DFB Cher Ami Michel und andere Problemfälle

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Der Deutsche Fußball-Bund muss nicht nur seine Beziehung zum gesperrten Uefa-Präsidenten Michel Platini ganz neu ausrichten. Eine Leitfunktion innerhalb der Fifa sollte außerdem das Ziel sein.

Bis vor Kurzem ganz dicke Kumpels: Wolfgang Niersbach und Michel Platini (r.) Foto:  
Bis vor Kurzem ganz dicke Kumpels: Wolfgang Niersbach und Michel Platini (r.) Foto:  

Stuttgart - Michel Platini hat dem Deutschen Fußball-Bund immer gerne einen Besuch abgestattet. Er war ja auch jedes Mal der Stargast – zum Beispiel beim letzten DFB-Bundestag in Nürnberg. Dort saß der Präsident der Europäischen Fußball-Union Uefa natürlich in der ersten Reihe, nachdem er vom DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach erst persönlich mit Umarmung und vom Podium aus als „mon cher ami“ begrüßt wurde.

Der liebe Freund wurde nun allerdings auf Antrag der Fifa-Ethikkommission zusammen mit Joseph Blatter für 90 Tage gesperrt, weil Platini zwei Millionen Schweizer Franken vom Weltverbandschef angenommen hat. Beide haben gegen die Suspendierung Einspruch eingelegt.

Vermutlich gab es das Geld als Dankeschön dafür, dass der Franzose 2011 nicht zur Fifa-Präsidentenwahl angetreten war. Stattdessen sollte Platini den Schweizer nun im Februar beerben dürfen. Bei diesem Vorhaben unterstützte Wolfgang Niersbach den Freund nach Kräften, schließlich versprach sich der DFB davon Vorteile, etwa bei der Vergabe von Großveranstaltungen. Außerdem durfte sich Niersbach zuletzt große Hoffnungen auf die Platini-Nachfolge bei der Uefa machen. Im Umgang mit Michel Platini waren Wolfgang Niersbach und der DFB auch immer auf den eigenen Vorteil bedacht.

Der DFB wird an seine Pflichten erinnert

Nach dem Fifa-Beben von Zürich mit der Sperre für Platini spricht Niersbach nun von einem „Super-GAU“ und geht auf Distanz zum bisherigen Intimus: „Michel Platini soll Dinge ins Feld führen, die ihn entlasten“, heißt es jetzt trocken.

Aus dem so gut wie feststehenden Fifa-Präsidenten Michel Platini wird nun wohl doch nichts. Was für Wolfgang Niersbach und den DFB eine komplette Neuorientierung bedeutet. In dieser Findungsphase wird der deutsche Verband an seine Pflichten erinnert. „Der DFB muss jetzt seiner Leitfunktion gerecht werden“, sagt der ehemalige Fifa-Mediendirektor Guido Tognoni, ein profunder Kenner und Kritiker der Machtspiele im Fußball, die auch der DFB mitgemacht hat. „Es ist interessant zu sehen, wie die großen Fußballverbände dastehen und zuschauen, wie die Fifa zerfällt. Ich erwarte eigentlich vom deutschen Weltmeisterverband, vom Gründungsverband der Fifa, vom weltgrößten Verband, dass er jetzt die Fahne hochhält und nicht wartet bis Mosambik oder Westsamoa etwas unternimmt“, so Tognoni im Deutschlandfunk.

Wo ist der unverdächtige Blatter-Nachfolger?

Aber nicht nur Tognoni sieht es als zwingend notwendig an, dass der DFB beim Neuaufbau der Fifa ganz entscheidend mithilft und nicht nach dem alten Verbandsstrickmuster „Hilfst du mir, helf’ ich Dir“ verfährt. Alte Seilschaften, diese Forderung unterstützt unter anderem der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD), sollen jetzt gekappt werden. Am besten mit einem unverdächtigen Blatter-Nachfolger von außen, der dann im Februar zum Fifa-Chef gewählt werden soll.

Doch natürlich hat Sepp Blatter auch noch seine Finger im Spiel. Offenbar ist er intensiv auf der Suche nach seinem Nachfolger, der ihm dann einen schönen Abschied und ein Ehrenamt verschaffen soll. Favorit ist allerdings der Südafrikaner Tokyo Sexwale, der innerhalb der Fifa als unbelastet eingestuft wird – im Moment.