Diakonie Feuerbach Werbetour für ein besseres Image

Sich einmal alt fühlen: Unter der Aufsicht der FSJlerinnen Natahlie Gaus und Meike Hasenmaile (im Hintergrund) probierten die Schüler einen Rollator aus. Foto: Benjamin Bauer
Sich einmal alt fühlen: Unter der Aufsicht der FSJlerinnen Natahlie Gaus und Meike Hasenmaile (im Hintergrund) probierten die Schüler einen Rollator aus. Foto: Benjamin Bauer

Mit einer „Roadshow“ will die Diakonie junge Menschen für soziale Berufe begeistern.

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Stuttgart-Feuerbach - Im Pausenhof der Realschule Feuerbach stehen Strandliegestühle, aus einer Stereoanlage kommt Hip-Hop-Musik. Auf einem VW-Bus prangt das Logo der Diakonie-Initiative „Ran ans Leben“ im Graffiti-Stil. Der Kleinbus macht auf seiner Tour an insgesamt 40 Schulen in Baden-Württemberg halt – in Feuerbach können die Realschüler an diesem Mittag an vier Stationen unter anderem ausprobieren, wie es sich anfühlt, einmal im Rollstuhl zu sitzen oder mit einem Rollator zu gehen. Mit solchen Aktionen will die Diakonie junge Menschen für Jobs im Bereich des Sozialen oder der Pflege begeistern.

Denn Berufe wie Altenpfleger, Sozialarbeiter oder Sonderpädagoge haben ein Imageproblem. Viele Menschen verbinden damit hauptsächlich unangenehme Tätigkeiten. „Dieser Eindruck entspricht aber nicht der Wirklichkeit“, sagt Wolfgang Hinz-Rommel, Leiter der Freiwilligendienste der Diakonie Württemberg. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des diakonischen Werks Württemberg, Heike Baehrens, pflichtet ihm bei: „Toilettengänge mit pflegebedürftigen Menschen machen ja nur einen kleinen Teil des Berufsbildes aus.“

Die Aufstiegschancen sind gut

Das wissen auch die 19-jährigen Abiturientinnen Meike Hasenmaile und Nathalie Gaus. Sie kümmern sich während eines freiwilligen sozialen Jahres in einer Einrichtung der Diakonie um behinderte Menschen. Bei der heutigen Veranstaltung stehen die beiden Mädchen als Ansprechpartnerinnen an der Rollator-Station bereit. „Natürlich dringen wir bei unserer Tätigkeit in intime Bereiche vor“, sagt Gaus. „Damit habe ich aber kein Problem.“ Für Nathalie Gaus ist an einer Tätigkeit im sozialen Bereich besonders der menschliche Bezug so reizvoll. „Man ist da so nah am Menschen dran, das gibt es in wenigen anderen Berufen.“ Doch ein Wermutstropfen sei dabei: „Ich glaube, in sozialen Berufen verdient man eher schlecht“, sagt Gaus. Das potenzielle Gehalt ist für ihre Kollegin Meike „natürlich auch ein Argument“. Deshalb will sie nach ihrem Freiwilligendienst Sonderschullehrerin werden. „Das ist einer der am besten bezahlten Jobs im sozialen Bereich“, sagt die Abiturientin.

Dass soziale Berufe generell schlecht bezahlt seien, will Heike Baehrens so nicht stehen lassen. „Das mit dem Verdienst ist ein falsches Bild“, sagt sie. Das Einstiegsgehalt einer examinierten Pflegekraft liege beispielsweise zwischen 35.000 und 38.000 Euro brutto im Jahr. Im Gegensatz zu anderen Branchen seien außerdem die Aufstiegschancen im sozialen Bereich gut und die Tätigkeiten an sich sehr vielseitig. „Das wird in der Öffentlichkeit oft unterschätzt“, sagt Baehrens.

„Die jungen Männer und Frauen werden definitiv gebraucht“

Manche jungen Leute überzeugt das dennoch nicht. Durch Sozial-Praktika in der siebten Klasse haben die Schüler der Realschule Feuerbach ihre eigenen Erfahrungen gemacht – mit gemischten Ergebnissen. „Ich habe ein Praktikum im Altenheim gemacht“, sagt die 15-jährige Lisa-Marie. „Das war sehr interessant, doch mein Traumberuf ist es nicht. Ich möchte lieber Architektin werden.“

Schulleiter Herwig Rust sieht den Vorteil einer sozialen Beschäftigung nicht nur in einer vermeintlich besseren beruflichen Perspektive. „Die persönliche Reifung ist meiner Meinung nach für die Jugendlichen sehr positiv“, sagt er. Oft erkenne er nach einem Sozial-Praktikum seine Schüler kaum wieder. „Man merkt schon, dass sich da was tut.“ Die größten Störenfriede würden danach ganz leise und demütig.

Diesen Effekt kennt und schätzt auch Kirchenrätin Baehrens. Sie ist sich sicher: „Soziale Berufe sind mehr als nur ein Job“, sagt sie. „Und die jungen Männer und Frauen werden definitiv gebraucht.“




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