DFB-Debütant in Stuttgart Das war der erfrischende Auftritt von Robin Gosens

Starke Premiere, bitteres Ende: Robin Gosens ist frustriert. Foto: imago/Eibner
Starke Premiere, bitteres Ende: Robin Gosens ist frustriert. Foto: imago/Eibner

Senkrechtstarter Robin Gosens legt in Stuttgart beim Nations-League-Spiel gegen Spanien ein beherztes, mutiges und fast fehlerfreies Debüt hin.

Sport: Marco Seliger (sem)

Stuttgart - Robin Gosens (26) ging auf die Knie und wollte Gutes bezwecken. Als die Nachspielzeit lief im Nations-League-Spiel gegen Spanien in Stuttgart (1:1), da verharrte der Debütant der DFB-Elf unmittelbar vor dem Ausgleich der Spanier hinter der Torauslinie und schaute dem Treiben im Strafraum zu. Ein paar Augenblicke später gab es die ungewollte Fortbildung für den Senkrechtstarter von Atalanta Bergamo. „Ich habe auf jeden Fall wieder etwas gelernt“, sagte der Linksverteidiger hinterher: „Ich dachte, wenn ich hinter der Grundlinie bin, bin ich nicht mehr Teil des Spiels. Aber scheinbar ist das der Fall.“

Gosens also hatte beim Ausgleich aus Unwissenheit das Abseits aufgehoben: Nach einer Grätsche war er hinter der Linie geblieben, was ihn gemäß der Regeln aber nicht aus dem Spiel nahm. Die Abseitsfalle seiner Kollegen war wirkungslos.

Wer nun aber glaubte, dass irgendwer aus dem Kollegenkreis Gosens zum Sündenbock machen wollte, der täuschte sich gewaltig. Denn dazu gab es auch keinen Grund, vom Fauxpas zum Schluss vielleicht abgesehen. Gosens war es, der das 1:0 durch Timo Werner mit einer genauen Hereingabe vorbereitet hatte. Und Gosens war es, dem ein beherztes, mutiges und fast fehlerfreies Debüt gelungen war.

Gelebte Unbekümmertheit

Und hinterher, da gab es Gosens pur zu erleben. Der Defensivmann ist die gelebte Unbekümmertheit, was sich nun auch in seinen Aussagen nach dem Spiel in Stuttgart zeigte. „Es geht mir ordentlich auf den Zünder, dass wir in der letzten Sekunde noch dieses Eier-Gegentor bekommen“, sagte Gosens also. Auf der anderen Seite sei er wegen seines Debüts „ultra happy“. Und dann, als sein erstes TV-Interview als Nationalspieler beendet war, musste nicht wie sonst üblich der Moderator die Verabschiedung übernehmen. Das übernahm Gosens, offenbar gut erzogen und mit den Star-Gepflogenheiten der Profibranche noch nicht vertraut, selbst. „Danke vielmals“, sagte Gosens. Dann nickte er höflich.

Die Geschichte des in Emmerich am Rhein geborenen Kickers also hat nun nach dem Debüt den vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dabei hätte der Sohn eines Niederländers und einer Deutschen auch die Chance gehabt, für „Oranje“ aufzulaufen. Wie nun bekannt wurde, hatte der damalige Bondscoach Ronald Koeman vor Joachim Löw angerufen. Doch für Gosens, der in Deutschland aufgewachsen ist, war die Elftal keine Option.

Als Löw dann anrief, war er im Urlaub in den Dolomiten unterwegs und steuerte auf einen Tunnel zu. Gosens fuhr auf den Standstreifen. Nach dem Telefonat habe er „beschleunigt und im Tunnel vor Freude alles und jeden angehupt“.

Bekennender Schalke-Fan

Klar ist: Für Gosens ist sein Debüt in der Nationalelf noch immer schwer zu begreifen. Denn zu seiner Zeit in den Niederlanden, wohin er 2012 vom VfL Rhede gewechselt war und in Arnheim, Dordrecht und Almelo spielte, sei „die Nationalelf utopisch weit weg“ gewesen. Doch der bekennende Fan des FC Schalke steigerte sich und landete 2017 in Bergamo, wo er in der abgelaufenen Saison die Serie A und die Champions League aufmischte.

So etwas macht selbstbewusst – weshalb Gosens eine künftige Zusammenarbeit mit Koeman nicht ausschließen will. Der ist inzwischen Trainer beim FC Barcelona. Koeman, sagt Gosens nun mit Blick auf seine erste Absage, könne ihn gerne zu Barca holen: „Das wäre in meinen Augen ein guter Kompromiss.“




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