DFB-Pokal Blaues Wunder aus Neckarsulm

Von Johannes Nedo 

Der Fußball-Sechstligist Neckarsulmer Sport-Union aus der Nähe von Heilbronn bestreitet im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern das größte Spiel der Vereinsgeschichte.

Der Neckarsulmer Spielertrainer Timo Böttjer kennt sich mit Pokalsensationen aus. Foto: StZ
Der Neckarsulmer Spielertrainer Timo Böttjer kennt sich mit Pokalsensationen aus. Foto: StZ

Neckarsulm - Sogar Brockmaster B ist begeistert. Voller Euphorie hat er eine Hymne auf die Neckarsulmer Sport-Union geschrieben. Brockmaster B ist ein Rapper. Neckarsulm ist seine Hood, wie das so schön im Hip-Hop-Sprech heißt, seine Heimatstadt. Wenn in der Hood etwas Großes ansteht, müssen alle zusammenhalten. Deshalb appelliert Brockmaster B in seinem Lied an die Neckarsulmer Fußballer: „Es ist wie ein Traum, Mann. Wir sind im DFB-Pokal! (. . .) Geht da raus, macht was draus, alles and’re geht nicht!“

„Blaues Wunder“ hat er den Song getauft, ein Wortspiel als Hinweis auf die Vereinsfarben, einerseits. Aber Brockmaster B hat sich mit der Umschreibung Wunder für den Verein aus der 25 000-Einwohner-Stadt bei Heilbronn noch mehr gedacht. In der ersten Runde des DFB-Pokals, die bereits heute mit drei Partien beginnt, ist die Sport-Union der einzige Verbandsligist – kein anderer teilnehmender Club spielt unterklassiger als der Aufsteiger in die sechste Liga. Am Samstag (15.30 Uhr) steht für die Neckarsulmer also die größte Partie der Vereinsgeschichte an. Gegner ist der traditionsreiche Zweitligist 1. FC Kaiserslautern. Im Heilbronner Frankenstadion, in das der Club umzieht, werden 10 000 Zuschauer erwartet. „Das wird das Spiel unseres Lebens“, sagt Marco Merz. „Solch eine Bühne hatten wir vorher noch nie, und die wird es wohl auch nie wieder geben.“

Die Amateure träumen von einer weiteren Überraschung

Merz ist hauptberuflich Lehrer und nebenbei Neckarsulms Sportdirektor. Dass derzeit Ferien sind, läuft ihm perfekt rein. Der 41-Jährige hetzt von einem Termin zum anderen. Am Donnerstag beim Abschlusstraining der Mannschaft in Heilbronn gab er Fernsehinterviews, zuvor musste er noch die 20 einheitlichen Spielbälle abholen („In der Verbandsliga haben wir höchstens vier – und die müssen auch nicht alle vom gleichen Ausstatter sein“) und natürlich die besonderen Trikots. Extra für die Partie gegen Kaiserslautern hat die Sport-Union sie geordert – auf ihnen stehen hinten über der Nummer sogar die Namen der Spieler, und vorne klein auf der Brust die Daten der Begegnung. „So wie beim Champions-League-Finale“, sagt Merz stolz. Und dann sprudelt es aus ihm heraus: „Dass wir im DFB-Pokal dabei sind, ist die Megasensation schlechthin.“

Der Weg der Neckarsulmer in die erste Hauptrunde hatte tatsächlich etwas Wundersames. Im Halbfinale des WFV-Pokals der vergangenen Saison warfen sie den drei Klassen höheren Regionalligisten SSV Ulm im Elfmeterschießen raus. Im Endspiel unterlag der damalige Siebtligist zwar dem 1. FC Heidenheim (dritte Liga) mit 1:3, profitierte dann aber davon, dass Dynamo Dresden wegen Fankrawallen vom DFB-Pokal ausgeschlossen wurde.

Nun träumen die Amateure, bei denen unter anderen ein Zimmermann und ein Software-Entwickler im Kader stehen, von einem weiteren Wunder. Die Hoffnungen ruhen dabei zum einen auf dem Stürmer Sinan Andic, der 23 Treffer in 26 Ligaspielen erzielte. Aber besonders auf dem Spielertrainer Timo Böttjer. Der 34-Jährige war in seiner Karriere nämlich schon an einer Pokalüberraschung beteiligt. 2003 besiegte er mit den damals drittklassigen Hoffenheimern Bayer Leverkusen 3:2 im Achtelfinale. „In Sachen Motivation muss ich nicht wirklich viel tun“, sagt Böttjer. Aber auf die Hilfe von Brockmaster B wird er dennoch zurückgreifen. Vor dem Spiel gilt laut Böttjer: „CD rein und aufgedreht das Teil!“




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