Vier Spielerinnen mit Vergangenheit in Württemberg (v. li. oben im Uhrzeigersinn): Lena Degenhardt (HSG Bensheim-Auerach), Jana Scheib (Thüringer HC), Nicole Roth (HSG Blomberg-Lippe), Sarah Wachter (Borussia Dortmund). Foto: /wolf-sportfoto/Timo Peters/Christian Heilwagen/HMB-Media
Ohne ein Team der Region geht’s am Wochenende beim Final Four der Frauen in Stuttgart um den DHB-Pokal. Dafür sind vier interessante Handballerinnen mit Bezug zu Württemberg am Ball.
HSG Bensheim/Auerbach – Thüringer HC (16.30 Uhr) und Borussia Dortmund – HSG Blomberg-Lippe (19 Uhr/beide DF1 live) lauten an diesem Samstag in der Stuttgarter Porsche-Arena die Halbfinalspiele um den DHB-Pokal der Frauen. Wir haben von jedem Team eine Handballerin mit schwäbischem Bezug herausgepickt.
Jana Scheib (Thüringer HC) Wenn es eine Spielerin der vier Halbfinalisten gibt, die ganz besonders positive Erinnerungen an ein Final Four in Stuttgart hat, dann ist das Jana Scheib. 2024 holte sie mit der TuS Metzingen in der Porsche-Arena völlig überraschend den DHB-Pokal-Titel gegen das Starensemble der SG BBM Bietigheim. Beim 30:28 im Finale legte sie mit neun Toren einen überragenden Auftritt hin – und besiegelte damit die erste Bietigheimer Niederlage auf nationaler Ebene nach über drei Jahren. „Ich hoffe sehr, dass Jana so ein Wochenende wiederholen kann“, sagt ihr Coach Herbert Müller und lobt den Neuzugang vom vergangenen Sommer: „Jana entwickelt sich immer besser und versucht, als Führungsspielerin mit ihrem Elan und Kampfgeist die Mannschaft mitzureißen.“
Jana Scheib setzt sich aus dem Rückraum durch. Foto: imago/Eibner
Jana Scheib kam in Ludwigsburg zur Welt, spielte in der Jugend erst beim TV Oppenweiler, von 2011 bis 2019 dann bei der SG BBM, bevor sie bei den Bad Wildungen Vipers zur Bundesligaspielern gereift ist. Dass sie dem Auftritt in Stuttgart ganz besonders entgegenfiebert, daran lässt sie selbst keinerlei Zweifel: „Schon als kleines Kind war ich mit meinem Opa hier in der Porsche-Arena und habe zu ihm gesagt: Hier will ich auch mal spielen.“ Nur allzu gerne würde sie mit dem aktuellen Bundesliga-Vierten und European-League-Viertelfinalisten Thüringer HC am Sonntag (16.30 Uhr/DF1 live) im Finale ihren Titelgewinn von 2024 wiederholen. Der Pokalsieg mit den TusSies war ihr bisher größter Erfolg – neben der Goldmedaille bei der U-17-EM 2017 in der Slowakei.
Lena Degenhardt (HSG Benheim-Auerbach) Nach zwei Jahren bei Borussia Dortmund wollte die Rückraumspielerin bei HB Ludwigsburg richtig durchstarten. Doch die Insolvenz des Double-Siegers im vergangenen Sommer durchkreuzte die Pläne der 26-Jährigen. Kurzfristig und zwangsläufig. Bei dem aktuellen Bundesligadritten HSG Bensheim-Auerbach fand die aus Straßberg (Zollernalbkreis) stammende Rechtshänderin schnell eine attraktive Alternative. „Lena bringt Dynamik, Durchsetzungskraft und Präsenz in unseren Rückraum und verleiht unserem Offensivspiel Struktur“, lobt sie ihre Trainerin Ilka Fickinger, die aber nicht verhehlt: „Lena hatte Anlaufschwierigkeiten.“ Was an vielen kleinen Blessuren lag, aber auch am neuen System. „Jetzt hat sie richtig Bock auf das Turnier und will zeigen, welche Qualitäten in ihr stecken.“
Lena Degenhardt zieht im Bundesliga-Duell gegen die HSG Blomberg-Lippe aus dem Rückraum ab. Foto: imago/HMB-Media
Auf der Tribüne werden viele Freunde und Bekannte sitzen. Schließlich spielte Degenhardt in der Region für die SG H2Ku Herrenberg, den VfL Pfullingen, den TV Nellingen und von 2019 bis 2023 für die TuS Metzingen. „Wir hoffen, dass wir es schaffen, in dieser Saison etwas Zählbares mitzunehmen“, sagt die 1,78 Meter große Spielerin. Noch warten die „Flames“ von der Bergstraße auf ihren ersten Titel. In der European League kam bereits das Aus gegen den rumänischen Rekordmeister Rapid Bukarest, bleiben noch die Meisterschaft und eben der DHB-Pokal. Ihre mittelfristigen Ziele lauten: Einmal in der Champions League am Ball zu sein. Und wenn zu ihren 17 A-Länderspielen noch weitere dazukommen würden, hätte sie auch nichts dagegen.
Sarah Wachter (Borussia Dortmund) Ob die aktuelle Nationaltorhüterin mit dem DHB-Pokal-Titel aus Stuttgart abreist, weiß keiner. Ziemlich sicher dürfte sie ein Päckchen mit in den Pott nehmen, in dem sich etwas Leckeres befindet: Die von ihr heiß geliebten Maultaschen aus der elterlichen Metzgerei in Remshalden-Grunbach. Die vermisst die 26-Jährige seit ihrem Wegzug aus dem Ländle 2023.
Davor stand die gebürtige Schorndorferin für den SV Remshalden (mit dem sie deutscher B-Jugend-Meister wurde), den SC Korb, den TV Nellingen und die Sport-Union Neckarsulm zwischen den Pfosten. „Sarah befindet sich in sehr guter Form und legt in vielen Spielen den Grundstein für unsere Erfolge“, sagt der niederländische BVB-Trainer Henk Groener.
Sarah Wachter (Mi.) jubelt im Dress der Nationalmannschaft. Foto: imago/wolf-sportfoto
Der Ex-Bundestrainer wird am Saisonende vom früheren Nationalspieler Kay Rothenpieler abgelöst, Sarah Wachter aber bleibt dem aktuellen Bundesliga-Tabellenführer treu – sie hat ihren Vertrag bis 2028 verlängert. „Ich fühle mich sehr wohl in Dortmund und sehe hier noch viel Entwicklungspotenzial – für mich persönlich und für das Team. Deshalb war die Entscheidung für mich logisch“, begründet Wachter ihren Entschluss zur Verlängerung. Von den kulinarischen Einschränkungen mal abgesehen.
Nicole Roth (HSG Blomberg Lippe) In der Saison 2017/18 spielte die aktuelle Torhüterin des Bundesliga-Zweiten HSG Blomberg Lippe bei der SG BBM Bietigheim. Dort lernte sie Torwartkollege Domenico Ebner (32) kennen, der seinerzeit in der Männermannschaft der SG zwischen den Pfosten stand. Seitdem gehen die beiden als Paar im Gleichschritt durchs Leben. Nur leider nach der gemeinsamen Bietigheimer Zeit nicht mehr im gleichen Verein, sondern in verschiedenen Clubs an recht weit entfernten Orten. Damit ist ab der kommenden Saison Schluss: Der italienische Nationalkeeper Ebner (aktuell noch beim SC DHfK Leipzig) wechselt ins nur 20 Kilometer von Blomberg entferne Lemgo zum TBV.
Nicole Roth (re.) mit HSG-Nationalspielerin Nieke Kühne. Foto: imago/Eibner
In Württemberg spielte die gebürtige Nürnbergerin auch für die Sport-Union Neckarsulm und via Zweitspielrecht für die FSG Waiblingen-Korb – ihr größter Erfolg war der Double-Gewinn 2025 mit der HB Ludwigsburg. „Nicole ist eingebettet in unser Torwart-Trio und hilft uns mit ihrer Erfahrung sehr“, sagt HSG-Trainer Steffen Birkner, „sie freut sich riesig auf das Turnier in Stuttgart.“ Nicole Roths Partner kann auf der Tribüne nicht die Daumen drücken: Ebner kämpft an diesem Wochenende im Leipziger Heimspiel gegen den den TVB Stuttgart um den Klassenverbleib.
Programm Haushahn Final4
Samstag, 14. März Erstes Halbfinale: HSG Bensheim/Auerbach – Thüringer HC um 16.30 Uhr; Zweites Halbfinale: Borussia Dortmund – HSG Blomberg-Lippe um 19 Uhr (beide live DF1). Für den Samstag sind bisher gut 2800 Tickets verkauft.
Sonntag, 15. März Spiel um Platz drei und 14 Uhr; Finale um 16.30 Uhr (live DF1). Für den Sonntag sind bisher rund 3400 Tickets verkauft. (jüf)