Diakonie-Präsident Kottnik gibt nach Affäre auf

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Diakoniechef Klaus-Dieter Kottnik war durch die Turbulenzen um eine Beratungsfirma geschwächt. Ende des Monats will er sein Amt niederlegen.

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Stuttgart - Vier Wochen nach dem Bekanntwerden eines Filzverdachtes hat der Präsident des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschlands, Klaus-Dieter Kottnik, überraschend seinen Rücktritt erklärt. » Der 58-jährige Theologe lege sein Amt zum 30. September "aus gesundheitlichen Gründen" nieder, teilte die Diakonie mit.

Der Diakonische Rat – das Aufsichtsgremium des evangelischen Wohlfahrtsverbandes – nehme den Rücktritt "mit Respekt zur Kenntnis", hieß es in der Erklärung. Als Vorsitzender des Rates dankte der württembergische Landesbischof Frank Otfried July Kottnik für seinen "engagierten Einsatz" und seine "zukunftsorientierten Ideen"; er habe "das Verhältnis zwischen Kirche und Diakonie...weiter vertieft".

Ob und inwieweit ein Zusammenhang mit der Affäre um eine Stuttgarter Unternehmensberatung » besteht, ging aus der Pressemitteilung nicht hervor. Auch eine Diakonie-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Die Angelegenheit wäre "auch für einen gesunden Menschen belastend", sagte sie nur. Kottnik war seit längerem gesundheitlich angegriffen. Während der laufenden internen Untersuchung der Vorgänge hatte er sich krank gemeldet.

Vorgänge werden geprüft


Durch Recherchen der Stuttgarter Zeitung war Ende August eine Personalverquickung zwischen der Diakonie und der Stuttgarter Unternehmensberatung Dr.Dithmar & Partner bekannt geworden. Die von der Theologin Christiane Dithmar geleitete Firma hatte wiederholt Aufträge des Diakonischen Werkes erhalten. Erst durch eine StZ-Anfrage will der Präsident Kottnik erfahren haben, dass sein persönlicher Referent Walter Merz zeitweise gleichzeitig Partner der Gesellschaft war.

Weder Merz noch Dithmar hatten dies nach eigenen Angaben offenbart, was sie inzwischen ausdrücklich als Fehler bedauerten. Im Zuge der StZ-Recherchen zog die Diakonie umgehend Konsequenzen. Kottniks persönlicher Referent, ein Studienfreund Dithmars, wurde "mit sofortiger Wirkung" abgelöst. Er bat um die Rückkehr in seine Landeskirche, wo er zuvor als Pfarrer tätig war. Zugleich beschloss der Vorstand, "jede Form der Zusammenarbeit" mit Dithmars Firma zu beenden. "Aufgrund der Umstände", so die Begründung, habe man "eine vertrauensvolle Zusammenarbeit als nicht mehr möglich angesehen".

Auf Veranlassung des Diakonischen Rates werden die Vorgänge derzeit von einer externen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft untersucht. Dabei soll auch geklärt werden, ob es Unregelmäßigkeiten bei Auftragsvergaben gab. Darauf gebe es einen "sehr vagen Hinweis", hieß es zuletzt.