Stuttgart - Die Auftragsbücher sind voller als die Lagerhallen – vor dieser Situation stehen so manche der 50 größten Unternehmen in Baden-Württemberg. Und auch weil es im vergangenen Jahr bereits Probleme mit den Lieferketten gab, aber auch wegen der Pandemie, sank bei den meisten der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr.
Manche Wirtschaftsforscher rechnen zwar mit einer Entspannung – doch wann diese kommen könnte, ist ungewiss. Dennoch streben einige Unternehmen dieses Jahr wieder ein Umsatzplus an. Trumpf in Ditzingen ist nach Worten von Unternehmenschefin Nicola Leibinger-Kammüller „mit einem sehr guten Auftragseingang“ in das im Juli begonnene neue Geschäftsjahr gestartet. „Dennoch bleibt die Unsicherheit, wie sich die Stabilität der globalen Lieferketten und der Umgang mit der Coronapandemie entwickeln werden“, sagt die Vorsitzende der Geschäftsführung.
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Mit Blick auf seine Branche rechnet Dietrich Birk, der Geschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, für den Herbst mit einem schwächeren Wachstum. Ähnlich sieht dies auch das Münchner Ifo-Institut für die Gesamtwirtschaft. Trotz aller damit verbundenen Risiken gibt es nach Meinung von Johannes Schmalzl keine Alternative zu einem weltweiten Handel: „Wir brauchen globale Märkte“, sagt der Hauptgeschäftsführer der IHK Stuttgart.
Stihl schafft den größten Sprung nach vorne
In unserem Ranking der 50 größten Unternehmen gibt es diesmal nicht nur zahlreiche Minuszeichen bei Umsatz und Beschäftigtenzahlen. Denn während manche Federn lassen mussten, machten andere Unternehmen auch Boden gut. Den größten Sprung nach vorn schaffte Stihl. Der Motorsägen- und Gartengerätehersteller aus Waiblingen profitierte davon, dass wegen der Krise viele Menschen zu Hause blieben und sich in ihren Gärten zu schaffen machten. Stihl kletterte von Rang 31 auf Platz 21. Zufriedenheit herrscht auch im Handwerk und am Bau. „Die Handwerksbetriebe sind insgesamt optimistischer als vor einem Jahr“, sagt Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold. Sorgen bereiteten allerdings Mangel und Preissteigerungen bei Materialien. Hohe Auftragseingänge gebe es im Wohnungsbau, ebenso im Straßenbau: „Wir gehen von einer guten Perspektive aus“, meint Thomas Möller, der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft im Südwesten.
Handel fordert Garantie für Weihnachtseinkauf
„Die konjunkturelle Entwicklung verspricht weiter ein deutliches Wachstum“, sagt Roman Zitzelsberger, der Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg – vorausgesetzt, Corona und Halbleitermangel sorgten nicht für böse Überraschungen. „Von den Unternehmen erwarten wir ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“ – besonders wenn es um zukunftsweisende Produkte und Technologien gehe. Über Erwartungen spricht auch Sabine Hagmann, die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbandes Baden-Württemberg: „Die Lage im Handel ist heikel“, sagt sie, „einen weiteren Lockdown würden unsere Handelsgeschäfte nicht überleben.“ Dabei hat Hagmann schon die umsatzstärksten Monate im Blick und fordert eine „Öffnungsgarantie“: „Die Menschen müssen wissen, dass sie ihre Weihnachtsgeschenke im stationären Einzelhandel kaufen können.“
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Das Metzinger Modeunternehmen Hugo Boss rutschte in unserer Tabelle gleich um acht Ränge nach unten und ist mit Platz 51 nicht mehr in der Liste vertreten. Ebenso der Stuttgarter Pharmahändler McKesson Europe (früher Celesio). Er gehört zum gleichnamigen US-Konzern und verkauft weite Teile seiner europäischen Aktivitäten an den Konkurrenten Phoenix Pharmahandel. Auch Bauhaus in Mannheim haben wir herausgenommen. Der Grund: In Deutschland wird zwar verkauft, der Firmensitz liegt aber in der Schweiz. Liebherr, mit Sitz im schweizerischen Bulle, bleibt aber mit von der Partie. Der Konzern mit den meisten Beschäftigten zwischen Alb und Bodensee prägt mit seinen Fabriken für Baumaschinen und Krane die oberschwäbische Wirtschaft. Heidelberger Druckmaschinen ist nicht mehr in der Liste vertreten. Andere machten mehr Umsatz.
Neue Firmen im Ranking
Den Aufstieg unter die 50 größten Unternehmen im Südwesten haben die Paul Hartmann AG (Medizin- und Pflegeprodukte/Heidenheim), der Abgasspezialist Boysen (Altensteig), der Ventilatorenhersteller EBM-Papst im hohenlohischen Mulfingen und die in der Kunststoffverarbeitung aktive Röchling-Gruppe aus Mannheim geschafft.