Deutschland im Daviscup Ohne Alexander Zverev – aber mit Teamgeist
Die deutsche Daviscup-Mannschaft muss mal wieder ohne ihren Star Alexander auskommen, und das ausgerechnet gegen die Serben um Novak Djokovic.
Die deutsche Daviscup-Mannschaft muss mal wieder ohne ihren Star Alexander auskommen, und das ausgerechnet gegen die Serben um Novak Djokovic.
Stuttgart - Erst wurde er Olympiasieger, dann krönte er seine beste Saison als Gewinner der ATP-Weltmeisterschaft – da darf man sich schon mal eine Pause gönnen. Der Tennisspieler Alexander Zverev verbringt schöne Tage mit seiner Freundin Sophia Thomalla auf den Malediven. Das neue Traumpaar der deutschen Tratsch- und Klatschszene genießt das Leben in vollen Zügen. Der Lohn dafür, dass die sportliche Bilanz stimmt – wie auch das private Glück.
Seinen Kollegen des deutschen Daviscup-Teams begegnet Zverev dagegen mit Liebesentzug. Die Mannschaft um Jan-Lennard Struff muss an diesem Samstag (16 Uhr) im Daviscup ran – ohne den Superstar. In einer schmucklosen Innsbrucker Halle ohne Zuschauer muss sich die Truppe zum Auftakt den Serben um den bärenstarken Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic stellen, danach geht es im zweiten Gruppenspiel gegen die Gastgeber aus Österreich. Schwere Aufgaben, die es ohne Zverev zu bewerkstelligen gilt. Es ist nicht das erste Mal, dass der gebürtige Hamburger russischer Herkunft auf das Nationalteam regelrecht pfeift.
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Nur diesmal kann er es offenbar leichter begründen als sonst. Zverev war einer der größten Kritiker des neuen Modus’, wonach die Daviscup-Spiele nicht mehr über das Jahr verteilt werden, die Trophäe stattdessen am Saisonende an ein und demselben Ort in Form eines Turniers ausgespielt wird. Flankiert in seiner Sichtweise wird der beste deutsche Tennisspieler von prominenter Stelle. Die aus Leimen stammende Ikone Boris Becker hat vollstes Verständnis für ihren Nachfahren auf dem deutschen Tennisthron. „Der Plan ist irrsinnig, gerade für die Topspieler“, sagte der 54 Jahre alte Ex-Spieler im Hinblick auf die Strapazen nach einer mit Terminen vollgestopften Saison.
Für Novak Djokovic gilt das nicht. Auch er wird langsam am Ende seiner Kräfte sein, doch für Serbien zu spielen ist ihm eine Ehre und gewissermaßen auch eine Pflicht. Zverevs neuerliches Absagen mutet ohnehin seltsam an vor dem Hintergrund, dass er nach seinem Olympiasieg emotional und verbal aus dem Vollen schöpfte mit dem Satz: „Ich habe für ganz Deutschland gespielt.“ Das schien die positive Wende zu sein in einer komplizierten Beziehung zwischen den Deutschen und ihrem besten Tennisspieler, der aktuell die Nummer drei der Welt ist. Zuvor wurde Zverev eine unterkühlte und empathielose Sicht auf Deutschland attestiert, auch von Arroganz war die Rede. Dass sein erster Manager Patricio Apey sich einen Sport daraus machte, den Tennisstar den deutschen Medienvertretern vorzuenthalten und Turnierveranstalter zu brüskieren, machte das Bild von Zverev im eigenen Land nicht besser.
Den schönen Worten nach dem Olympiasieg folgt nun wieder die Ernüchterung. Zverev scheint sich zu verstecken hinter seiner Aversion gegen das neue Daviscup-Format, es dient ihm wohl als Argumentationshilfe für die Absage. Nun müssen es Jan-Lennard Struff, Dominik Koepfer, Peter Gojowczyk sowie die Doppelspieler Kevin Krawietz und Tim Pütz eben ohne ihn richten.
Der deutsche Daviscup-Kapitän Michael Kohlmann macht aus der Not eine Tugend und setzt auf den Teamgeist. Ein ganz besonderer Spirit könne seiner Ansicht nach viel bewirken. „Damit kann man etwas Besonderes aus den Spielern rauskitzeln“, sagt Kohlmann. Und: „Die Jungs sollen es lieben, für ihr Land zu spielen.“
So steht das Ziel freilich fest. „Wir wollen uns für die K.-o.-Runde qualifizieren, ob als Erster oder Zweiter ist erst mal egal“, sagt Kohlmann, der seinen Männern rät, keine Angst vor Novak Djokovic zu haben. Anspruch solle es sein, auch ihn zu bezwingen, und das müsse einfach in die Köpfe seiner Spieler hinein. „Auch ein Djokovic ist schlagbar“, bekräftigt der Kapitän.
Aber wie? Alexander Zverev, der den Serben in diesem Jahr bereits zweimal besiegt hatte, der hat darauf natürlich eine Antwort – und er gab sie auch. „Ich habe ihn nach ein paar Tipps gefragt“, sagte Jan-Lennard Struff, „es hat sich auf jeden Fall gut angehört.“ Mit welchen Mitteln die Serben um Djokovic aufzuhalten sind, machte Struff allerdings zum Betriebsgeheimnis. Sollte es klappen, hat Alexander Zverev immerhin einen minimalen Anteil am Erfolg – und darf auf den Malediven das Glas erheben.