde des Nachtwächters Hans-Georg Baumgartner. Wie ein verwegener Landsknecht steht er vor dem Rathaus und führt die Leute durch die Dunkelheit. Jeden Tag um 21.30 Uhr macht er seine Runde, seit über 20 Jahren. Die Menschen hängen an seinen Lippen, genießen jedes einzelne seiner Worte, die er mit einem schelmischen Grinsen vorträgt. Wer den Nachtwächter verpasst hat, dem ist in Rothenburg wirklich etwas entgangen.


Dinkelsbühl

Ähnlich groß und reich an Vergangenheit wie Rothenburg ist das weiter südlich gelegene Dinkelsbühl. Auch hier reiht sich ein Fachwerkhaus an das andere, Zeugnisse einer großen alten Zeit, als Dinkelsbühl zu den bedeutenden Städten des Heiligen Römischen Reiches zählte. In dem prächtigen roten Treppengiebel-Haus gegenüber der St.-Georgs-Kirche verbrachte der berühmte Schweden-König Gustav Adolf seine letzten friedlichen Stunden. Friedlich geht es auch auf dem Weihnachtsmarkt im Innenhof der historischen Spitalanlage zu. Es riecht nach Zimt und Glühwein. Fränkische Bratwürste dampfen auf dem heißen Grill, Lichter leuchten in der Dunkelheit und leise erklingt die Melodie eines weltberühmten Weihnachtsliedes, das in Dinkelsbühl seinen Ursprung hat. Es war der Pfarrer Christoph von Schmid, der hier 1794 das Gedicht „Die Kinder bei der Krippe“ schrieb.


Später sollte es eine Melodie von Johann Abraham Peter bekommen und unter dem Titel „Ihr Kinderlein, kommet“ zu einem der beliebtesten Weihnachtslieder aller Zeiten werden. Die Geschichte des Weihnachtsliedes wird im neuen „Haus der Geschichte“ Dinkelsbühl ebenso erzählt wie das Auf und Ab der Kriege und die späte Einverleibung der freien Reichsstadt ins Königreich Bayern. Ein schmerzlicher Moment, doch auch ein Glücksfall, weil König Ludwig I. von Bayern die Altstadt vor dem Abriss bewahrt hat. So kann man heute in historischen Gemäuern wohnen und speisen: Zu den besonderen Leckereien gehört dabei der Karpfen, der aus heimischen Gewässern kommt und zur Weihnachtszeit auf fast allen Speisekarten der Dinkelsbühler Gaststätten steht.


Fürth

Verglichen mit Rothenburg und Dinkelsbühl ist Fürth eine Großstadt. Und trotzdem wirkt sie klein im Vergleich mit dem mächtigen Nachbarn Nürnberg, in dessen Schatten sie steht. Das gilt auch für den Weihnachtsmarkt, der in Nürnberg weltbekannt ist, im Falle von Fürth jenseits der Stadtgrenzen aber kaum wahrgenommen wird. Dabei hat er sich längst zu einem stattlichen Weihnachtsdorf entwickelt. Es liegt auf der sogenannten Fürther Freiheit und lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Hier gibt es sogar Sitzplätze und ruhige Ecken. Sogar ein eigenes Christkind haben die Fürther zu bieten, und die Chancen, es auch wirklich zu treffen, sind erheblich größer als bei der berühmten Konkurrenz in Nürnberg. Wer entlang der Fürther Buden bummelt, der erlebt dort viele Überraschungen: Eine von ihnen ist die Begegnung mit den vom Fernsehen bekannten Komikern Volker Heissmann und Martin Rassau (Waltraud und Mariechen), die sich dort regelmäßig unters Volks mischen. Ja, es kann auch richtig heiß hergehen auf dem Fürther Weihnachtsmarkt: Seit fünf Jahren ist ihm ein kleiner Mittelaltermarkt angegliedert, auf dem regelmäßig Feuerkünstler ihre furiosen Kunststücke darbieten.