DHB feuert Handball-Bundestrainer Das Prokop-Aus – auch ein Verlust an Glaubwürdigkeit

Bob Hanning (li.) holte Christian Prokop einst zum DHB – nun feuerte er den Bundestrainer. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Der neue Mann ist ein Coach mit Erfahrung und Renommee. Der Wechsel von Christian Prokop zu Alfred Gislason auf der Position des Handball-Bundestrainers hat dennoch eine mehr als fragwürdige Note, kommentiert unser Experte Jürgen Frey.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Stuttgart - Der Handball rühmt sich ja oft und auch zurecht, sich in gewissen Aspekten vom großen Bruder Fußball wohltuend abzuheben. Die Spieler seien nahbarer, weniger wehleidig, viele Funktionäre hemdsärmelig und gerade heraus. Doch der Trainerrauswurf von Christian Prokop bedeutet für den Deutschen Handballbund (DHB) vor allem eines: Einen großen Verlust an Glaubwürdigkeit.

 

Während der EM dem Bundestrainer eine Jobgarantie auszusprechen und ihn dann – zumal nach drei aufeinanderfolgenden Siegen – Tage nach den Titelkämpfen trotzdem zu feuern, ist mehr als nur ein fragwürdiges Vorgehen. Unabhängig davon, was seitdem hinter den Kulissen alles passiert ist. Und diese Vorgehensweise stellt auch Fragen nach der Zukunft der sportlichen Führungsetage um Axel Kromer und vor allem Bob Hanning, der die teure Inthronisierung des Novizen Prokop einst im Alleingang durchgesetzt hatte.

Ein Nachfolger mit Erfahrung und Renommee

Offenbar haben die Macher kalte Füße bekommen – und es Prokop doch nicht zugetraut, die Nationalmannschaft erfolgreich durch das Olympia-Qualifikationsturnier im April in Berlin zu führen. Zu viel hängt am Ticket für die Sommerspiele in Tokio, in der sich die Sportart im größtmöglichen Schaufenster präsentieren kann.

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In Anbetracht von Prokops bisher ernüchternder Bilanz lässt sich die Trennung aus rein sportlichen Gründen durchaus nachvollziehen. Auch wenn zuletzt beim THW Kiel nicht mehr alles optimal lief, der Nachfolger Alfred Gislason bringt alle Voraussetzungen mit: Erfahrung, internationales Renommee, Titelgewinne, Selbstbewusstsein, Charisma. Der 60-Jährige genießt hohen Respekt bei den Spielern. Nebenkriegsschauplätze wird es in den kommenden Wochen nicht geben. Auch deshalb sind mit ihm als Trainer die Chancen, das Olympia-Qualifikations-Turnier erfolgreich zu bestreiten, gestiegen. Gislason, das ist anzunehmen, wird das Maximale aus der Mannschaft herausholen und könnte so erfolgreich sein wie sein isländischer Landsmann und Prokop-Vorgänger Dagur Sigurdsson.

Das klingt nach rosigen Aussichten – ändert aber rein gar nichts am Verlust der Glaubwürdigkeit.

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