Diagnose, Symptome, Therapie Bluthochdruck – der lautlose Killer

Fachleute empfehlen, vom 40. Geburtstag an den Blutdruck mindestens jährlich, vom 50. Geburtstag an zweimal im Jahr zu überprüfen. Foto: picture alliance / Bernd Weissbrod/dpa/Bernd Weissbrod

Sehr viele Menschen leiden unter Bluthochdruck – manchmal unerkannt, manchmal mit schlimmen Folgen. Wie geht man damit um?

Wer nach seiner Schuhgröße gefragt wird, dem dürfte die Antwort nicht schwerfallen. Doch wer weiß schon seine Blutdruckwerte? Diese sind mindestens ebenso wichtig: Denn ein erhöhter Druck in den Gefäßen kann zu vielen körperlichen Beschwerden führen wie Nierenversagen, Sehstörungen bis hin zu Schlaganfall und Herzinfarkt. Was sind die Symptome, wie wird Bluthochdruck erkannt und therapiert – und was dient der Vorbeugung? Das beantwortet dieser Beitrag.

 

Beschreibung

Das Herz pumpt mit jedem Schlag Blut durch den Körper. Damit das Blut durch den Körper fließen und so alle Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann, übt es Druck auf die Blutgefäße aus. Dieser Druck wird als Blutdruck bezeichnet und schwankt im Laufe des Tages und der Nacht je nach Tätigkeit und Emotionen. Ist der Blutdruck aber dauerhaft zu hoch, spricht man von Bluthochdruck oder Hypertonie. Bluthochdruck entsteht der deutschen Herzstiftung zufolge dann, wenn das Herz in einer bestimmten Zeit vermehrt Blut pumpt, wenn der Widerstand in den Blutgefäßen des Körpers erhöht ist oder auch wenn beide Faktoren gleichzeitig auftreten.

Das passiert einmal altersbedingt. „Vermutlich liegt das daran, dass die Gefäße im Alter nicht mehr so elastisch sind", sagt Thomas Nordt, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßkrankheiten am Klinikum Stuttgart sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Aber auch Faktoren wie eine erbliche Veranlagung, Übergewicht, wenig Bewegung oder Stress, eine salzreiche Ernährung sowie hoher Alkoholkonsum oder Rauchen können zu Bluthochdruck führen.

Laut Daten aus der „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) des Robert Koch Instituts haben in Deutschland rund 20 Millionen Erwachsene bekannten, ärztlich diagnostizierten Bluthochdruck, damit ist etwa jeder dritte Erwachsene betroffen. Mit dem Alter steigt das Risiko noch einmal deutlich an. In Baden-Württemberg leiden mehr als zwei Drittel der Senioren an Bluthochdruck, wie Daten aus unserem Gesundheitsatlas zeigen. Hinzu kommen sehr viele unentdeckte Fälle von Bluthochdruck. „Wir gehen davon aus, dass etwa die Hälfte der Erwachsenen gar nicht weiß, dass sie überhaupt Bluthochdruck haben“, sagt Thomas Nordt.

Hoher Blutdruck – die Symptome

Das Tückische am Bluthochdruck ist: Den Betroffenen tut erst einmal nichts weh, sie fühlen sich nicht schlecht. Wenn Symptome auftreten, dann sind diese eher unspezifisch wie Schlafstörungen, Schwindel, Herzklopfen oder Kopfschmerzen – und werden gern anderen Ursachen, wie etwa Stress zugeschrieben.

„Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck macht aber viele Schäden an den Blutgefäßen und den Organen“, sagt Thomas Nordt. So wird beispielsweise der Herzmuskel durch die vermehrte Arbeit dicker, was die Herzfunktion stört. „Und Patienten mit Bluthochdruck bekommen viel eher einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder Nierenschäden“, sagt Thomas Nordt. Unerkannter Bluthochdruck gilt zudem als wesentlicher Grund für einen vorzeitigen Tod.

Ungesunde Ernährung fördert nicht nur den Risikofaktor Übergewicht, sondern kann auch direkt Bluthochdruck erzeugen: So lassen zu salziges Essen und zu viel Alkohol den Blutdruck steigen. Stress gilt es zu vermeiden: „Er stößt molekulare Prozesse an, die zu einer chronischen Entzündung im Körper führen“, sagt der Kardiologe Schunkert. Das schädigt die Gefäße. Auch der Klimawandel kann Bluthochdruck begünstigen. Bekannt ist, dass Umweltverschmutzungen wie Feinstaub oder Schwefeldioxid den Blutdruck erhöhen, ebenso wie hohe Lärmpegel durch Flugzeuge und Verkehr. Auch extreme Hitzeperioden setzen den Körper so unter Stress, dass der Blutdruck steigen kann.

Checks spätestens ab 40

Fachleute empfehlen, vom 40. Geburtstag an den Blutdruck mindestens jährlich, vom 50. Geburtstag an zweimal im Jahr zu überprüfen. Ist in der Familie bereits Bluthochdruck aufgetreten, sollten regelmäßige Checks spätestens ab dem 30. Lebensjahr erfolgen.

Um Bluthochdruck festzustellen, hilft nur regelmäßiges Blutdruckmessen. Als normal wird bei Erwachsenen ein Blutdruck von 120/80 mmHg bezeichnet, ebenso Werte zwischen 120-129/80-84 mmHg. Bluthochdruck startet der deutschen Herzstiftung zufolge ab Werten von 140/90mmHg. Da der Blutdruck jedoch schwankt, reicht eine einmalige Messung nicht aus, um eine Hypertonie zu diagnostizieren. Hinzu kommt, dass beim Arzt häufig höhere Werte auftreten als zu Hause, weil beispielsweise auch Aufregung den Blutdruck beeinflusst.

Daten und Tipps zu den 12 häufigsten Krankheiten: Hier geht es zu unserem Projekt Gesundheitsatlas BW

Die deutsche Herzstiftung nennt folgende Faustregeln für die Diagnose von Bluthochdruck: In der Sprechstunde des Arztes gilt als hoher Blutdruck, wenn im Schnitt an zwei Tagen ein Wert über 140/90 mmHg ermittelt wurde. Bei der Selbstmessung zu Hause gilt als Bluthochdruck, wenn im Schnitt an sieben aufeinander folgenden Tagen Werte über 135/85 mmHg auftreten. In der 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung sollte der Mittelwert aus Tag und Nacht unter 130/80 mmHg liegen, um Bluthochdruck auszuschließen.

„Wird bei Patienten ab etwa 50 Jahren Bluthochdruck diagnostiziert, ist das sehr wahrscheinlich eine eigenständige Erkrankung“, sagt Thomas Nordt. Bei jüngeren Betroffenen kann Bluthochdruck dagegen auch eine Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung sein, weshalb weitere Untersuchungen etwa der Nieren, des Herz-Kreislaufsystems oder des Hormonsystems anstehen.

Was hilft gegen Bluthochdruck?

„Den Lebensstil ändern und Medikamente nehmen“, nennt Thomas Nordt die beiden Dinge, auf die sich Patienten mit Bluthochdruck einstellen müssen. Lebensstil ändern bedeutet: Regelmäßiges Ausdauertraining, fünfmal die Woche für 30 Minuten. „ Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren, egal, Hauptsache es macht dem Patienten Spaß und er bleibt regelmäßig dabei“, sagt Thomas Nordt. Wer Übergewicht hat, sollte dieses abbauen. Ist die Ernährung salzreich, etwa weil sie aus vielen Fertigprodukten besteht, hat man hier einen weiteren Ansatzpunkt für Veränderungen.

„All diese Dinge helfen gut, reichen bei den Meisten aber nicht aus, um den Blutdruck ausreichend zu senken“, sagt Thomas Nordt. Weshalb Betroffene sich darauf einstellen müssen, zusätzlich Medikamente zu nehmen – und zwar dauerhaft, denn in der Regel bleibt Bluthochdruck. „Wir haben heute zum Glück aber wirksame und vor allem sehr gut verträgliche Medikamente gegen Bluthochdruck“, sagt Thomas Nordt. Wichtig sei jedoch zu wissen, dass der Körper anfangs eine Art Entzug durchmache, wenn der Blutdruck gesenkt wird.

„Viele haben zunächst weniger Elan und sind kraftloser als früher und schieben das dann auf die Medikamente“, sagt Thomas Nordt. Tatsächlich aber brauche der Körper einige Zeit, um sich wieder auf einen normalen Blutdruck einzustellen, mit dem es den Patienten dann auch wieder gut geht. „Man sollte deshalb nie voreilig und vor allem ohne Rücksprache mit einem Arzt Blutdruckmedikamente einfach wieder absetzen“, sagt Thomas Nordt.

Wie man Bluthochdruck vorbeugt

Durch einen gesunden Lebensstil lassen sich zumindest einige Risikofaktoren für Bluthochdruck minimieren. Dazu gehören etwa eine gesunde Ernährung sowie ausreichend Bewegung – auch,  um Übergewicht zu vermeiden. Wenig Alkohol trinken und möglichst nicht rauchen tragen ebenfalls zur Prävention bei. „Es gibt aber auch Patienten, die leben gesund, sind schlank, bewegen sich viel und haben trotzdem Bluthochdruck. Das ist dann einfach genetisch bedingt oder dem Lebensalter geschuldet“, sagt Thomas Nordt.

Deshalb und weil man Bluthochdruck oft nicht sofort bemerkt, empfiehlt er jedem Erwachsenen ab 20 Jahren, sich immer mal wieder den Blutdruck messen zu lassen. „Das kann man bei jedem Arzt machen, beispielsweise auch, wenn man einen Augenarzttermin hat. Oder man fragt in der Apotheke nach“, sagt Thomas Nordt. Mit geeigneten Geräten sei es auch kein Problem, den Blutdruck zu Hause zu messen.

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