Diakonische Einrichtungen Zweiter Corona-Fall in der Diakonie Stetten

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In der Diakonie Stetten ist am Donnerstag die zweite Infizierte bestätigt worden. Die Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen im Kreis haben auf die Pandemie rasch reagiert.

Wo sonst reges Leben herrscht, ist es zurzeit absolut still wie hier um das Schloss in Stetten. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel
Wo sonst reges Leben herrscht, ist es zurzeit absolut still wie hier um das Schloss in Stetten. Foto: Gottfried Stoppel/Gottfried Stoppel

Kernen/Winnenden - In der Diakonie Stetten ist am Donnerstagabend der zweite Corona-Fall aufgetreten. Nachdem am Mittwoch eine Mitarbeiterin positiv getestet worden war, ist nun eine Bewohnerin der Einrichtung für Menschen mit Behinderung betroffen. „Die Coronatests bei den ermittelten Kontaktpersonen des ersten Falls haben bei einer der Personen zu einem positiven Testergebnis geführt“, teilte Steffen Wilhelm, der Sprecher der Diakonie Stetten mit. „Es handelt sich um eine 79-jährige Frau mit Behinderung. Sie lebt in der Wohngruppe, in der die bereits infizierte Mitarbeiterin vor ihrer Quarantäne noch zwei Tage gearbeitet hatte.“ Die Frau werde intensiv beobachtet und begleitet und zeige zurzeit keine Krankheitssymptome.

Wohngruppe unter Quarantäne

„Der Mitarbeiterin geht es, abgesehen von Erkältungssymptomen, gesundheitlich gut“, so Steffen Wilhelm. Auch in dem zweiten Fall seien in Absprache mit dem Gesundheitsamt unverzüglich die erforderlichen Schutzmaßnahmen eingeleitet. worden. Die 79-jährige Frau halte sich in Räumen ihrer Wohngruppe auf, wie jemand, der unter häusliche Quarantäne gestellt wurde. Die Mitbewohner befinden sich ebenfalls in Quarantäne. Die weiteren Tests seien bisher alle negativ ausgefallen.

Auf den Internetseiten der großen diakonischen Einrichtungen im Kreis wird tagesaktuell über die Maßnahmen informiert, welche die jeweilige Einrichtung ergriffen haben. Dazu zählen neben der Diakonie Stetten die Paulinenpflege und die Erlacher Höhe. Bei der Diakonie Stetten tagen regelmäßig ein Krisen- und ein Planungsstab. Wie bei der Paulinenpflege in Winnenden gilt bereits seit Beginn der Woche das landesweite Besuchsverbot für Pflegeheime und stationäre Wohneinrichtungen. Das heißt, nur Verwandten ersten Grades – Eltern oder Kindern von Bewohnern – oder gesetzlichen Betreuern ist der Besuch gestattet.

Die Schule beim Jakobsweg der Paulinenpflege mit allen Einrichtungen sowie das Berufsbildungswerk sind seit Dienstag geschlossen. „Schülerinnen und Schüler, die im Internat wohnen, sind nach dem Wochenende von zu Hause aus nicht mehr zurückgereist“, sagt Marco Kelch, der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in der Paulinenpflege. In den Wohngruppen der Jugendhilfe herrscht ein ähnliches Bild. „Nur wenige der Jugendlichen, die gar kein Zuhause haben, sind noch bei uns.“

Zwei Verdachtsfälle in der Paulinenpflege

Ohne Anmeldung dürfen die Häuser des Jugendhilfeverbunds im Winnender Wohngebiet Schelmenholz nicht betreten werden. Das gelte auch für Handwerker, Zulieferer und Dienstleister aller Art. „Wir sind dankbar, dass die Bundesagentur für Arbeit weiterhin die Zahlungen für das Berufsbildungswerk leistet. Damit sind wir in der Lage, weniger angespannt als ein Betrieb in der freien Wirtschaft zu planen, wie wir weiter arbeiten können“, sagt Marco Kelch.

Die Werkstätten für Menschen mit Behinderung seien noch geöffnet, werden aber ab Montag vorübergehend geschlossen, wie alle anderen Werkstätten für Menschen mit Behinderung im Land. „Es ist eine Art von Teilschließung. Wir werden auf jeden Fall versuchen, für die Betroffenen die Tagesstruktur weiter aufrecht zu erhalten. Statt am Arbeitsplatz in der Werkstatt, wird dann in den Wohngruppe Betreuung angeboten.“ Auch hier sei die Bundesagentur für Arbeit ein wichtiger Geldgeber. „Wir richten uns daher nach deren Maßgaben. Es wird sich zeigen, wie sich die Situation weiter entwickelt.“ Stand Freitag hatte die Paulinenpflege noch keinen Fall von Corona zu beklagen. „Allerdings haben wir zwei Verdachtsfälle.

Sollte es zu Infektionsfällen kommen, sei die Paulinenpflege gut mit Schutzbekleidung ausgerüstet. „Wenn es sich um einen längeren Zeitraum drehen würde oder das Ausmaß überhand nähme, wären wir natürlich auf Hilfe angewiesen“, erklärt Kelch. 700 Bewohner der Paulinenpflege seien ganz auf ihre Hilfe angewiesen, rund 500 erwachsene Menschen mit Behinderung und rund 200 Jugendliche in der Jugendhilfe. „Diese Menschen können nirgendwohin, wir sind deren Zuhause. Und wir setzen alles daran, um ihnen beizustehen“, betont Kelch.

Berufsschüler lernen zu Hause

Der Geschäftsbereich Berufliche Bildung der Diakonie Stetten, zu dem das Berufsbildungswerk Waiblingen gehört, führt seine Angebote ebenfalls nach Rücksprache mit der Bundesagentur für Arbeit bis zum 19. April in veränderter Form fort. Die Teilnehmer der verschiedenen Bildungsmaßnahmen bleiben zuhause und werden dort per Telefon oder E-Mail von ihren Ausbildern begleitet.

Die Diakonie Stetten hat zudem die Angebote der Remstal Werkstätten in Waiblingen in die Wohnbereiche verlagert. „Lediglich an den Standorten in Waiblingen und in Schorndorf findet tagsüber noch eine Notbetreuung für Klienten statt, die zuhause in ihren Familien leben“, teilte ein Sprecher der Diakonie mit. In Stetten wurde die zentrale Info- und Poststelle im Landenbergerhaus vorerst bis zum 19. April geschlossen. Das selbe gilt für das Betriebsrestaurant La Salle.

Keine externen Besucher zurzeit auf der Erlacher Höhe

Die Erlacher Höhe hat ihr Pflegeheim in Großerlach-Erlach bis auf weiteres für externe Besucher geschlossen. Das selbe gilt auch für den Laden, in dem Arbeiten der Bewohner verkauft werden und der bei Besuchern sehr beliebt ist. „Allerdings sind alle unsere Läden, in denen Lebensmittel angeboten werden, unter den aktuellen strengeren Bedingungen geöffnet. Das ist besonders wichtig für Menschen, die auf unsere günstigen Lebensmittel angewiesen sind, zumal einige Tafelläden mittlerweile geschlossen haben“, sagt Andrea Beckmann, die Sprecherin der Diakonischen Einrichtung, die sich an arme und obdachlose Menschen richtet.

Geschlossen sind dagegen die Läden der Erlacher Höhe, in denen keine Lebensmittel verkauft werden, wie das Sozialkaufhaus Strandgut in Schorndorf. „Haushaltsauflösungen werden allerdings noch gemacht. Die Annahme von Kleidung und Möbeln ist aber ausgesetzt.“ Weiterhin in Betrieb sind die Beratungsstellen und Übernachtungen für Wohnungslose, welche die Erlacher Höhe in verschiedenen Städten des Landes unterhält. Allerdings unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen. Für Menschen in existenziell bedrohlichen Situationen wird weiterhin Hilfe organisiert.




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