DHB-Team Vizeweltmeister Euphorie an die Basis tragen
Das verlorene Finale der DHB-Frauen ändert nichts an der positiven Außenwirkung dieser WM. Die Euphorie gilt es, an die Basis weiterzutragen, meint unser Autor Jürgen Frey.
Das verlorene Finale der DHB-Frauen ändert nichts an der positiven Außenwirkung dieser WM. Die Euphorie gilt es, an die Basis weiterzutragen, meint unser Autor Jürgen Frey.
Die Explosion der Gefühle blieb aus. Wenn es stimmt, dass der Sport Geschichten schreibt, die schöner sind, als das wirkliche Leben, dann hätte die Krönung der deutschen Handballerinnen dazu gehört. Doch das knapp verlorene WM-Finale gegen Norwegen ändert wenig an der überragenden Bilanz dieser Titelkämpfe. Denn schon mit dem phänomenalen Halbfinalsieg gegen Titelverteidiger Frankreich hatte die erste Medaille seit 2007 für das DHB-Team festgestanden. Dass es dann gegen die Übermannschaft der vergangenen Jahre nicht die erste Goldene seit dem WM-Titel 1993 wurde, lässt sich verschmerzen.
Den Rückenwind und die Euphorie durch die klaren Siege aus der Vor- und Hauptrunde hatte das Team mit in die K.-o.-Spiele genommen. Es waren nicht nur die Ergebnisse, sondern die Art und Weise wie die DHB-Auswahl auftrumpfte, die beeindruckten. Die Spielerinnen ließen ihr Herz auf der Platte, begeisterten mit leidenschaftlichen Auftritten die Sportfans. Durch die drei Live-Übertragungen im öffentlich-rechtlichen TV gewannen sie neue Freunde auch außerhalb der Handball-Blase. Mit den Namen Antje Döll, Katharina Filter oder Viola Leuchter können nun auch bedeutend mehr Kinder und Jugendliche etwas anfangen.
Eine positivere Außenwirkung als diese WM-Auftritte kann es nicht geben. Wesentlichen Anteil daran hat der Bundestrainer. Markus Gaugisch hat einen klasse Job gemacht. Im Turnier etwa durch seine schlüssige Wechseltaktik, aber auch schon vorher. Die willensstarke und robuste Abwehrchefin Aimee von Perreira einzubauen, war eine Schlüsselentscheidung. Antje Döll für Emily Vogel zur Kapitänin zu machen, eine andere. Döll spielte bis zum Finale das Turnier ihres Lebens, Vogel – ohne den Rucksack der Spielführerbinde – überzeugte genauso. Die Verlängerung von Gaugischs im April 2026 auslaufendem Vertrag ist daher nur Formsache. Nun gilt es für den Verband, im Rausch des Finales keine Fehler zu machen, sondern mit klugen Konzepten die Euphorie an die Basis weiterzutragen. Es sollten Pakete geschnürt werden, die den Vereinen im ganzen Land helfen, qualitativ gute Trainer im weiblichen Bereich zu entwickeln. Damit der Effekt dieser grandiosen WM nicht als Momentaufnahme verpufft.