Deutschlands „schönster Wanderweg“ Der Himmelssteig: Eine Runde Schwarzwald pur

Bank im Grünen: Der Himmelssteig bietet dem Wanderer lauschige Ruheplätze. Foto: Graubner 47 Bilder
Bank im Grünen: Der Himmelssteig bietet dem Wanderer lauschige Ruheplätze. Foto: Graubner

Wald, Wiese und kein Wagnis: Der von einem Fachmagazin ausgezeichnete Himmelssteig ist ein Rundweg, bei dem die Oberschenkel nicht allzu sehr brennen.

Region: Hans-Joachim Graubner (hjg)
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Bad Peterstal - Der Himmel im Schwarzwald hängt manchmal tief. Auf dem Himmelssteig bei Bad Peterstal-Griesbach (Ortenaukreis) ist es dann nicht weit bis in das feuchte Grau, das zwischen den sich dunkel abzeichnenden Fichten und Kiefern steht. Schwarzwald halt, trist und düster, sagen die einen. Doch ist es sonnig und heiß, dann schätzen Wanderer die Kühle seiner Höhen und Täler. Und der Himmelssteig – 10,5 Kilometer lang, 533 Höhenmeter in Häppchen rauf und runter – ist eine Tour, die sich für Sommertage ganz besonders empfiehlt, denn fast über die gesamte Distanz bleibt man im Schatten hoher Wipfel.

Dies ist wohl eines der Merkmale, die die Leser des „Wandermagazins“ schätzen. Rund 10 000 von ihnen – 36 Prozent der Teilnehmer –haben in diesem Jahr den Himmelsteig bei der Publikumswahl „Deutschlands schönste Wanderwege“ in der Kategorie „Tagestouren“ auf den ersten Platz gehoben. Ein weiterer Erfolg für den Tourismus im Südwesten, war doch 2016 der Wasserfallsteig in Bad Urach der Gewinner. Platz zwei und drei, das der Vollständigkeit halber, sind heuer die Traumschleife Land-Zeit-Tour im Hunsrück (Rheinland-Pfalz) und der Point-Alpha-Weg in der Rhön (Hessen).

Eine Mahnung am Straßenrand

Dem Aufstieg, diese Abschweifung ist angesichts der Verrohung der Sitten geradezu Pflicht, geht ein denkwürdiger Abstieg voraus. Vom Kniebis her kurvt man nach Bad Peterstal hinunter. In einer Kehre überraschend ein wuchtiger Stein, der daran erinnert, wohin es führt, wenn die politische Kultur über die Klinge springt: Dort, kurz vor Bad Griesbach, wurde 1921 der Reichsfinanzminister und Zentrums-Politiker Matthias Erzberger auf einem Spaziergang erschossen – von Rechtsradikalen, denen der politische Gegner nichts wert ist.

Das Unbehagen lastet ein wenig auf der Stimmung – bis es drunten im Zentrum der kleinen Kurstadt Bad Peterstal dem Ringen um Orientierung weicht. Man nimmt die Abzweigung in Richtung Freiersbach, folgt der Straße bis zum Freibad und biegt dort nach links auf den Wanderparkplatz ein. Von nun an geht es in die Höhe, zu Fuß und selbstredend in festem Schuhwerk mit Profil, denn der Pfad kann rutschig sein. Entscheidet man sich dafür, die Tour im Uhrzeigersinn anzugehen, steigt man zunächst ein wenig auf, folgt einem Sträßchen am Sportplatz vorbei, bevor es scharf rechts erstmal einen etwas steileren Waldweg hinaufgeht. Immer wieder sieht man drunten die Kurstadt liegen, später auch den Ortsteil Griesbach. Am Berg gegenüber krallen sich Gebäude an einen grünen Hang, einst oder vielleicht auch heute noch Gehöfte mit tiefgezogenen Dächern. Dann hat der Schwarzwald mit seinen Bäumen, Farnen, Büschen den Wanderer. Da fließt ein Rinnsal über roten Sandstein, dort zeigt sich noch eine späte herbstliche Blüte – einige Kilometer weit ist Ruh’.

Kühle Getränke im Wassertrog

Nach gut einer Stunde öffnet sich der Wald, man tritt hinaus auf eine Wiese und gelangt über eine Schafweide in die Nähe eines Gehöfts, das durch eine Besonderheit auf sich aufmerksam macht: Die Bauersleute haben Getränkekisten hinauf zum Weg geschafft und in einem gefüllten Wassertrog am Wegesrand kalt gestellt. Daneben hängt eine kleine Kasse, die als Gegenleistung für das Getränk auf eine „Spende“ wartet. Auf solche Erfrischungsstationen stößt man auch später noch, ein Hof bietet gerade auch Kürbisse an, ein anderer, am Holchenwasserfall, sogar Zwetschgenschnaps, Kräuterlikör und Honig.

Doch zunächst passiert man ein Wildgehege und einen weiteren Hof, dann verläuft der Himmelsteig parallel zu einem asphaltierten Wirtschaftsweg – eine Führung, die allein der Abenteuerlust von Kindern geschuldet zu sein scheint. Wer Stolperfallen meiden möchte, sollte den Meter bis zum festen Boden hinuntersteigen und auf dem Wirtschaftsweg weitergehen, in den wenig später ohnehin der schmale Pfad mündet. Dann nimmt der Wald den Wanderer wieder auf, und nach einem steilen Abstieg entlang eines Bachs – Vorsicht, Rutschgefahr bei Nässe – geht es wieder hinauf. Unvermittelt ragt ein Fels drei, vier Meter in der Höhe: der Paradiesfels, ein schöner Aussichtsplatz auf den Paradieshof unterhalb. Von dort geht es hinab zum Holchenwasserfall, einem der wenigen echten Höhepunkte des Himmelsteigs. Wer eine Flasche kühler Limonade möchte, kann sich dort gegen eine Spende wieder aus dem Wassertrog bedienen. Daneben steht der Zwetschgenschnaps zum Verkauf.

Bleibt noch der Himmelsfels

Der Rest des sehr gut ausgeschilderten Himmelsteigs – zwei Drittel hat man nun hinter sich – hat noch als weiteren Höhepunkt der Tour den Himmelsfelsen zu bieten. Dann geht es auf geringer Höhe parallel zur Straße weiter, nur wenige Meter unterhalb brummen Autos. Der letzte Teil des Rundwegs verläuft an Wiesen entlang, der Blick auf die gegenüberliegenden Hänge ist dann frei. Und nach rund drei Stunden – der Wanderführer der Schwarzwald-Tourismus-Gesellschaft setzt viereinhalb an – ist der Ausgangspunkt wieder erreicht. Das Fazit: Tüchtige Wanderer stellt der Himmelssteig vor keine Herausforderungen. Natürlich gibt es Anstiege, auf denen die Oberschenkel ein wenig brennen können. Doch der Rundweg, so die persönliche Einschätzung, ist familientauglich.

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