Diakonie Stetten will in Baltmannsweiler bauen Ein Zuhause für Menschen mit Handicap
24 Wohnplätze samt Kurzzeitbetreuung will die Diakonie Stetten für Kinder und Jugendliche schaffen.
24 Wohnplätze samt Kurzzeitbetreuung will die Diakonie Stetten für Kinder und Jugendliche schaffen.
Endlich soll wieder Leben auf das 2000 Quadratmeter große Grundstück einziehen, auf dem die frühere neuapostolische Kirche in Baltmannsweiler steht. Hier will die Diakonie Stetten (Rems-Murr-Kreis) für rund sechs Millionen Euro ein Wohnangebot für Kinder und Jugendliche mit Behinderung samt integrierter Kurzzeitbetreuung schaffen. Und die Kommune Baltmannsweiler möchte mit einer Kindertagesstätte ebenfalls vertreten sein. Allerdings mahlen die Mühlen extrem langsam. Erst vor kurzem konnte mit der Detailplanung begonnen werden, obwohl der Grundstückskauf bereits 2019 über die Bühne ging.
24 Plätze will die Diakonie Stetten in Baltmannsweiler einrichten. Es soll das erste Projekt dieser Art im Kreis Esslingen werden, bei dem 18 langfristige Wohnplätze mit sechs für Kurzzeitaufenthalte kombiniert werden. Dieses Zusammenspiel der Angebote „ermöglicht mehr Flexibilität und bedeutet eine bessere Grundlage zur Deckung der Kosten“, erklärt Steffen Wilhelm. Der Diakonie-Sprecher sieht einen hohen Bedarf bei den betroffenen Familien. Betreut werden sollen die jungen Bewohnerinnen und Bewohner von mindestens 3,6 Vollkraftstellen für jede der vier geplanten Wohngruppen im Haus.
Und Katharina Kiewel, Sozial-Dezernentin im Landkreis Esslingen ergänzt, hier werde für Kinder und Jugendliche mit wesentlicher geistiger und/oder mehrfacher Behinderung eine Lücke in der Versorgung in den Landkreisen Esslingen und Göppingen geschlossen. Es sei ihr wichtig zu betonen, dass mit dem Standort in Baltmannsweiler die Kinder und Jugendlichen auch weiterhin ihrer Schulpflicht nachkommen können. Für die Familien bedeute diese Möglichkeit mehr Flexibilität für private und berufliche Planungen. Die Diakonie möchte beispielsweise Entlastung bieten, wenn ein betreuendes Elternteil krank geworden ist, die Eltern einen Urlaub oder eine Kur oder einfach einmal Zeit zum Auftanken brauchen.
Die Frage der Finanzierung war bei diesem Projekt wohl nicht ganz einfach zu klären, zumal neben dem Kreis Esslingen auch der Kreis Göppingen im Boot sitzt, der ein Belegungsrecht für ein Drittel der Plätze anstrebt. Für die Diakonie Stetten steht fest, dass sie für den laufenden Betrieb des Hauses auskömmliche Pflegesätze benötigt, die auch das Auslastungsrisiko für die Kurzzeitplätze berücksichtigen.
Vor allem über die Finanzierung der Kurzzeitbetreuung sei intensiv diskutiert worden, heißt es in einer Stellungnahme der Diakonie. Hier sei es um die Einschätzung der möglichen Auslastung für diese Plätze gegangen, die ja ganzjährig vorgehalten werden sollen. Erfahrungsgemäß seien Kurzzeitplätze aber vor allem an den Wochenenden und in den Ferienzeiten voll belegt. Diese Betreuungsleistung für die 24 Plätze werde über die beiden belegenden Kreise refinanziert.
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Bei der Kurzzeitbetreuung erfolge im Einzelfall auch der Einsatz von Pflegeversicherungsleistungen. Da die Kurzzeitplätze nicht immer zu 100 Prozent belegt sind, haben die Vertreter der Landkreise Esslingen und Göppingen mit der Diakonie Stetten vereinbart, sie bei einem tatsächlichen finanziellen Auslastungsrisiko nicht alleine zu lassen. Eine von der Sozialplanung des Landkreises Esslingen durchgeführte Bedarfserhebung prognostiziere aber eine gute Auslastung.
Inzwischen hat die Diakonie Stetten die konkrete Detailplanung beauftragt. Bevor der Bauantrag gestellt werden kann, steht noch die Zusage einer investiven Förderung des Vorhabens durch den Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) als Meilenstein bevor. Die Diakonie erhofft sich rund eine Million Euro. Diese Förderung ist laut Diakonie wichtig, damit das Projekt realisiert werden kann. Der Förderantrag soll in die Sitzung des Förderausschusses im November eingebracht werden. Vorher müssen auch noch die Gremien der Diakonie der Entwurfsplanung zustimmen.
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Auch die enormen Baukostensteigerungen werden noch Thema sein. Immerhin gehe es um ein Vorhaben, bei dem sich alle Beteiligten für einen Zeitraum von 25 Jahren festlegen und das sich nur dann langfristig tragen werde, wenn die Diakonie Stetten das Erstrisiko übernimmt, die beiden Landkreise als Kostenträger die angemessene Finanzierung übernehmen und die Familien die Kurzzeitbetreuung nicht nur in den Ferienzeiten und an Wochenenden in Anspruch nehmen werden, erklärt Steffen Wilhelm.
Bereits 2014 hatte der Kreis Esslingen in Stetten mit der Bitte angeklopft, solch ein Angebot zu schaffen. Vor allem Abstimmungsfragen rund um die Finanzierung hatten die Planungen beträchtlich in die Länge gezogen. Und in den beiden Corona-Jahren wurden Projektplanungen bei der Diakonie Stetten zeitweise zurückgestellt, da das akute Krisenmanagement im Vordergrund stand, erklärt der Sprecher Steffen Wilhelm.
„Seither haben wir das Projekt mit großem Aufwand und mit viel Herzblut verfolgt, mussten aber leider immer wieder Rückschläge hinnehmen. Nach den ausführlichen und sehr konstruktiven Gesprächen mit den Vertretern der beiden Landkreise und der Gemeinde Baltmannsweiler haben wir jetzt eine gute Basis gefunden, um in die Detailplanung einsteigen zu können. Wir hoffen sehr, dass diese Detailplanung die langfristige Tragfähigkeit des Vorhabens zeigen wird. Und wir werden alles daransetzen, dass das Projekt jetzt zügig vorankommt und die notwendigen Gremienentscheidungen bald getroffen werden können“, sagt dazu Pfarrer Rainer Hinzen, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten.
Ausgangslage Der Landkreis Esslingen ist Leistungsträger der Eingliederungshilfe und planender Standortlandkreis. Er finanziert bedarfsbezogen die Leistungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Voraussetzung für die Umsetzung eines Einrichtungsangebotes ist eine Bedarfsbestätigung des Landkreises. Er begleitet fachlich das Planungsverfahren der investiven Förderung im Zusammenwirken mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales und schließt, in der Regel kurz vor der Bezugsfertigstellung, mit dem Leistungserbringer eine Leistungs- und Vergütungsvereinbarung ab, die für alle belegenden Landkreise verbindlich ist.
Diakonie
Beratung, Assistenzangebote, Wohn- und Freizeitangebote, Arbeits- und Ausbildungsplätze, therapeutische und medizinische Hilfen in Kindertagesstätten, Schulen, Werkstätten und vielem mehr bietet die Diakonie Stetten an. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Handicap und deren Familien, junge Menschen mit Förderbedarf, Kinder und Jugendliche, ältere und pflegebedürftige Menschen und Menschen mit psychischer Behinderung. Die 1849 in Kernen-Stetten (Rems-Murr-Kreis) gegründete Diakonie Stetten betreut Einrichtungen an rund 100 Standorten, überwiegend im Großraum Stuttgart.