Deutschlands bestes Bacio-Eis Eis-Frau aus Weil der Stadt holt Titel – und fährt künftig eine knallrote Vespa

, aktualisiert am 27.02.2026 - 14:48 Uhr
Im Café da Luana in Weil der Stadt bietet Antonella Leitao rund 30 Sorten Eis an – darunter ihr preisgekröntes Bacio-Eis. Foto: Geronimo Schmidt

Antonella Leitao aus Weil der Stadt gelingt beim von Männer dominierten „Gelatissimo“-Wettbewerb ein großer Triumph. Was macht ihr preisgekröntes Bacio-Eis so unwiderstehlich?

Das Bacio d’autore, den herrlich cremigen, süßkalten Kuss von Antonella Leitao, kann man sich auf der Zunge zergehen lassen – im Café da Luana in Weil der Stadt. Die knallrote Vespa, die die Eismacherin als Preis für ihre ausgezeichnete Kreation bekommen hat, steht aber noch daheim im Winterquartier. Aber im März soll der Roller, der so typisch für Italiens Straßen ist, auch in hier unterwegs sein.

 

Die Eismacherin, die mit ihrer Gelateria seit inzwischen zwei Jahren am Viehmarkt angesiedelt ist, hat auf der Fachmesse „Gelatissimo“, die im Rahmen der „Intergastra“ in Stuttgart stattfand, beim Wettbewerb um das beste Eis der Sorte Bacio den ersten Preis mit der höchsten Punktzahl bekommen.

Seit wenigen Tagen ist das Eiscafé aus der kurzen Winterpause zurückgekehrt. Und was verlangt die Kundschaft in der kalten Jahreszeit am häufigsten? „Ganz klar das Bacio-Eis“, sagte die Eismacherin und strahlt dabei. Kein Wunder für sie, steckt es doch voller Schokolade und aromatischer Haselnüsse aus dem Piemont. „Wir nehmen nur diese Nüsse, das sind die besten“, beschreibt Antonella Leitao die kleinen Kugeln.

Bei „Intergastro“ siegreiches Bacio-Eis aus Weil der Stadt folgt Familientradition

Die Baci, die süßen Küsse, gibt es in Italien überall zu kaufen, in Form kleiner Pralinen mit einem Herz aus Nüssen. Sie sind das Vorbild für das Bacio-Eis, eine traditionelle italienische Eissorte. „Schon Mitte der 1980er Jahre hat mein Vater in Italien Bacio-Eis gemacht“, sagt die Tochter einer Eismacherfamilie, die zusammen mit ihrem Mann Luis seit vielen Jahren in Sachen Eis tätig ist. Sie entwickle die Rezepte und kaufe die Zutaten ein, ihr Mann stelle das Eis her, beschreibt sie das Teamwork.

Stolz trägt Antonella Leitao ihre „Gelatissimo“-Medaille für das beste Bacio-Eis um den Hals. Foto: Geronimo Schmidt

Auf die „Gelatissimo“, die größte Eis-Fachmesse außerhalb Italiens, gehe sie zwar schon seit Jahren, bislang aber nur zum Einkaufen. Dort werden neue Maschinen und Zutaten gezeigt, „alles, was man zum Eismachen eben braucht“. Am Wettbewerb, bei dem man sich auch für ein Bergamotte- oder ein Tiramisu-Eis anmelden konnte, habe sie dort jetzt zum ersten Mal teilgenommen, sagt die 49-Jährige. „Für den ‚Gelatissimo-Cup‘ habe ich vorher viel geübt. Das Bacio-Eis habe ich viermal in meiner eigenen Eisküche gemacht, bis ich zufrieden war“, erzählt sie von der Vorbereitung auf den großen Tag. „Eis ist schwer zu balancieren“, erklärt die Gelataia, die Eismacherin. Denn es soll eine seidige Textur haben, cremig sein und nicht zu kalt im Mund, kurz: Die Konsistenz muss stimmen und der Geschmack sowieso.

Zucker und Kakao werden gemischt, Sahne und Milch kommen dazu und natürlich die gerösteten Haselnüsse. Alles wird minutenlang gut gemixt. „Ich habe mein Rezept aufs Gramm genau gemacht, die Zutatenmengen müssen exakt sein, sonst kommt es nicht so raus, wie man es möchte.“

Für den Wettbewerb auf der Fachmesse bringen die Teilnehmer ihre Zutaten selbst mit. Sie haben 45 Minuten lang Zeit, um drei Kilogramm Eis herzustellen. Das Bacio-Eis von Antonella Leitao ist so gut gelungen, dass es auch der fünfköpfigen Fachjury aus Italien bestens gemundet hat. Dabei war die internationale Konkurrenz groß. „Wir waren 18 Teilnehmer, darunter 16 Männer“, erzählt sie. Eismachen sei immer noch weitgehend Männersache. „Aber in diesem Jahr haben Frauen alle drei Wettbewerbe gewonnen“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Moderiert wurde der „Gelatissimo-Cup“ übrigens unter anderem von Dario Fontanella. Der Mannheimer gilt als der Erfinder des Spaghetti-Eises.

Die Eisdiele in Weil der Stadt gibt es schon seit 16 Jahren

Die Weil der Städter Eismacherin ist überzeugt davon, dass es für richtig gutes Gelato nicht nur handwerkliche Fähigkeiten und einen hervorragenden Geschmackssinn braucht, sondern auch beste Zutaten. Die seien zwar teurer, sagt die Geschäftsfrau, aber dafür habe man Kunden, die immer wieder kommen. „Wir sind jetzt seit 16 Jahren in Weil der Stadt mit einer Eisdiele vertreten. Wir sehen unsere Kunden aufwachsen“, erzählt sie. Die strahlenden Augen der Kinder, wenn sie eine Kugel Eis über die Theke gereicht bekommen, berührten sie nach all den Jahren immer wieder aufs Neue.

Der Ganzjahresfavorit unter den 30 Sorten, die in den wärmeren Monaten in der Kühltheke zur Auswahl stehen, sei eindeutig das Kepler-Eis aus weißer Schokolade, Haselnuss-Soße und mit Neapolitaner-Waffelstückchen. Auch das ist eine bereits ausgezeichnete Kreation der jetzt wieder preisgekrönten Gelataia.

Damit Antonella Leitao in puncto Wettbewerb nicht aus der Übung kommt, hat sie sich zum „Gelato Gran Prix“ Deutschland Mitte März in Erfurt angemeldet. Dort will sie mit ihrem Schokoladeneis punkten. Als erster Preis winkt wieder ein Fortbewegungsmittel – ein roter Ferrari.

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