Wie alarmiert der Hund sein Herrchen?
Das ist eine der Möglichkeiten, wie die fünf Jahre alte Hündin Alarm schlägt und ihrem Herrchen anzeigt, dass es an der Zeit ist, seinen Blutzuckerspiegel wieder einzupendeln: „Sie kratzt auch mit ihrer Pfote an meinem Hosenbein und zeigt so an, dass ich endlich was dagegen machen soll.“ Anschließend apportiert sie eine Notfalltasche, die alle wichtigen Medikamente enthält, um die Werte wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ally weiche ihm daraufhin nicht mehr von der Seite, bis sie merkt, dass es ihm wieder gut geht.
Der 47-jährige Konstrukteur Jean-Pierre Maier leidet seit 2009 an der Autoimmunerkrankung Diabetes Typ I. Aufgrund von weiteren Erkrankungen hat sich bei ihm mit der Zeit eine Wahrnehmungsstörung bezüglich Unterzuckerungen eingeschlichen. Ein normaler Wert des Blutzuckerspiegels liegt bei 80 bis 120 Milligramm pro Deziliter. Sinkt der Wert unter 40, etwa infolge großer körperlicher Belastungen, wird es für Diabetiker gefährlich. So ist es schon häufiger vorgekommen, dass er zu Hause in Ohnmacht gefallen ist und dabei schwere Kopfverletzungen erlitten hat. Umso glücklicher ist er darüber, dass er mit Ally seit circa vier Jahren auf einen treuen und unerlässlichen Begleiter zählen kann. „Was Hunde leisten können, schafft kein Gerät und ist in meinem Fall lebensrettend“, sagt Maier.
Ausbildung zum Diabetikerwarnhund
Aber wie genau nehmen die Hunde eine Unter- oder Überzuckerung überhaupt wahr? „Man kann es mit der Ausbildung eines Drogenspürhundes vergleichen, da er sich erst an meinen Geruch gewöhnt und irgendwann die Unterzuckerung erschnüffelt“, sagt der 47-Jährige. Dazu wird eine Duftprobe, ein Baumwolltuch auf dem der Schweiß des Diabetikers ist, in einen Behälter gegeben und der Vierbeiner darauf trainiert, den Geruch mit der bestimmten Blutzuckerkonzentration in Verbindung zu bringen. Im weiteren Trainingsverlauf werden dem Hund mehrere Duftproben von verschiedenen Personen vorgesetzt, damit er lernt, nur auf den Geruch des Herrchens zu reagieren. Im letzten Schritt kommen noch weitere Düfte dazu, wie beispielsweise das gebratene Steak aus der Küche. Um diese Verhaltensweisen anzutrainieren, spiele das Belohnungssystem eine wichtige Rolle: „Der Hund muss merken, dass er für sein Verhalten eine noch bessere Belohnung erhält.“
Etwa sieben Monate lang wurde Ally in der Hundeschule ausgebildet, bis sie als Assistenzhündin anerkannt wurde. Das sei in ihrem Fall eine relativ kurze Zeit gewesen, denn eigentlich kann eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund bis zu zwei Jahre dauern. Nicht jeder Hund sei dafür geschaffen, sich zum Assistenzhund ausbilden zu lassen. „Der Hund muss es wollen, vor allem mit der Nase“, sagt Maier.
Wichtig sei es, dass eine Bindung zwischen Mensch und Tier geschaffen wird: „Wenn der Hund nicht zu 100 Prozent seinem Herrchen vertraut, dann wird es auch nichts.“ Die Hunde müssen nicht nur den richtigen Riecher haben, sondern den Willen besitzen, die Ausbildung zu machen. Neben dem Geruchstest müssen mit dem Vierbeiner tagtäglich Grundkommandos und Gehorsamkeit geübt werden und das auch nach bestandener Prüfung zum Assistenzhund. „Zu den Ausbildungsinhalten gehört auch die Sozialisierung des Hundes, sodass er Menschen gegenüber freundlich ist“, sagt Maier.
Die Suche nach der geeigneten Hundeschule
Die Suche nach einer geeigneten Hundeschule entpuppte sich dabei als schwierig. „Ich hatte Glück, dass ich über einen Zeitungsbericht auf eine gute Schule gestoßen bin, denn es gibt nach meinen Erfahrungen einige unseriöse Hundeschulen, die für die Ausbildung zu viel Geld verlangen.“ In diesem Jahr wird dazu das Assistenzhundegesetz überarbeitet, sodass die Hundeschulen in Zukunft eine Zertifizierung vorweisen müssen. Derzeit könne der 47-Jährige allen, die auf der Suche nach einer Ausbildungsstätte für ihren Vierbeiner sind, nur den Ratschlag geben „die Füße erst einmal still zu halten und ein paar Monate abzuwarten, bis diese Regelungen in Kraft treten“.
Assistenzhunde im Einsatz
Tierische Helfer
Nutz- und Arbeitstiere helfen bereits seit Jahrtausenden bei alltäglichen, aber auch fast unmöglichen Aufgaben, zu denen selbst der begabteste Mensch nicht imstande wäre. Seien es Fährten- oder Therapiehunde mit ihren ausgeprägten Sinnen oder Jagdfalken, die selbst aus enormer Höhe Beute erspähen können.
Assistenzhunde
Neben den bekannten Blindenführhunden gibt es zwei weitere Typen von Assistenzhunden: Servicehunde und Signalhunde. Servicehunde werden speziell zur Unterstützung von Menschen mit motorischen Einschränkungen ausgebildet. Die meisten Servicehunde können auf Zuruf Gegenstände bringen sowie heruntergefallene Dinge aufheben. Dagegen helfen Signalhunde dabei, den Menschen zu warnen, wenn sie Symptome einer spezifischen Erkrankung, wie beispielsweise Diabetes, starke Allergien, Epilepsie oder Kreislaufentgleisungen erkennen können.